Ein Kind verlieren, bevor man es richtig kennenlernen durfte

Ein Kind verlieren

Ein Kind verlieren

Darüber habe ich vor den Geburten meiner Kinder viele Gedanken gemacht. LEIDER, denn das Thema „Fehlgeburt“ war mir nicht fremd. Nein es war ständig und andauernd präsent. Ich hatte vor meiner Tochter drei  „Aborte“ und vor meinem Sohn nochmal einen.

Es war eine sehr schwere Zeit, aber im Nachhinein denke ich mir immer: „zum Glück ist das alles vor der 12 SSW passiert“

Heute möchte ich euch nicht meine Geschichte erzählen, sondern die einer lieben Freundin.

Denn vor zwei Jahren im Sommer wurde mir der Boden unter den Füßen regelrecht weggerissen! Es war ein ganz normaler, wunderschöner Tag, als eine gute Freundin von mir zu Besuch kam. Ich freute mich auf sie, aber als sie dann vor mir stand wusste ich, dass etwas passiert sein musste.

„Ist alles okay mit dir?“ war dann meine Frage.

Ihre Antwort war niederschmetternd „Mit mir ja, aber das Baby, das Baby wird in meinem Bauch sterben“

Ich konnte es gar nicht fassen und musste mit den Tränen kämpfen. Sie war doch vor ein paar Tagen noch so glücklich. 24 SSW und alles war gut. Aber nein, nichts war gut. Bei einer Routineuntersuchung wurde festgestellt, dass etwas nicht stimmte. Viele, viele weitere Untersuchungen und Ärzte brachten alle die gleiche erschütternde Nachricht.

„Das Baby wird sterben, es ist nicht gut entwickelt und schwerstbehindert. Es wird nur noch ein paar Tage im Mutterleib leben.“

Die Stärke meiner Freundin war zu diesem Zeitpunkt beeindrucken. Ich stand vor ihr und weinte und sie nahm mich in die Arme. Völlig verkehrte Welt! Aber mir tat sie so Leid und ich fühlte irgendwie ihren Schmerz, da ich selbst schon soviel mitgemacht hatte.

Im Nachhinein weiß ich, warum sie so stark war. Sie sammelte ihre Kräfte für die schwere Zeit die noch kam und genoss einfach die letzten Tage mit ihrem Baby. Sie genoss jeden Tritt und jede kleine Bewegung, jede Sekunde, die sie mit ihm haben durfte.

Sie erzählte mir von ihrer „stillen Geburt“. Dass der Kleine wunderschön war, ja, DER Kleine. Es war ein kleiner Junge. Sie gaben ihm einen Namen und nahmen sich 2 Tage Zeit, um sich im Krankenhaus immer wieder zu verabschieden. Die Schwestern brachten ihn immer wieder und kümmerten sich sehr liebevoll um die Eltern und das verstorbene Kind.

Ein paar Tage später wurde er beerdigt. Meine Freundin entschied sich für einen Kinderfriedhof. Für ein großes Grab mit mehreren Sternenkindern. „Er liegt jetzt bei seinen Freunden“ waren ihre Worte. Die Beerdigung haben nur sie und ihr Mann besucht. Sie wollten allein sein, allein mit ihrem Baby. Das Baby bekam Geschenke, eine Decke mit seinem Namen, damit er nicht friert, ein Kuscheltier, damit er nicht alleine ist und wundervolle Kleidung, damit er schön aussieht.

Das alles ist nun schon wieder zwei Jahre her. Meine Freundin ist mittlerweile noch einmal Mutter geworden. Doch ich merke immer wieder, dass der Schmerz noch sehr tief sitzt. Schon während ihrer Schwangerschaft hatte sie große Ängste. Alles wurde untersucht. Sie war sich der Risiken, die z.B. eine Fruchtwasseruntersuchung birgt bewusst, wollte aber auf „Nummer sicher“ gehen und alles abklären, da sie eine Risikopatientin war.

Zu groß war die Angst, dass sie wieder ein kleines Sternenkind beerdigen muss. Zu groß war die Angst wieder eine „Stille Geburt“ zu erleben. Für sie war klar, wenn wieder etwas nicht stimmt, hat sie nicht die Kraft die Schwangerschaft so lange zu durchleben, bis das Kind stirbt. So hart es klingt, aber sie wollte diesmal zu einem früheren Zeitpunkt Bescheid wissen.

Auch jetzt, als Mutter merkt man ihr den Verlust noch an. Sie ist sehr ängstlich, ihre Kinder (sie hatte schon vorher einen Sohn) wachsen sehr “ behütet“ auf. Ich habe das Gefühl, dass sie ständig Angst hat, dass die Kinder krank werden, sich verletzen oder, oder, oder.

Ich habe Verständnis, da sie einen furchtbaren Schicksalsschlag hinter sich hat und ich wünsche allen Frauen und Männern, die das gemeinsam durchmachen müssen, alle Kraft der Welt. Egal ob eine frühe Fehlgeburt wie bei mir oder eine späte „stille Geburt“, unsere Engel sind bei „ihren Freunden“ und unsere Gesellschafft sollte offener mit diesem Thema umgehen. Leider ist es oft noch ein Tabuthema, leider „schämen“ sich manche Frauen sogar dafür. Wir sind Frauen, wir sind stark und wir dürfen weinen, für jeden Engel, der uns genommen wird.

Eure Kathi