Unser (entspannter) Stillstart

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Meine Tochter und ich sind mittlerweile Stillprofis. Wir haben das Stillen lange geübt. Jeden Tag. Doch eigentlich weiß ein Kind, was zu tun ist, wenn es auf die Welt kommt. Nur Mama muss das noch Üben. Schließlich ist das Stillen etwas ganz Neues, noch nie da gewesenes.

Wenn das Neugeborene direkt nach der Geburt auf Mamas nackten Oberkörper liegen darf, beginnt intuitiv die Suche nach Mama‘s Brust. Bereits in der Schwangerschaft färben sich die Brustwarzen dunkel. So stehen sie im Kontrast zur helleren Haut drumherum. Außerdem werden in den speziellen Duftdrüsen, die rundherum um die Brustwarze verteilt sind, Duftstoffe (sog. Pheromone) produziert. Diese zwei Begebenheiten und die angeborene Intuition führen den Säugling direkt zur mütterlichen Nahrungsquelle.

Dieser erste Kontakt nennt sich Bonding (engl. Bindung) und ist, meiner Meinung nach, der bedeutendste Schritt für die darauffolgende Stillbeziehung.

Da ich ja noch nie zuvor ein Kind gestillt hatte, suchte ich mir also Hilfe.
In der Geburtsklinik meiner Tochter wird in regelmäßigen Abständen ein Stillvorbereitungskurs angeboten. Der Kurs dauerte ungefähr 1,5 Stunden und wurde von einer sehr freundlichen, krankenhausinternen Stillberaterin geleitet. Gleich zu Beginn erzählte sie etwas über die Geschichte des Stillens und räumte ein paar Vorurteile und Missverständnisse aus dem Weg. Wenn aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht, kann jede Frau von Natur aus stillen. Denn dafür wurden Brüste geschaffen: Um neuem Leben Nahrung zu geben. Die Stillberaterin zeigte uns ein paar Stillhilfsmittel wie Stilleinlagen- und -hütchen. Und wir durften mit einer Puppe verschiedene Stillpositionen ausprobieren.

Des Weiteren hatte ich eine Freundin, die wenige Monate vor mir gebar. Ich sah ihr beim Stillen zu und stellte ihr alle meine Fragen. Und ganz geduldig antwortete sie mir. Es gab ihr zudem ein gutes Gefühl, da sie ihr erlangtes Wissen weitergeben konnte. Von stillender Mama zu werdender Mama.

Ihr bester Tipp: Entspann dich! Durch zu viel Stress, kann die Muttermilch versiegen. Auch das Kind spürt, dass Mama gestresst ist und will dadurch womöglich nicht richtig Andocken. Die Außenwelt abschalten. Genießt die Zweisamkeit. Es ist nicht zwingend erforderlich, dass du in absoluter Stille stillen musst. Einige Stillbücher raten zwar dazu, aber bei uns lief nicht allzu selten der Fernseher nebenher. Der Ton war zwar sehr leise oder manchmal auch aus. Aber sobald ich Draußen stillte, war Ruhe nicht immer möglich. Meine Tochter störte es allerdings nicht. Wenn sie Hunger hatte, dann stillte sie. Manchmal war das Drumherum aber doch interessanter. Und so fiel manche Stillmahlzeit etwas kürzer aus.

Zu zweit arbeiten wir an unserer Stillbeziehung. Es ist immer wieder ein Geben und Nehmen. Stillen ist für uns mehr als nur Nahrung. Stillen ist zugleich Nähe, Trost Geborgenheit, Sicherheit und vor allem viel Liebe. Beim Stillen wird das „Liebeshormon“ Oxytocin ausgeschüttet. Dieses sorgt für eine entspannte Mama und der wenige Schlaf scheint gar nicht mehr so problematisch zu sein. Außerdem unterstützt diese Oxytocinausschüttung die Rückbildung der Gebärmutter.

Für alle Fälle hatte ich in der Schwangerschaft ein Päckchen Fertigmilch gekauft. Glücklicherweise konnten wir bisher darauf verzichten. Und ich schätze, dass wir die Verpackung irgendwann orginalverschlossen an eine andere Mama verschenken können. Hin und wieder pumpe ich Milch ab und friere diese ein. In ca. 2 Monaten kommen meine Weisheitszähne raus. Und weil ich Angst davor habe, wird der Eingriff unter Vollnarkose gemacht. Leider geben nur wenige Anästhesisten stillenden Müttern grünes Licht. Viele raten direkt zum Abstillen. Es gibt wohl Narkosemittel, die stillverträglich sind. Aber kein Arzt möchte dies garantieren. Nach Absprache mit dem Anästhesisten werde ich zwei Stillmahlzeiten nach dem Eingriff abpumpen und verwerfen. Meine Tochter bekommt dann meine Muttermilch aus dem Gefrierfach.

Ich würde mich jederzeit wieder für das Stillen entscheiden. Muttermilch ist das natürliche Nahrungsmittel für Menschenkinder. Zudem ist Stillen einfach und praktisch. Ich spare mir das Anrühren von Fertigmilch. Die Thermoskanne mit heißem Wasser für unterwegs. Meist sehr teures Milchpulver, dass richtig abgemessen werden muss und sich dann doch oft in der Gegend verteilt. Und ich muss keine Fläschchen abwaschen. Ich komme ja so schon nicht regelmäßig zum Abwaschen…

Meine Tochter darf immer an die Brust. An sehr heißen Sommertagen oder während der Wachstumsschübe stillt sie häufiger, aber dafür kürzer. Sie clustert (to cluster, engl. für sich anhäufen). Manche Mamas finden dies stressig. Für mich ist dieser Mehrbedarf nur natürlich. Das Stillen soll beiden – Mutter und Kind – Spaß machen. Solange wir beide es möchten, werden wir stillen. Hoffentlich eine lange Zeit…

Wie war denn euer Stillstart und eure Stillbeziehung? Klappte es so unproblematisch wie bei und? Hattet ihr Probleme?

Ich freu mich auf eure Antworten,

Eure Anke