Schwangerschaftsdiabetes : So ein nerviger Kram!

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Im Folgenden möchte ich euch meine Erfahrung mit Gestations- oder auch Schwangerschaftsdiabetes schildern. Ich möchte im Vorfeld deutlich darauf hinweisen, dass es hierbei ausschließlich um meinen Umgang mit der Gestationsdiabetes geht. Denn der Verlauf kann bei jeder Schwangeren anders sein und was für mich gut funktioniert hat, muss nicht zwangsläufig bei anderen funktionieren.

Als ich Ende Januar zum obligatorischen oralen Glucosetoleranztest (oGTT) bei meiner Gynäkologin durfte, war ich etwas skeptisch. Da man bei diesem kleinen Test nicht nüchtern sein muss, war mir klar, dass das Ergebnis nicht so toll ausfallen würde. Schließlich fand dieser Test nachmittags um 14:00 Uhr statt und ich hatte gut zu Mittag gegessen. Ich trank also dieses eklig-süße Gebräu, dass aus einer definierten Menge Glucose (Traubenzucker) und Wasser bestand. Nach etwa einer Stunde wurde dann mein Blutzuckerwert gemessen. Und Surprise! Surprise! mein Blutzuckerwert war erhöht. *nerv*

Ich bekam eine Überweisung für meinen Hausarzt, damit dieser zur genaueren Abklärung einen großen Glucosetoleranztest macht. Also lief ich direkt dorthin und wedelte mit dem Überweisungsschein vor der Nase der Sprechstundenhilfe rum. Sie fragte mich, warum ich denn damit zu ihnen käme, da der Hausarzt dies bei Schwangerschaft gar nicht durchführen würden. Sie könne das nicht abrechnen. Das muss in der behandelnden gynäkologischen Praxis gemacht werden. *nerv*

Sie riet mir direkt zu einem Diabetologen zu gehen. Falls dieser Test nämlich auffällig wäre, würden sie mich so oder so dorthin überweisen.
Also lief ich wieder direkt los. Zufällig wusste ich, wo ich so spontan einen Diabetologen finden konnte. Am 01. Februar (circa 3 Monate vorm ET) war mein Termin für den großen Zuckertest. Diesmal musste ich nüchtern sein. Ich stellte mich

darauf ein, den ganzen Vormittag dort zu verbringen. Nach Einnahme des diesmal fruchtigen Zuckergesöffs sollte mir nach einer und nach zwei Stunden jeweils Blut abgenommen werden. Doch kaum wurde mein Nüchtern- und Langzeitwert gemessen, saß ich auch schon bei der Diabetes-Assistentin.

Sie eröffnete mir, dass mein Nüchternwert erhöht ist. Und auch mein Langzeitwert war an der unteren Grenze. Dies sei aber bei vielen Schwangeren der Fall und bedeute kein Grund zur Sorge. Man müsse es nur überwachen. Ich bekam ein funkelnagelneues Messgerät in einem Organza-Säckchen zusammen mit einer Schnullerkette.

*Sarkasmus ein* Wow! Wie aufmerksam! Ihr diagnostiziert mir nicht nur gerade Diabetes. Nein, ich bekomme es auch noch als Geschenk nett verpackt! *Sarkasmus aus*
Falls ich es nicht schon erwähnt habe…*NERV!*

Die darauffolgende Woche schrieb ich alles auf, was ich so aß. Wobei ich seit dem Gespräch mehr darauf achtete was und vor allem wie viel ich aß. Ich weiß schon lange, dass ich mich nicht immer richtig oder gut ernährt habe. Diese Gestationsdiabetes war demnach absehbar. Erstens, weil ich übergewichtig bin (Danke BMI, das wusste ich auch schon ohne dich!). Und zweitens, weil es in meiner Familie eine Veranlagung dafür gibt.

