Und plötzlich ist alles anders – vom Einzelkind zur großen Schwester

große Schwester

 

Wie ist es eigentlich, eine große Schwester zu sein?“ Diese Frage stellte ich meiner 4,5 jährigen Tochter. Seit einem Jahr ist das nun (unter anderem) ihre Rolle in unserer Familie. Ihre Antwort fiel sehr kurz aus „Cool! Vor allem, wenn sie mir beim Aufräumen hilft.“ Wenn das mal nicht ein super Grund ist, seine kleine Schwester zu lieben. 😉

Sie ist eine tolle große Schwester, die ihre kleine Schwester liebt und verteidigt. Aber ich glaube, manchmal hat sie es richtig schwer. Sie hat sich gefreut, auf das Baby in Mamas Bauch. Immer wieder kam die Frage, wann sie denn endlich raus kommt, damit sie mit ihr spielen kann. Jede Menge Pläne hat sie geschmiedet, was wir machen, wenn das Baby da ist.

Das hat ihr großen Spaß gemacht und sie hat die Vorbereitungen genossen. Wir haben versucht, sie mit Büchern und Gesprächen auf die Veränderungen vorzubereiten. Ihr eine Ahnung davon zu vermitteln, was sie erwartet. Es ist einfach, Bücher über neue Geschwister vorzulesen. Aber es sind eben nur Geschichten, nett erzählt, nur manchmal Meilenweit von dem emotionalen Wirbelsturm entfernt, der einen mit einem neuen Familienmitglied erwartet. Ich konnte ihr nicht sagen, wie ihre kleine Schwester aussehen, oder wie sie sein würde, ich wusste es ja selbst nicht.

Sehr genau konnte ich mich an die Gefühle nach der ersten Geburt erinnern. Die trügerische Gewissheit, auf das Leben mit Baby gut vorbereitet zu sein. Theoretisch war ich das wohl auch, ich hatte Routine im Wickeln und wusste, wie man mit Babys umgeht. Aber auf diese Überschwemmung von Gefühlen, Emotionen und Verantwortung war ich überhaupt nicht eingestellt. Das hat mich überrannt und ich brauchte eine Zeit, dahingehend mein Gleichgewicht wiederherzustellen.

Wenn es mir mit meiner Lebenserfahrung und meinem Wissen schon so erging, wie musste das dann alles für meine damals 3 jährige Tochter sein. Ihre Welt von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Und plötzlich ist alles anders.

An einem sehr warmen Tag im Juni war es dann soweit. Unsere jüngste Tochter erblickte das Licht der Welt. Noch am selben Abend kam die Große mit der Oma ins Krankenhaus um sie kennenzulernen. Ich hätte zu gerne gewusst, was ihr in diesen Momenten durch den Kopf ging. Ob sie realisiert hat, was da gerade passiert war. Sie kuschelte sich zu ihrer kleinen Schwester und mir ins Bett und überreichte uns ganz lieb ein Kuscheltier, welches sie zusammen mit der Oma als Willkommensgeschenk gekauft hatte. Sie war am Anfang sehr schüchtern und traute sich nur ganz vorsichtig, das Baby zu streicheln. Ich hatte den Eindruck, dass sie ganz froh war, erstmal mit der Oma wieder zu ihr zu fahren.

In den nächsten Tagen versuchten wir ihr weiterhin genug Aufmerksamkeit zu schenken und für sie da zu sein. Trotzdem hatte mein süßes Mamakind ganz schön damit zu kämpfen, mich auf einmal teilen zu müssen. Sie reagierte darauf, indem sie auf einmal in allem Papa vorzog. Nur er durfte ihr beim Anziehen helfen oder sie ins Bett bringen, Dinge, in denen sonst immer ich ihr Favorit war. Mir fiel es unglaublich schwer, mit dieser ungewohnten Ablehnung umzugehen und es tat weh, zu akzeptieren, dass sich unsere Beziehung veränderte.

Die Große war die ersten Monate immer hin und her gerissen, zwischen der Liebe zu ihrer Schwester (die eigentlich von Beginn an da war) und der Eifersucht auf sie. Sie war super stolz, als sie ihr zum ersten mal die Flasche geben durfte und fand es immer großartig, beim Wickeln zuzuschauen. Oft lagen sie zusammen auf der Krabbeldecke, „erzählten“ sich etwas, lachten und spielten. Es ist so wunderschön, sie dabei zu beobachten und diese Bindung zu spüren, die es so wohl nur unter Geschwistern gibt. Die Kleine brauchte sich auch nie langweilen, weil sie von ihrer großen Schwester immer Spielzeug gebracht bekam.

Ich glaube, es gibt im Leben unseres Minimädchens nur einen Star. Ihre große Schwester. Von Anfang an ging ein strahlen über ihr Gesicht, sobald sie sie sah. Sie wird angehimmelt und alles was sie macht wird bewundert und wenn möglich imitiert.

Früher als ich es mir vorgestellt hatte begannen die Beiden wirklich miteinander zu spielen. Sie krabbelten laut kreischend um den Tisch herum und spielten fangen, sobald unser Baby vorwärts krabbeln konnte. Heute spielen sie am liebsten Baby, entweder mit ihren Puppen, die dann gefüttert und bemuttert werden. Oder eine von ihnen ist das Baby und wird von der Schwester im Puppenwagen spazieren gefahren.

Natürlich gibt es immer mal wieder Streit und Eifersucht, aber die meiste Zeit sind sie glaube ich froh, sich zu haben. Ich finde es wundervoll, die Beiden gemeinsam aufwachsen zu sehen und staune immer wieder, über diese zwei Wunder. Die so ähnlich und doch so unterschiedlich sind. Und sich hoffentlich ihr Leben lang an der Hand halten und gemeinsam gehen können.

Wie war das bei euch, als ein Geschwisterkind kam? Gab es viel Eifersucht oder haben sich alle schnell an das neue Leben gewöhnt?

Herzliche Grüße

Eure Jani