Bedürfnisorientiert von Anfang an – AP Serie

AP mama blog

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Kurz nach der Geburt meiner Tochter las ich das erste Mal den Begriff „Attachment Parenting“ (kurz: AP). Dabei geht es um darum, dass die Mutter (oder eine andere Bezugsperson) auf die Signale und somit auf die Bedürfnisse des Kindes unmittelbar eingeht. Im weiteren Verlauf meiner Recherche über AP fiel mir auf, dass ich bereits seit der Geburt meines Kindes bedürfnisorientiert handelte. Ich folgte ohne darüber nachzudenken meiner Intuition.

 

Wenn man sich in diversen Mama-Foren online umhört, könnte man glauben, dass AP etwas ganz Neues, noch nie Dagewesenes ist. Doch genau das ist es eben nicht. Dieser vermeintlich neue Trend führt uns zum Ursprünglichen zurück- back to the roots.

Denn:

  • Stillen ist keine Alternative, sondern das Original. Flaschennahrung gibt es nämlich erst seit Ende des 19. Jahrhunderts.
  • Ebenso sind Kinderwagen eine Alternative zum Tragen. Die ersten „richtigen“ Kinderwagen entstanden auch erst zu dieser Zeit.
  • Baby‘s eigenes Zimmer ist eine Alternative zum Familienbett; widerspricht aber dem natürlichen Bedürfnis des Babys nah bei der Mutter sein zu wollen.

Bedürfnisorientierte Erziehung (oder auch Lebenseinstellung) beginnt mit der Geburt des Kindes. Direkt nach der Geburt wird der Mutter ihr Baby auf die Brust gelegt. Und es stört überhaupt nicht, dass das eigene Baby nicht so rosig und sauber ist, wie die Neugeborenen im TV. Ich war einfach nur froh, dass ich meine Tochter endlich im Arm halten durfte. Ich trug auch nicht mehr als einen Still-BH bei der Geburt, da ich so viel Hautkontakt wie eben möglich war, wollte. Kaum liegt das Baby auf Mamas warmer Brust, fängt es normalerweise auch direkt mit der Suche nach der Brustwarze an. Wenn man in einem „stillfreundlichen“ Krankenhaus entbindet, dann wird der Mutter auch beim ersten Anlegen des Neugeborenen geholfen. Gerade bei Erstgebärenden finde ich Unterstützung seitens der Krankenschwestern oder Hebammen sehr sinnvoll.

Die Krankenschwester half mir also beim ersten Anlegen meiner Tochter an die Brust. Sie beobachtete die Kleine einen Moment lang. Als sie sah, dass die ersten zaghaften Saugversuche gelangen, verließ sie den Raum und gab uns beiden Ruhe.

In der ersten Zeit hat ein Neugeborenes nicht allzu viele Bedürfnisse auf die man als Mama eingehen muss: Hunger, Nähe, Ausscheidung.
Gerade die ersten beiden Bedürfnisse lassen sich gleichzeitig mit dem Stillen befriedigen. Ein Baby liebt es eng an Mama gekuschelt zu sein. Das Wochenbett heißt nicht umsonst Wochenbett. Eine Geburt ist unglaublich kräftezehrend. Und auch das Stillen verbraucht viel Energie. Je nach Quellenangabe bis zu 500 kcal am Tag! Als frischgebackene Mama sollte man also kein schlechtes Gewissen haben, wenn man in den ersten Wochen nicht den Haushalt schmeißt. Das Wichtigste ist der Nachwuchs. Bleibt mit ihm im Bett oder auf dem Sofa und kuschelt und stillt so oft es euer Baby (und ihr!) eben braucht. Ihr schafft damit beim Baby das sog. Urvertrauen, eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind. Deshalb nennt man AP auch bindungsorientierte Erziehung.

Eine weitere gute Möglichkeit seinem Baby Nähe und Wärme zu ermöglichen ist das Tragen.

Auch hierzu gibt es unzählige Diskussionen im Internet. Doch in einem Punkt sind sie sich alle einig: Tragen ist Liebe.
Dabei ist es erst mal egal, ob man sein Baby mit einem einfachen Tuch oder mit einer orthopädisch-korrekten Tragehilfe trägt. Wichtig ist, dass man trägt. Man sollte aber auf die natürliche Wirbelsäulenform des Säuglings achten. Anfangs ist diese nämlich noch gekrümmt („eingerollt“) und richtet sich im Laufe des ersten Lebensjahres auf.

Wir haben in der 3. Lebenswoche angefangen unsere Tochter zu tragen. Sowohl ich als auch mein Mann. Es ist aber möglich sein Kind ab Geburt in einem Tragetuch tragen – wir haben uns nur vorher nicht getraut. Unsere Tochter liebt es getragen zu werden. Anfangs schlief sie immer sofort im Tuch ein. Mittlerweile schaut sie sich gern die Umgebung an, wenn wir Draußen sind. Aber irgendwann übermannt sie die Müdigkeit und sie schläft seelenruhig nah an meinem Herzen.

