Windelfrei

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Noch in der Schwangerschaft habe ich mich mit dem Thema „windelfrei“ beschäftigt. Im Groben bedeutet dies, dass man seinem Kind keine Windeln anzieht. Doch es steckt so viel mehr dahinter! Niemals hätte ich gedacht, dass das Thema Ausscheidungen einen derart hohen Stellenwert haben wird, wenn man ein Baby bekommt. Ich war wirklich der Meinung: Windel an, großes und kleines Geschäft rein, Windel wechseln…im stetigen Wechsel bis das Kind irgendwann einmal auf das Töpfchen geht.

Doch ich wurde eines Besseren belehrt, denn windelfrei ist die Kommunikation zwischen einem Baby und seiner Bezugsperson(en).

Man kann direkt nach der Geburt starten. Schon Neugeborene haben das Bedürfnis ihr „Nest“ nicht zu beschmutzen. Also quengeln oder weinen sie und zeigen so recht deutlich, dass sie mal müssen. Man kann sie dann einfach übers Waschbecken, eine Schüssel, ein Handtuch oder einem sogenannten Asiatöpfchen abhalten. Dafür hält man sein Baby in den Kniekehlen und winkelt die Beinchen etwas an.

Als unsere Tochter ungefähr 3 Wochen alt war, haben wir sie das erste Mal über einer alten Rührschüssel abgehalten. Und es funktionierte! Dieser erste, kleine Erfolg machte mich richtig stolz. Ich deutete die Zeichen meines Kindes richtig. Zugegebenermaßen pullern Neugeborene eh irgendwie ständig. Aber dennoch hielten mein Mann und ich sie fortan regelmäßig ab. Ein großer Vorteil ist natürlich, wenn das große Geschäft im Töpfchen und nicht in der Stoffwindel landet. Eine Stinkewindel weniger zu waschen. Auch überhaupt sparen wir auf diese Art die eine oder andere Windel. Nicht jedes große oder kleine Geschäft landet im Töpfchen. Wir praktizieren vielmehr Teilzeit-windelfrei. Aber für uns funktioniert es prima. Ich bin jedes Mal ein klein wenig stolz auf meine Tochter, dass sie kommuniziert, wenn sie mal muss. Und ich bin stolz auf mich, dass ich ihre Zeichen richtig deute. So ist das Abhalten für uns ein positives Erlebnis. Zudem lernt mein Kind, dass ihre Bedürfnisse nicht ignoriert werden.

Leider schaffe ich es unterwegs nicht meine Tochter regelmäßig abzuhalten. Deshalb trägt sie auch immer eine Stoffwindel. Aber gerade am Morgen direkt nach dem Aufstehen setze ich sie als erstes auf unser Asiatöpfchen. Es ist nicht selten, dass ihre Nachtwindel morgens noch trocken ist und sie ihre Blase erst beim Abhalten entleert. Im Großen und Ganzen zeigt meine Tochter recht deutlich, wenn sie mal muss. Außer wenn sie spielt, dann ist einfach zu abgelenkt.

Seit nun etwas mehr als 6 Monaten verfahren wir auf diese Weise mit den Ausscheidungen unseres Kindes. Mein man und ich sehen darin nur Vorteile- auch wenn wir das Konzept windelfrei nur in Teilzeit umsetzen. Die Abhalte-Position ist optimal, damit ein Baby seinen Darm entleeren kann. Auch hilft es hervorragend gegen Bauchweh und Blähung von denen nahezu jedes Neugeborene geplagt wird. Ganz ohne Tropfen und Salben aus der Apotheke. Zudem werden windelfrei-Kinder häufig viel schneller trocken. Nicht wenige Kinder sind mit circa 1 Jahr tagsüber trocken, d. h. sie benötigen keine Windel mehr.

Obwohl das Ganze anfangs doch sehr neu und merkwürdig war, fanden wir recht schnell Gefallen daran. Für uns war auch ein Wunder oder gar entzündeter Babypopo nie ein Thema. Dies schreibe ich der Kombination aus Stoffwindeln und Abhalten zu. Windelfrei, wenn auch nur in Teilzeit – ist für mich ein wichtiger Bestandteil eines bedürfnisorientieren Zusammenlebens mit meinem Kind.

Eure Anke