BE-Ziehung statt ER-Ziehung?!

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Es gibt Millionen von Ratgebern, wie man (s)ein Kind erzieht, es wird davor gewarnt, dass Kinder zu Tyrannen werden und jede Generation behauptet, dass die „Jugend von heute“ immer unhöflicher wird.
Dazu möchte ich euch allerdings, bevor ich ins Detail gehe, das Zitat von Sokrates mit auf den Weg geben:
“Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.”
Sokrates lebte übrigens 470-399 v. Chr.

Was bedeutet aber Erziehung nun? Heißt es, ich soll mein Kind dressieren wie einen Hund, absoluten Gehorsam verlangen?

Ich sage dazu ganz klar „nein“!

Mein Mann und ich, wir begleiten unsere Kinder und leiten sie an, leben ihnen gewisse Dinge wie „Hallo“ / „Guten Tag“, „Danke“, „Bitte“ vor.
Lernen durch Vorleben.

Und sind wir ehrlich, sie lernen schnell. Vor allem das, was sie nicht sollen.
So fluchte ich erst kürzlich ziemlich laut „Verdammt noch mal“, als mich meine beiden zur Weißglut brachten. Dreimal dürft ihr raten, was mein Dreijähriger 2 Tage später seiner großen Schwester im Streit entgegen brüllte!

Ich bin der Meinung, auch einem Kind soll und muss man seine eigene Meinung zugestehen und „Tobsuchtsanfälle“ zulassen. Sie können sich noch nicht so verbalisieren wie wir und müssen erst lernen, mit ihrer Frustration umzugehen. Dass das oftmals auch anstrengend ist, will ich nicht leugnen, aber nach meiner Erfahrung, wenn ich auf mein Kind eingehe und das aushalte, sind die „Anfälle“ viel weniger schlimm und häufig.

Bei uns herrscht z.B. die „Regel“, dass ich jedes Kind beim Einkaufen EINE Sache für sich aussuchen darf. Erstaunlicherweise hat das bei beiden Kindern, trotz sehr, sehr unterschiedlicher Charaktere, sehr schnell problemlos funktioniert.

Es sind Kleinigkeiten, habe ich meinem Kind etwas Wichtiges zu sagen, gehe ich auf Augenhöhe, also in die Knie und schaue ihm in die Augen und rede dann mit ihm.
Gönne ich mir einen Coffee to go und eines meiner Kinder möchte dann ein Eis, kaufe ich das Eis. Für MICH ist es nicht plausibel, meinem Kind das zu verwehren, nur weil es ein Kind ist.
Also quasi alle oder keiner!

Das Argument „du bist erwachsen und hast mehr Rechte als ein Kind“ mag zwar in gewissen Dingen sicher stimmen, aber doch nicht bei Eis vs. Kaffee?

Ich hoffe, ihr versteht, wie ich das meine.

Wir haben in der Familie dennoch gewisse Regeln, wie z.B., dass wir uns nicht weh tun (also schlagen), wir hören einander zu, wir gehen respektvoll miteinander um und auch die Kinder dürfen bei Essensfragen und Freizeitgestaltung mitreden.
Morgens und abends Zähne putzen ist nicht verhandelbar, anschnallen im Auto ebenfalls nicht.

Dafür muss hier aber keiner ins Bett, wenn er noch nicht müde ist (wobei ich dann doch gegen 22 Uhr mehr oder weniger stark darauf dränge, sich doch bitte zumindest im Bett „auszuruhen“, ich geb es zu ), keiner muss seinen Teller leer essen und so sehr ich gemeinsame Mahlzeiten für wichtig halte, muss dennoch keiner essen, wenn er keinen Hunger hat.
Schreien lassen war und ist nicht und wenn unsere Kinder lieber bei uns schlafen, dann ist das für den Moment so.
Übrigens, warum sollen ausgerechnet die Kleinsten und Schwächsten alleine schlafen? Wir Erwachsene schlafen doch selber ungern alleine!

Schließen möchte ich mit einem sehr schönen Zitat einer Dame aus der „Attachment Parenting” Gruppe:
„Gestillte Bedürfnisse verschwinden irgendwann, ungestillte kommen immer wieder.“
In diesem Sinne
Eure Nadine

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