Ich wollte niemals stillen…und dann wurde ich Mama!

  
Stillende Mütter waren immer ein Phänomen für mich.

Es war befremdlich und so selten, dass eine Mama ihr Kind stillte.
Ich wuchs in einer Familie auf in der nicht gestillt wurde. Meiner Mutter wurde schon bei ihrem ersten Kind gesagt sie könne nicht stillen und meine Tanten versuchten es zwar, aber gaben schon nach ein paar Wochen auf.
Immer wieder fielen Sätze wie: 

” Das Kind wurde einfach nicht satt” 

oder ” Das tat ja so weh und ich hatte sowieso zu wenig Milch” 

und ” Der Arzt meinte es sei besser Fertignahrung zu geben”.

So wurde es für mich zur Selbstverständlichkeit, dass auch ich irgendwann eine Flaschenmama werde.
Als ich mit meiner ersten Tochter schwanger wurde änderte sich in der Schwangerschaft einfach alles an mir und in mir.

Ich fing an über Windeln, Kleidung, Badezusatz und Pocreme nachzudenken.

Ich begann  zu recherchieren welches Produkt das beste, das natürlichste für mein Baby sei und ich fing an nicht mehr an mich zu denken.

Irgendwie war das einzig wichtige mein Baby.❤️

Ab Mitte der Schwangerschaft fing ich dann an nachzulesen wie das mit dem Stillen so ist.

Und ich merkte ganz schnell, dass die natürlichste Art sein Baby zu ernähren in unserer Gesellschaft wirklich zur Seltenheit geworden ist.

Kaum eine Mama hält lange durch oder versteht im Vorfeld, dass stillen nicht nur Nahrung, sondern noch viel, viel mehr ist.
-mal nebenbei, ich verstand es auch erst als mein Kind dann stillte ?-
Ich war mir sicher: ” Ich möchte stillen!”
Als meine Tochter geboren wurde, legte ich sie noch im Kreißsaal das erste mal an die Brust an.

Sie saugte wie verrückt und schlummerte friedlich dabei ein.
Im Krankenhaus begannen dann schon die ersten Probleme.

Wunde Brustwarzen durch falsches anlegen.

Genervtes Krankenhauspersonal, weil ja Flasche geben einfacher ist.

Hebammen die sowieso keine Zeit hatten mal auf Station zu kommen um zu helfen.

Ich fühlte mich furchtbar als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde und plötzlich war ich mir nicht mehr so sicher ob ich das mit dem stillen wirklich schaffen würde?
Meine Hebamme kam direkt einen Tag nachdem wir entlassen wurden und schlug erstmal die Hände über dem Kopf zusammen als ich ihr meine Brüste zeigte.

Wund, offen, blutig… Jedes anlegen bereitete mir schmerzen. Jedes Mal anlegen war eine Herausforderung und meist mit Tränen verbunden.
Also nahmen wir den Kampf auf.

Ich nahm kompressem zum kühlen, ich pumpte ab, weil ich auch noch viel zu viel Milch hatte.

Ich musste Stillhütchen verwenden, weil meine Tochter Probleme hatte meine Brust richtig zu fassen.
Ich verbrachte Wochen nur auf dem Sofa. 

Ich stillte teilweise stündlich.

Ich war verzweifelt und ca 4 Wochen nach der Entbindung waren meine Nerven so am Ende, dass wir Pulvernahrung kauften.
Und die stand dann da…. Und ich brachte es nicht übers Herz meiner Tochter diese zu füttern.
Ich hatte Muttermilch die mindestens für drei Kinder gereicht hätte. Muttermilch ist das natürlichste und dieses zufriedene Gesicht meines kleinen Mäuschens, wenn sie gestillt wurde…all das war es wofür ich die Schmerzen und den zeitlichen Aufwand gerne in Kauf nahm.
Nach und nach wurde es besser. Ich verstand, dass meine Tochter und ich erstmal das stillen lernen müssen.

Ich bekam den größten Zuspruch von meinem Mann und meiner Hebamme.. Sie haben mir Mut und Kraft nicht aufzugeben.
Als mein Kind 4 Monate wurde begann die Zeit in der ich das stillen genießen konnte.

Wir hatten einen 2-Std-Rhythmus zwischen den Mahlzeiten.

Mal mehr, mal weniger lang hielt sie aus.

Wir stillen abends und mittags zum einschlafen.

Ich war unterwegs flexibel und musste in der Nacht eben nicht aufstehen um die Flasche zu richten.

Es begann die Zeit des kuscheln und der Nähe!

Es begann die Zeit des genießen, dass mein Kind so zufrieden und war!

Und ich begann stolz zu sein.

Ich hatte mich durchgekämpft und mein Kind nahm wunderbar zu.

Mein Körper schaffte es mein Mädchen zu ernähren.
Ich habe mehr als einmal darüber nachgedacht abzustillen, aber ich tat es nicht.

Und heute bin ich froh darum.
Ich konnte mein Kind 18 Monate lang stillen.

Niemals wird meine Tochter mir so nah sein wie sie es damals war.
Heute stille ich meine zweite Tochter und ich muss sagen:

Alles war einfacher.

Liebe Mamas da draußen,

Ich möchte euch Mut machen!

Gebt bitte nicht so schnell auf!

Ja es ist anstrengend und ja ein Stillkind hat manchmal mehr Hunger als ein Flaschenkind, aber es lohnt sich!
Stillen ist nicht nur Nahrung, sondern auch Nähe und Geborgenheit.

Vertraut eurem Körper und eurem Mama-Instinkt ?
Natürlich rede ich nicht davon mit alle Gewalt zu stillen, wenn es wirklich nicht funktioniert oder es medizinische Gründe gibt es nicht zutun.
Wir sind denn eure Erfahrungen? 

Habt ihr gestillt?

Herzlichst eure Tascha