Mein Kind wird operiert

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Mein Kind muss operiert werden, zwar nur ein kleiner Eingriff, aber er bekommt eine Narkose und ich muss ihn in fremde Hände geben.

In den letzten Tagen habe ich viel vorbereitet, eingekauft, sauber gemacht, vorgekocht und einen ganz wichtigen Mutmach-Schlafanzug genäht. Die ganze Zeit kreisen dabei meine Gedanken, wie wird es werden? Wird er alles gut verkraften? Wird die OP den gewünschten Erfolg bringen? ich mache mir Sorgen, habe Angst, er tut mir leid. Einfache und echte Muttergefühle. Ich bin eine Mutter deren Herz vor Sorgen schmerzt.

Und dann kommt der Tag näher. Am Vorabend packe ich seine Tasche. Schlafanzug, Lieblingskuscheltier, ein Deckchen für seinen Kopf, etwas zum Vorlesen, was zu essen, für mich Beschäftigung.

Noch ein paar mal kontrolliere ich die Tasche ob ich auch wirklich alles eingepackt habe, überlege ständig ob ich es ihm noch irgendwie versüßen kann.. Ich gehe ins Bett, versuche zu schlafen, wälzte mich hin und her. Stehe auf gucke meinen Schatz an, wie er so klein und unschuldig da liegt und schläft. Gehe wieder ins Bett… Und dann klingelt der Wecker. Wir stehen auf, machen uns fertig.

Meine Nervosität steigt weiter. Mein Sohn darf noch Apfelsaft trinken, stimmt ja. Also schnell noch in die Küche hetzen und dem Kind Apfelsaft geben.

und dann ganz plötzlich ist es neun Uhr, wir müssen los. Noch einmal schnell aufs Klo gehen, kämmen, die anderen Kinder verabschieden, Tasche schnappen und mit dem Mäuserich losfahren.

Während der Fahrt werde ich noch ein paar Mal gefragt, was gemacht wird, ob er was merkt, ob es wieder ein Zauberpflaster gibt und ob im OP wieder laut gesungen wird. Ich erkläre und erzähle es, versuche dabei irgendwie einen Zauber in mein Erzähltes zu bringen, obwohl mir schon fast übel ist vor Sorge. Ich will, dass der Spuk endlich vorbei ist.

Im Krankenhaus angekommen werden wir ganz lieb empfangen, das Söhnchen quatscht munter drauf los, lacht und erzählt der ganzen Station fasern dich auf das Zauberpflaster freut (Betäubungspflaster um die Einstichstelle für den Zugang zu betäuben).  Und nun? Wir dürfen noch mal raus auf den Spielplatz gehen, sie sind im Zeitverzug. Ich nehme also mein hungriges Kind und gehe mit ihm auf den Spielplatz, gebe ihm Schwung, schaue ihm beim Rutschen zu, höre sein ausgiebiges Lachen. Und ich grüble schon wieder und habe Angst vor dem was gleich passieren wird.

Nach einer Stunde des unbeschwerten Spielens gehen wir zurück. Wir beziehen unser Zimmer. Junior zieht seinen Mutmachschlafanzug an und erzählt wieder jedem, wie sehr er sich freut 🙁

Kurz nach uns kommt ein gleichaltriges Mädchen mit aufs Zimmer. Die ist nicht so sorgenfrei wie mein Sonnenschein, ist weinerlich, hat Angst. Die Mutter beginnt ungeschönt zu erzählen, das die gleich gepiepst wird damit der Arzt an ihr rumschneiden kann. Da reichte mir schon. Ich sage laut : STOP! Ich will nicht das sie meinem Sohn Angst machen und ihm die Unbeschwertheit nehmen! Lassen Sie ihm den Zauber bitte!

Sie dreht sich schnippisch weg. Gott sei Dank kam gleich die Schwester mit dem Zauberpflaster und für mich die grüne OP Kleidung. In 15 Minuten geht’s los, bis dahin möchte ich bitte umgezogen sein. Okay, Haube auf, Kittel an, Schuhe an. Und was macht sein, er lacht sich über seine Mars-Mami kaputt 🙂

die Mutter nebenan murmelt irgendwas von Firlefanz und Kinder vertragen schon die Wahrheit…

Wir werden aufgerufen, freudig zieht mein Sohn sich noch eine Socke aus und erfreut sich daran, wie „cool“‚es ist mit nur einer Socke. Ich nehme ihn auf den Arm und wir gehen zum OP.

Mein Minime erschrickt als er die ganzen Monitore, Geräte und Lichter sieht. Ich lege ihn auf die Liege und er bekommt einen Zauberstab in die rechte Hand. Den braucht man für zauberhafte OP- Träume 😉 Er darf sich ein Lied wünschen. Es war Happy Birthday. Und so singt das ganze OP Team Happy Birthday während er in Narkose gelegt wird. rucki zucki schläft er, ich muss raus.

Jetzt liegt er da, ohne mich, ich habe ihm fremde Hände anvertraut. Mein Herz ist schwer, die Sorgenfalten vertiefen sich. In den Warteraum gehe ich wie in Trance, schütte abwesend Kaffee in einen Becher, Milch dazu, setze mich. schreibe dem Paps eine Nachricht. starre Gedankenverloren raus. Meine Gedanken spielen verrückt, Sorge über Sorgen. Angst, Übelkeit, Herzschmerz. All diese Gefühle suchen mich in diesen furchtbar langen 27 Minuten heim.

Und dann darf ich zurück aufs Zimmer. das Bett ist weg, ich setze mich in den Stuhl. nach furchtbar langen Augenblicken öffnet sich die Tür, mein Sohn wird schlafend, in seinem Bett an den Platz zurück gefahren.

Unschuldig, klein, zart, zerbrechlich liegt mein Süßer da und schnarcht ganz friedlich.

Ich darf seine Hand nehmen, der Arzt berichtet derweil das alles gut lief. Puh. sorgen, Ängste fallen von mir ab und machen Erleichterung Platz☺️

Das Mädchen neben an ist auch schon zurück, sie weint, ist aufgekratzt. Die Mutter redet permanent auf sie ein. Ich kann es nicht ertragen und flehe sie an ihr Kind doch einfach in den Arm zu nehmen. Sie macht es, die Maus schläft wieder ein. Sie spürt die Wärme, ihre Mama. Ist doch viel schöner.

 

Meine Maus wacht langsam auf, darf ein Eis, etwas trinken. Nach einer Stunde dürfen wir heim 🙂

Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, das mein Kind diese Welt noch so verzaubert und zauberhaft sehen und erleben kann. Ich hoffe, ich kann diesen Zauber noch lange bewahren

Eure

Tina