Wenn das Kind nicht hört, dann….



Ich möchte euch die Geschichte unseres 4jährigen Sohnes erzählen.

Die U7 stand an.

Ich mag U-Untersuchungen eigentlich sehr. Nur dieses Mal war ich ein bisschen kribbelig. Morgens um 9 sollten wir da sein. Dort angekommen, bekam ich den Elternfragebogen und 6 Seiten mit Wörtern zum ankreuzen, welche das Kind bereits spricht. Ich ging die Liste durch und setzte nur vereinzelt Kreuzchen 🙁 im Ergebnis waren es 27, davon über die Hälfte nur Eigenkreationen wie zutut, Nane, tütata… 🙁 Im Durchschnitt sollte ein Kind zum Zeitpunkt der U7 Ca 50 Wörter sprechen 🙁

Mein Kind sprach nur 27?

Nun gut der Arzt sah auf beiden Ohren Paukenergüsse und schob es ein bisschen auch darauf, dass Jungs eh später sprechen. Also erst einmal abwarten.

In acht Wochen sollten wir wieder kommen. Vielleicht lösen sich die Ergüsse ja auch? Das taten sie aber leider nicht 🙁 Der Arzt war immer noch gelassen und wollte abwarten.

– ICH aber irgendwie nicht-

Mein Mamagefühl schrie nach Abklärung, denn sprachlich ging es auch nicht vorwärts.

Kurzum machte ich einen Termin beim Hals-Nasen-Ohrenarzt aus. Beim Termin wurden die Ergüsse wieder bestätigt und ich bekam eine Überweisung in die Phoniatrie des Universitätsklinikum. Dort sollte mein Kleiner genau untersucht werden.

-Organisch -> Ergüsse

– psychologisch und logopädisch alles super, Sprachverständnis normal entwickelt.

Aber warum spricht mein Kind nicht, wenn er doch versteht? Die Pädaudiologin erklärte es mir. Mein Kind versteht in einer eigenen Sprache, mein Sprechen wird durch die Ergüsse sehr gedämpft, er hört praktisch so, als wäre er unter Wasser. Somit kann ein Wort wie zB Apfel nicht als Apfel bei ihm ankommen. Vielleicht kommt Ael an. Wenn er dann Ale hört, heißt das für ihn Apfel. Aha, gut das leuchtete mir ein 🙂 Endlich eine Erklärung.

Kurzum hatten wir die Möglichkeiten des Abwartens oder die Paukenröhrchen-OP. Dabei wird dem Kind ins Trommelfell ein winzig kleines Ablaufröhrchen für Ergüsse (entstehen durch Erkältungen, Mittelohrentzüngen). Wir entschieden uns für die OP, schließlich ist er fast 3 und sprachlich kam nie eine Verbesserung.

2 Wochen später war der Tag der OP. Ich war als Mama sehr aufgeregt, das wäre bzw ist bestimmt jede Mama.

Als wir im Krankenhaus ankamen wurde uns das Zimmer zugewiesen. Das Zimmer war ganz toll und kindgerecht eingerichtet, gar nicht wie Krankenhaus, sondern total gemütlich und bunt, mit Büchern und Spielzeug.

Die Schwester kam und bat uns Matthias einen Schlafanzug anzuziehen. Danach klebte sie Matthi ein “Zauberpflaster” um die Stelle für die Spritze vorab zu betäuben. Der Anästesist kam und klärte uns auf und nahm mich, schick in grüner OP-Kleidung, und Matthi im Schlafanzug mit in den OP. Das OP-Team begann laut Kinderlieder zu singen und Quatsch zu machen. Matthi bekam einen Glitterzauberstab für tolle Träume in die Hand. Ich legte ihn auf den Tisch und nahm mein Kind fest in den Arm,währenddessen bekam er die Narkose. Er weinte nicht und schlief ganz zügig ein, dann musste ich den OP verlassen und im Zimmer warten. Nach 17 Minuten kam die OP -Schwester mit meinem schlafenden Kind im Arm. Sie legte ihn mir auf’s Bett und ich sollte ihn wärmen und geborgen halten. Dabei aber bitte unbedingt die Ohren zu halten, damit er nicht erschrak. Die Ergüsse waren sehr zäh und konnten gar nicht von alleine ablaufen 🙁

Langsam wurde mein Schatz wach, blinzelte, schlief wieder ein. Er verkraftete die Narkose super. Dann musste Papa niesen, Matthias zuckte heftig zusammen und erschrak, weinte und versuchte zu orten woher das Geräusch kam. Alles war sofort neu und anders. Auch das Wort Apfel oder Ael hatte keine Bedeutung mehr, so klar ohne das unter Wassergefühl hatte er noch nie gehört.

Rasend schnell ging die Sprachentwicklung nun los, dennoch bekam er logopädische Unterstützung um sein Gehör zu schulen, damit er wieder lernt sich auf das Sinnesorgan Ohr zu verlassen.

Jetzt ist er vier und spricht super, benötigt aber immer noch Logopädie um alles aufzuholen, was er ein Jahr verpasst hat.

Sein kleiner Bruder hatte ebenfalls Ergüsse, nur haben wir diesmal nicht gewartet. Die ersten Röhrchen bekam er mit 15 Monaten die 2. mit 2,4 Jahren. sprachlich ist er top, die vier Wochen zwischen den Röhrchen bildeten sich sofort wieder Ergüsse.

Uns geht’s mit der Entscheidung für die OP gut und ich würde diesen Weg immer wieder gehen, ich würde nur nicht mehr so lange warten.

 

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Berichtet mir von euren Erlebnissen und Fortschritten der Kleinen.

Liebe Grüße Eure

Tina