Hören trotz Taubheit-unser Sohn und sein besonderes Handicap

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Die Geburt eines Babys ist das schönste Erlebnis im Leben eines Elterpaares.
Sicherlich macht man sich im Vorfeld Sorgen, ob mit dem Kind im Mutterleib alles in Ordnung ist.
Kommt es dann zur Welt und alles scheint, auf den ersten Blick,normal und gesund zu sein, verfliegen die Sorgen und Ängste und man genießt dieses kleine Wunderwesen.
So war es auch bei uns.

Ich hätte nie im Leben mit so einer Diagnose gerechnet. – TAUBHEIT-

Am 9.9.15 kam unser Sohn Levi zur Welt. Alles war gut, er war perfekt, bis auf das Hörscreening.

“Keine Sorge Frau Manassah, das ist öfters so”, sagte der Arzt.
Nach 2 Wochen wurde der Test wiederholt.
-Wieder negativ-

So wurde uns geraten, die Ohren unseres Sohnes, in einer Klinik untersuchen zu lassen.
Wir beobachteten Levi und auch seine Reaktionen. Mal reagierte er, mal nicht…. wie es halt bei Babys so ist. Auch bei einem anderen HNO Arzt war der Hörtest wieder negativ. So langsam wurde mir etwas komisch. Unser Sohn litt auch an schlimmen Koliken und es war schwer ihn zu beruhigen , außer wenn wir Lichtspiele machten.

Am 9.11.15 bekamen wir einen Termin in einer Klinik.
Als der Tag dann kam, hatte ich die ganze Zeit wieder ein komisches Gefühl. Die Untersuchung dort konnte nicht richtig abgeschlossen werden, da Levi sehr unruhig war. Der Arzt wollte uns dann in einem separaten Zimmer sprechen. DAS war anders…..bei allen anderen Elternpaaren gab er direkt nach der Untersuchung die Diagnose bekannt. Weshalb wollte er alleine mit uns sprechen?
Da überkam mich wieder dieses komisches Gefühl. Schnell tippte ich meiner Freundin eine SMS: ” ich habe Angst!” Er fing an zu reden und sein Ton war voller Mitgefühl. “Ihr Sohn ist schwerhörig, nahezu taub”. Dieser Satz schoss durch meinen ganzen Körper. Wie konnte das sein? In der Familie ist solch eine Erkrankung noch nie aufgetreten und auch die Schwangerschaft war super. Dieses friedliche Baby auf meinem Schoß, welches heut noch gar nicht richtig schrie, war plötzlich wie befreit. Als hätte er uns die ganze Zeit sagen wollen das etwas nicht stimmt. Mein Mann und ich weinten.
Der Arzt erzählte uns von einem Cochlear Implantat (Hörprothese, mit der es möglich ist das hören auf eine andere Art zu lernen), aber wir wollten nur noch raus und weg .
Die Fahrt nach Hause war ein Alptraum.
Es dauerte eine Weile bis wir uns damit abfinden konnten, aber es gab nur 2 Wege, entweder wir vergruben uns in Trauer, wovon niemand was hat, oder wir schauten nach vorne und taten was wir konnten! Wir informierten uns über die beste Klinik, über das Cochlear Implantat und nahmen Kontakt auf zu Betroffenen. Wir beschlossen in eine andere Klinik zu fahren und nicht in der vorherigen Klinik operieren zu lassen. Wir wollten das Beste für unseren Sohn… so wollten wir auch richtige Spezialisten . Bis Februar 2016 wurde er mit Hörgeräten versorgt, dann fand eine große Untersuchung unter Vollnarkose statt, die Aufschluss darüber geben sollte, was nun das Beste ist. Es kam wie vermutet:
ein Cochlear Implantat (auch CI genannt) wurde uns empfohlen.
Darauf waren wir vorbereitet und haben uns für Mai einen Termin zur OP geben lassen. Es sollten beide Seiten gleichzeitig implantiert werden. Levi wurde also operiert. Es war das Schlimmste, was ich im Leben fühlen musste. Wie gern hätte ich ihm alles abgenommen. Er war sehr schnell fertig. Sehr verwunderlich war, denn die OP war für 6 Stunden angesetzt. Leider sagte man uns das nur eine Seite implantiert werden konnte, da er Eisenmangel hatte. Er hat die OP so gut weggesteckt, das wir froh waren und wussten die zweite OP wird er genauso meistern. Diese sollte aber erst 6 Wochen später stattfinden. In der Zwischenzeit durften wir zur Reha fahren, um das erste Implantat zu aktivieren. Wir waren so aufgeregt. Am 30.05. konnte er das erste Mal hören! Es klappte super und sogar so gut, dass man ihn schon für Fortgeschritten erklärte. Selten gab es Kinder die beim ersten Mal so eine Einstellung bekamen. Wir waren so stolz und glücklich, da wussten wir es lohnte sich positiv zu denken! Die zweite OP folgte dann nach 6 Wochen und alles lief wieder sehr gut. Endlich war es geschafft! Levi reagierte schon auf Geräusche, aber so richtig gut wurde es ca. 4 Wochen nach der Erstanpassung.
Wo vorher stille war, lernte er die Welt plötzlich neu kennen. Er war viel fröhlicher und aufmerksamer als vorher. Wir fuhren Mitte Juli wieder zur Reha und dann bekam er endlich das zweite CI und auch da zeigte er sofort wieder Reaktionen. Durch das zweite CI merkten wir das er richtig schnell lernte und auf alles reagierte was Geräusche machte.
Am 26.7. sagte er das erste Mal das Wort Mama und am 10.8. das erste Mal Papa.
Ohne die Medizin wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Levi hätte sich nur durch Gebärden verständigen müssen. Es war eine der schwersten Zeiten unseres Lebens, aber wir würden uns immer wieder für diesen Eingriff und diesen Weg entscheiden!
Viele Leute schauen uns von der Seite an und reden über uns und unseren Kämpfer.
Damit müssen wir leben und so versuchen wir Levi auch selbstbewusst und stark zu erziehen. Er ist etwas Besonderes und genau das vermitteln wir ihm! Levi kann ein fast normales Leben führen und hören und sprechen lernen dank seiner CI’s! Und ich, seine Mama, bin unendlich stolz auf ihn und seine Fortschritte.

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Ich freu mich auf euch!
Liebe Grüße
Karina Manassah