Glückliches Scheidungskind? Ja das bin ich!

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1993 trennten sich meine Eltern.

5 Jahre lang wuchs ich in einem konservativen Familienmodell auf.
Während mein Vater berufstätig war, blieb meine Mutter Zuhause, zog die 4 Kinder auf, schmiss den Haushalt und brachte jeden Tag, pünktlich zum Feierabend, ein frisch gekochtes Menü auf den Tisch.
28 Jahre waren meine Eltern verheiratet, bis meine Mutter sich entschloss aus diesem „Idyll“ auszubrechen.

Denn was nach außen so perfekt erschien war es nicht.
Meine Eltern funktionierten nicht zusammen. Als Liebespaar waren sie eine Katastrophe.
Sie waren unglücklich miteinander und doch rissen sie sich zusammen = der Kinder wegen. Dabei ahnten sie nicht, wie sehr man ihnen das Unglücklichsein anmerkte.

Sie wollten nicht, dass wir Kinder unter einer Trennung leiden.
Denn heißt es nicht immer, dass Scheidungskinder einen Knacks haben?
Ein Scheidungskind kann doch keine glückliche Kindheit haben und es leidet unter dem Verlust der „Familie“. Vorallem haben doch die meisten Scheidungskinder später Bindungsprobleme….

Aber hängt eine glückliche Kindheit vom Vater-Mutter-Kind-Modell ab?

Nein!
Ob ein Kind glücklich aufwächst, hängt nicht von der Familienform ab, sondern davon, ob seine Bedürfnisse erfüllt werden und seine Beziehungen intakt sind.

In meinem Fall war die Trennung meiner Eltern ein wahrer Befreiungsschlag für meine Mutter und mich! Meine Geschwister waren gute 20Jahre älter als ich, sie zogen früh Zuhause aus und gründeten eine Familie.

So standen meine Mutter und ich erstmal alleine da. Schnell begann sie unser Leben neu zu ordnen und sich nun als Alleinerziehende zurecht zu finden.

Nach den ersten turbulenten und tränenreichen Wochen, veränderte sich meine Mutter.

Sie blühte auf und lachte wieder. Wir zogen in eine neue Stadt, meine Mutter nahm eine Arbeitsstelle an, sie pflegte wieder soziale Kontakte und uns ging es einfach nur gut! Diese neue, glückliche Mama tat mir gut.

Ich wurde wieder glücklich.

Versteht mich nicht falsch.
Natürlich möchte ich nichts herunterspielen.

„Glücklich“ heißt nicht, dass ich gänzlich unverändert und völlig unberührt aus dem Trennungserleben herausging.
Sicher gab es immer mal traurige Momente in meiner Kindheit und ich hüpfte auch nicht von früh bis spät durch die Welt und sang freudestrahlend Kinderlieder.

( Das tut übrigens auch kein Kind aus einem konservativen Familienmodell?)

Viel mehr meine ich damit das, was sich Eltern allgemein wünschen, wie ihr Kind aufwachsen soll:

-sich geborgen fühlen
-zufrieden sein
-Liebe finden
-vertrauen können
-sich entfalten können

Angesichts der fundamentalen Veränderung, die eine Trennung der Eltern für die allermeisten Kinder bedeutet, ist dies mitnichten eine Selbstverständlichkeit.

Doch meine Mutter fing mich sehr gut auf und gab mir halt.
Meine Eltern lernten sehr schnell auf der Elternebene als Paar zu kooperieren.
Es gab kein Drama, es gab keine wilden Streitereien und auch kein gegenseitiges aufhetzen.

Sicher läuft es nicht bei jedem Elternpaar so friedlich ab.Darüber bin ich mir durchaus bewusst. Aber eine Scheidung oder Trennung eines Elternpaares muss nicht automatisch etwas schlimmes und traumatisches bedeuten. Ja manchmal kann es auch eine Befreiung für alle sein. So wie es in unserem Fall war.

Ja ich bin ein Scheidungskind, ein glückliches.
Heute danke ich meiner Mutter, dass sie diesen Schritt gegangen ist und mir so eine bunte, aufregende und schöne Kindheit geschenkt hat.

 

Seid ihr auch ein Scheidungskind? Wie sind eure Erfahrungen?

Herzlichst eure Tascha