Ich aß weniger von dem gutem…ähm…schlechten Zeug, strich einige Kohlenhydratquellen aus meinem Ernährungsplan und ernährte mich mehr LCHF (Low Carb High Fat). Zudem durfte ich 4 Mal pro Tag meinen Blutzucker messen. Es stellte sich heraus, dass ich über die Ernährung meinen Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten gut in den Griff bekam. Nur diesen Nüchternwert nicht. Das Ende vom Lied: Ich durfte zur Nacht ein Basalinsulin (Langzeitinsulin) spritzen. *nerv*

Alle 2 Wochen kam ich nun zur Kontrolle. Ich legte jedes Mal mein Diabetikerheftchen vor in dem ich brav alle Werte notierte. Es war zum Mäusemelken! Meine Tageswerte waren in Ordnung- außer wenn ich doch mal gesündigt hatte 😉

Nur der verflixte Nüchternwert blieb unbeeindruckt. Alle 3 Tage sollte ich die nächtlichen Einheiten um 2 erhöhen. Als ich bei 12 Einheiten anlangte, brach ich bei meinem nächsten Termin vor dem Arzt in Tränen aus. Schließlich wurde mir von allen Seiten Angst gemacht! Meine Gynäkologin sagte, wenn ich den Diabetes nicht behandele, dann kann mein Kind zu groß werden und die Geburt muss dann auf jeden Fall früher eingeleitet werden. Andererseits sagte sie, dass ein Kind auch zu dünn werden kann, sollte man dauerhaft zu viel Insulin spritzen. Und meine Tochter wurde bis circa Mitte März immer als sehr zierlich eingeschätzt. Folglich bekam ich panische Angst bei jeder Erhöhung der Einheiten, ich könnte meinem Kind schaden! Der Diabetologe beruhigte mich. Er sagte 12 Einheiten seien gar nicht so viel und schon gar nicht verteilt auf mein Gewicht. Ich kam mir blöd vor, weil ich mit dem Heulen nicht aufhören konnte. Aber er schien Verständnis für meine Sorgen zu haben. Als ich meine Tränen trocknen konnte, lief ich geknickt nach Hause. In der nächsten Zeit versuchte ich mich mit dem sich nicht ändern lassen wollenden Nüchternwert anzufreunden. Über Facebook fand ich eine Gruppe, die sich speziell mit Gestationsdiabetes befasste. Dort fand ich an manchen Tagen Trost und an anderen Tagen Rat. Zudem erfuhr ich, dass nicht wenige Schwangere mit dem morgendlich erhöhten Blutzuckerwert zu kämpfen haben. Und im Laufe der Zeit konnte ich selbst anderen Betroffenen den einen oder anderen Ratschlag geben. Die Ernährungsumstellung behielt ich bei und bewegte mich viel. Gerade bis kurz vor dem Entbindungstermin war ich nahezu jeden Tag unterwegs oder ging einfach nur spazieren. So schaffte ich es während meiner Schwangerschaft nicht mehr als 7,5 Kilogramm zuzunehmen. Je näher der Geburtstermin kam, um so gelassener wurde ich. Der Nüchternwert wollte einfach nicht. Egal was ich tat. Zuletzt spritzte ich Einheiten zur Nacht. Und wie ich von anderen Frauen erfuhr, war das noch nicht mal ein Spitzenwert!

Das Ende vom Lied bzw. meiner Schwangerschaft: Ich hatte sogar zu wenig Fruchtwasser, weshalb ich 4 Tage vor dem errechneten Termin eingeleitet wurde. Und zwei Tage später kam meine Tochter mit optimalen 3560 Gramm zur Welt.
All die Sorgen hatte ich mir im Nachhinein umsonst gemacht. Aber alle die Sorgen waren es am Ende doch wert, da ich dieses kleine, perfekte Wesen endlich in meine Arme schließen konnte.

Achtung!
Ich möchte darauf hinweisen, dass eine Diät ohne Absprache mit dem Arzt keinesfalls empfehlenswert ist!

Eure Anke