Entschuldigung, möchten Sie etwas zur Erziehung meines Kindes beitragen?

image

Samstagmorgen 11:30uhr, irgendwo in Deutschland in einem schwedischen, total überfüllten Möbelhaus…..
Das Tragetuch wurde Zuhause vergessen und so schläft das Baby über Mamas Schulter.
Die große Tochter sitzt derweil motzend,müde und hungrig im Buggy.
Diesen Gemütszustand nennen wir übrigens „mungrig“.
Mal ganz unter uns: Ist ne scheiß Kombi.?

Während Papa, gemeinsam mit sehr vielen anderen Menschen, an der Hotdogstation ansteht, versucht Mama gerade die Welt ihrer 2-jährigem Tochter zu retten.
Diese kleine Welt steht kurz vorm Untergang.

Also singt Mama, tanzt Mama und letztendlich nimmt Mama das Kleinkind, trotz schlafendem Baby auf der Schulter, aus dem Buggy raus um es abzulenken.

Mama kniet nun vor dem Kleinkind und das Kleinkind beginnt bitterliche Krokodilstränen zu weinen, weil der Zustand der „Mungrigkeit“ einfach unerträglich wird.

Mama tröstet, Mama kuschelt, Mama versucht das Kleinkind abzulenken… Ja mitten in dieser Einkaufshölle knien wir auf dem Boden und versuchen gemeinsam diese Situation zu meistern.

Und dann seh ich sie:

Eine Familie die bereits ihre Hotdogs isst.
Mutter und Vater, knappe 50 Jahre alt,mit einer Teenietochter.
Sie stehen da, die Aufmerksamkeit der Mutter auf uns gerichtet…

Doch anstatt sich solidarisch zu zeigen tut sie was????

Sie beginnt uns zu fixieren um dann den Kopf empört zu schütteln.
Doch damit nicht genug, nein, natürlich muss sie ihren Mann und auch ihre Tochter auf die untergehende Welt meines Kleinkindes aufmerksam machen.
Sie schauen uns zu und werfen sich gegenseitige verständnislose Blicke mit empörtem Kopfschütteln zu.

Womit sie allerdings nicht rechnen: Trotz weinenden Kleinkind und schlafendem Baby, nehme ich sehr wohl wahr, wie sie über uns urteilen.

Ja sie urteilen. Über mich als Mutter, über das Verhalten meines Mädchen und sicherlich über die Kompetenz unserer Erziehung….
Genau so und nicht anders empfinde ich es in diesem Moment. Und ich merke wie wütend mich es macht.
Normalerweise stehe ich über solchen Menschen…

In dieser Situation wird es mir allerdings zu viel…..

Also stehe ich auf, nehme meine 2-jährige ( mittlerweile beruhigte) Tochter an der Hand, während ich mein schlafendes Baby auf mir trage,gehe erhobenen Hauptes auf diese Familie zu und frage:

“ Entschuldigung, möchten Sie etwas sagen? Möchten sie sich an der Erziehung meiner Tochter beteiligen? “

Während Vater und Teenietochter rasch wegschauen, antwortet die Mutter mit hochrotem Kopf ein kurzes und verlegenes: „Nein.“

Ich sage nichts und gehe weiter.
Stelle mich an einen Nachbartisch zudem mein Mann auch schon mit dem Essen eilt.

Das Baby lege ich nun auf die Liegefläche des Buggys, nehme mein 2-jährges Kleinkind und setze es auf den Tisch.

Während das Baby friedlich schlummert, essen wir unsere Hotdogs und trinken Apfelschorle dazu.
Die Welt meines Mädchens ist wieder in Ordnung.
Ja sie lacht und singt das ABC-Lied…

Wo vorher das Chaos regierte und der Weltuntergang zum greifen nah war, herrscht nun Fröhlichkeit.
Liebe Omas, Tanten und auch andere Mamas,

GENAU SOOOOOO SIND KINDER!

Solche Situationen, solche Momente sind sicher keiner von euch unbekannt.
Ich bin mir sicher, dass ihr alle diesen Kleinkindalltag mitgemacht habt oder ihn gerade durchleben!

NEIN ES IST NICHT UNNORMAL!

Ich bin nicht die einzige Mama die mit einem weinenden Kind zu kämpfen hat.
Ich bin nicht die einzige Mama die sich in solch einer Situation für ihr Kind gern „zum Deppen“ macht, weil sie tanzt oder rumalbert.
Ich bin nicht die einzige Mama die versucht alles in ihrer Macht stehende zu tun, dass die Welt ihres Kindes eben NICHT untergeht.
Und vorallem bin ich nicht die einzige Mama die sich manchmal auch hilflos fühlt.

Hört auf zu (ver)urteilen, hört auf empört zu sein und hört auf Unverständnis zu zeigen.

Erinnert euch an eure Erfahrungen und an eure Kleinkind-Vergangenheit.

Ein freundliches Lächeln eurerseits hilft jeder Mama eine solche Weltuntergangssituation leichter zu meistern.

Herzlichst eure Tascha

3 Kommentare

  1. Gut gemacht! Witzigerweise hatten wir kurz nach der Geburt unserer zweiten Tochter ein fast identisches Erlebnis in dem Möbelbaus mit dem prägnanten, schwedischen Namen. Meine ältere Tochter war damals ebenfalls (gerade) 2 (geworden). Und heute war ich wieder in einer ähnlichen Situation. Das Gefühl der Hilflosigkeit steckt mir noch immer in den Knochen. Und leider überrennt es einen immer wieder, egal, wie erfahren und routiniert man in diesen Dingen auch sein mag. Danke für den schönen Eintrag! LG, Marianne

  2. Super geschrieben und super Sie Situation gemeistert! Respekt ich ziehe meinen hut.

Kommentare geschlossen