Folgeschwangershaft nach Fehlgeburt

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Schon lange liegt unser Sohn uns in den Ohren, er wünscht sich ein Geschwisterchen und dann als er 6 wird beschließen wir das Projekt anzugehen. Das war Anfang 2011. Das Jahr in dem wir auch heiraten wollen, es war also alles perfekt.
Um dem kleinen Wunder auf die Sprünge zu helfen habe ich brav jeden Morgen Temperatur gemessen um den Eisprung möglichst zu erkennen und ausführlich zu nutzen, trank Frauenmanteltee und nahm ovaria comp Globulis…
Und dann gleich im 2. Zyklus ein positiver Schwangerschaftstest. Wir waren so glücklich, euphorisch, aufgeregt und eigentlich konnten wir es auch gar nicht glauben, aber

WIR SIND SCHWANGER!

Also ab ans Telefon und einen Termin beim Frauenarzt gemacht.
Nach zwei Wochen, furchtbar langen zwei Wochen, eigentlich die längsten in meinem Leben durfte ich endlich zum ersten Ultraschall antreten. Man war ich aufgeregt.
Und dann flackerte der Bildschirm, man sah eine wunderschöne, ähm zwei wunderschöne Fruchthöhlen in denen je ein Herzchen schlug.
Doppeltes Glück, Wahnsinn was für Glückshormone meinen Körper durchströmten.
Zwei Tage später haben wir wohl die schönste und glücklichste Hochzeit des Jahrhunderts gefeiert. freudig verkündeten wir allen unsere freudige Botschaft. Man gratulierte uns, schrieb Schwangerschaftsglückwünsche ins Gästebuch und freute sich einfach mit uns.

Und dann kam der nächste, sehnlichst erwartete Ultraschalltermin. Ich saß im Wartezimmer und war ganz hibbelig und sehnte mich danach meine Mäuse gleich sehen zu können.
Die Ärztin begann zu schallen, es war auf einmal ganz ruhig, die Ärztin suchte und wurde ganz hektisch, die Zeit raste und ich wurde ungeduldig. Irgendwas stimmte nicht.
Warum sagt sie nichts?
Und dann:

” Es tut mir leid, ich sehe keine Herzschläge mehr ?. Sie müssen ins Krankenhaus.”

Leer, ich war leer einfach leer, alle Gefühle waren sofort abgestorben und weg. Um mich herum würde es dunkel, wie in Trance rief ich meinen Mann und teilte ihm alles ganz sachlich emotionslos mit und sagte, ich fahre dann jetzt ins Krankenhaus…..

Nach dieser schlimmen Zeit, war es ganz schlimm Schwangere oder gar Babys zu sehen. aber der Wunsch nach einem Kind wuchs jeden Tag und war so groß.

Wie paradox, eigentlich darf ich doch jetzt nicht an eine neue Schwangerschaft denken, wie sieht das aus? Denken andere ich ersetze dann unsere verlorenen Kinder?
Egal, ich begann wieder Frauenmanteltee zu trinken, Temperaturkurve zu führen …. Und dann hatte mein Mann keine richtige Lust und wir versuchten unser Glück das letzte mal 8 Tage vorm Eisprung, mir war klar, das kann eh nichts werden… Und dann am 10.8., auf den Tag 2 Monate nach dem Verlust kündigte sich unser Matthias an.

-Matthias – das Geschenk Gottes

Die Schwangerschaft begann mit Angst, jeder Tag, jede Woche… Ich hatte nur Angst… Interpretierte meinen Körper und seine Anzeichen nur negativ. Verbrachte viel Zeit in der Notaufnahme oder im Wartezimmer der Frauenärztin. Ich brauchte ständig die Bestätigung das es meinem Wunder gut geht.
Ich kaufte mir einen Angelsound ( Fetaldoppler) und suchte ständig nach dem Herzen… Ich war nicht einfach unbeschwert schwanger, ich war 100% Angst. Jeder Tag der vorbei war, war geschafft…

Meine Hebamme kam wöchentlich zum Gespräch und versuchte mir die Angst zu nehmen…

Als dann nach 37 Wochen mein Matthias endlich da war, war meine Welt wieder ein Stück heiler, die Angst verschwand, endlich war er da. Ich konnte einen gesunden Jungen im Arm halten.

Eine Folgeschwangerschaft ist nicht einfach. Man horcht ständig in sich hinein, interpretiert alles was sonst nicht so war oder negativ sein könnte.
Am liebsten hätte ich mir ein Ultraschallgerät gekauft.
Aber man lernt damit zu leben.

Genau ein Jahr nach der Geburt hielt ich ganz unerwartet einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Dieses Kind hat den gleichen ET wie meine Sternenkinder.

In meiner Vorstellung sind Sie unsere ganz persönlichen Schutzengel, die irgendwie immer und überall dabei sind und uns bewachen. Sie wohnen fest in meinem Herzen und helfen mir.
Dieser Gedanke hilft mir sehr, außerdem hilft es die zwei Wunder nicht zu verheimlichen, sie gehören zu mir und meinem Leben und sollen auch immer ein Teil der Familie sein ❤️

 

Eure Tina