Ist mein Kind schrecklich?

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Ach ja, wo fange ich an?

Jeden Morgen  um 8:15Uhr fahren wir los in den Kindergarten. Jeden Morgen habe ich ein fröhliches, liebes Kind an meiner Hand, welches sich auf den Kindergarten freut.

Wir gehen zur Garderobe, ich ziehe ihn um, Puschen an die Füße. Der Geschirrwagen wird derweil in die Gruppe gefahren. Mein Sohn nimmt seinen Rucksack, mischt sich in die Menge der eintretenden Kindern. Alle suchen sich ihren Frühstücksplatz, mein Sohn ebenfalls. Er strahlt mich an, packt seine Brotdose aus, winkt mir zu.

Währenddessen stehen die Kinder an dem Tisch auf, komplett und mein Sohn sitzt alleine da. Mein Herz wird schwer, ich möchte mich am liebsten schützend um ihn legen. Stattdessen bitte ich seine Erzieherin darum, die Situation zu klären. Die Kinder werden zurück gerufen und gebeten sich zu setzen. Aber eigentlich möchte neben meinem Kind gar keiner sitzen 🙁

Warum nur? Er ist ein kleiner blonder Schlitzohrengel, ein fröhliches Kind mit vielen Ideen. Gewiss er hatte seine Probleme, Probleme die die Kommunikation erschwert haben. Er sprach mit 3 kaum (organische Gründe), er suchte durch Körperkontakt Nähe, Aufmerksamkeit zu bekommen, auch durch negative Körperlichkeiten wie beißen, knuffen, hauen… Sprechen ging ja nicht, also wie sonst? Wir zeigten ihm gemeinsam Wege auf, wir gingen zur Logopädie. Sprachlich hatte er schnell aufgeholt, nur Sozialkompetenzen leider nicht. Er fiel oft in alte Muster, ärgerte, machte Quatsch, auch beim Essen…

Es muss dringend etwas passieren, ich möchte nicht, dass sich andere Kinder wegsetzen, ich möchte das er mit anderen spielt, lacht, Spaß hat.

Also setzte ich mich mit den Erziehern zusammen, wir stellten fest das mein Sohn oft einfach nicht weiß, was er spielen soll und genau da wollen wir einhaken. Er soll spielen lernen, erst für sich und dann zusammen. Der Erzieher setzte sich täglich mit ihm zusammen, entwickelte Ideen und zeigte ihm wie er spielen kann. Warum kann bzw könnte er es nicht? Vielleicht das Jahr, in dem er nicht hören konnte?  Ich weiß es nicht.

 

Jetzt , ein halbes Jahr später, sitzt er am großen Tisch, keiner setzt sich weg, die Kinder spielen mit ihm, integrieren ihn.

Und heute kam sie, nach zwei Jahren Kindergarten, die ersehnte Einladung zum Geburtstag.

Er hat gelernt sich selbst wahrzunehmen und kann so die Grenzen der anderen akzeptieren und wahren.

 

Liebe Grüsse

eure Tina