Wissenschaftlichen Studien zufolge, stärkt das Tragen die Bauch- und Rückenmuskulatur des Tragenden. Aber auch die Muskeln des Babys werden dadurch trainiert. Es versucht nämlich selbst die Bewegungen des Tragenden auszugleichen bspw. wenn sich die Person bückt. Zudem hat das Baby immer einen warmen Bauch, der durch die Bewegungen massiert wird. Dies kann helfen Koliken zu verhindern und Bauchweh zu reduzieren.

Was tatsächlich auch gut gegen Bauchweh und Blähungen hilft ist das sog. Abhalten. Es kann bis zu 3 Monaten dauern bis die Verdauung des Neugeborenen reibungslos funktioniert. Monatelang schluckte es verhältnismäßig passiv Fruchtwasser und nun muss es selbstständig Muttermilch verdauen. Der Darm schafft das anfangs noch nicht richtig. Deshalb empfiehlt sich eine Bauchmassage oder eben das Tragen. Und was uns bzw. unserer Tochter sehr gut half war das Abhalten. Hierbei reagiert die Mutter auf die Signale des Kindes, wenn es mal muss. Jedes Baby sendet andere Signale: Manche hören plötzlich mit dem Spielen auf und werden ganz ruhig. Andere fangen aus heiterem Himmel an zu quengeln oder unterbrechen das Trinken an der Brust. Die Bezugsperson registriert diese Signale und hält es dann über einem Töpfchen, dem Waschbecken oder einfach einem Handtuch ab. Man kann auch ein Signalwort einführen durch das das Baby im Laufe der Zeit lernt, was gerade von ihm erwartet wird.

Diese Kommunikationsform ist ebenfalls ein bedeutender Teil der Beziehungsarbeit mit seinem Kind. Die Bezugsperson liest das Baby. Und das Baby versteht, dass seine Bedürfnisse nicht ignoriert werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei bedürfnis- oder bindungsorientierter Erziehung ist das Co-Sleeping (engl.: gemeinsam schlafen). Oder wie es hier zu Lande heißt: Familienbett.
Von der ersten Nacht an schläft meine Tochter direkt neben mir mit in unserem Bett. Ich persönlich sehe darin nur Vorteile für uns beide. Mein Kind muss nicht allein schlafen. Ich bin unmittelbar neben ihr. Und ich muss nicht nachts zum Stillen aufstehen. Wir erledigen das liegend unter warmen, kuscheligen Decke. Es passiert sehr häufig, dass wir beide dabei nach kurzer Zeit schon wieder einschlafen.

Anfangs schlief meine Tochter in einer Art Nest, dass wir mit dem Stillkissen gebaut haben. Und nach ein paar Wochen kaufte ich ein Bettschutzgitter, damit sie nachts nicht aus dem Bett rollt.
Für mich ist die Vorstellung, dass meine Tochter nicht bei mir schläft schlichtweg befremdlich. Erst recht, wenn sie in einem anderen Raum schlafen würde. Da sie neben mir liegt, kann ich sofort auf ihre Bedürfnisse eingehen: Hunger, Ausscheidung, Nähe. Wir beide schlafen ruhig. Vor allem ich kann beruhigt schlafen.

Wichtig beim bedürfnisorientierten Miteinander ist, dass man sein Baby eben nicht unnötig schreien lässt.

Schreien bedeutet immer, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und wenn wir als Eltern nicht darauf eingehen, lernt ein Baby, dass sich eben niemand für seine Bedürfnisse interessiert und es stellt das Schreien, das Mitteilen eines Problems bald ein. Was mancher für einen Segen hält, kann fatale Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes haben und führt zu einem Bruch in der Mutter-Kind-Beziehung. Man muss sich mal vorstellen wie es einem selbst in so einer Situation gehen würde: Ich möchte oder brauche etwas. Aber niemand interessiert sich dafür und das über einen längeren Zeitraum. Irgendwann würden wir abstumpfen. Wir würden irgendwann nicht mehr sagen, dass wir irgendetwas brauchen. Es hört ja sowieso niemand zu. Diese Lage ist schmerzlich. Und man verliert das Vertrauen in seine Mitmenschen. Denn gerade von den Leuten, die uns nahe stehe, erwarten wir, dass sie Rücksicht auf uns nehmen. Dass sie spüren, wenn uns etwas bedrückt. Und wenn das irgendwann nicht mehr funktioniert, ist man auf sich allein gestellt, verkriecht sich womöglich. Und nun stellt man sich vor, das eigene Baby müsste so eine gravierende Erfahrung machen. Ich finde das traurig. Und ich möchte nicht, dass meine Tochter jemals das Gefühl hat, ich würde mich nicht für ihre Belange interessieren.

Wir leben bedürfnisorientiert, weil uns die Bedürfnisse unseres Kindes am Herzen liegen.

Liebste Grüße,

Eure Anke