Stillen nach Bedarf

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Stillen nach Bedarf

Stillen nach Bedarf? Geht das denn überhaupt? Habe ich beim Stillen nach Bedarf nicht ständig mein Kind an der Brust hängen?  Sollte ich nicht lieber Stillen nach der Uhr? Hat mein Kind denn immer im gleichen Zeitabstand Hunger? So wurde es doch viele Jahre von Generation zu Generation weitergegeben….

Ihr lieben Mamas,

heute möchte ich euch meine ganz persönliche „Stillen nach Bedarf“ Stillgeschichte erzählen und euch  ein wenig über das Stillen informieren.

Ich wusste schon immer, dass ich mein Kind auf jeden Fall stillen möchte. Es war für mich das Logischste und Naheliegenste. Ich habe mir nichts anderes vorstellen können, obwohl ich damals noch keine Ahnung hatte, was Stillen noch alles ist oder das es ein „Stillen nach Bedarf bzw. Stillen nach der Uhr“ überhaupt gibt

Erstmals kam ich im Geburtsvorbereitungskurs mit dem Thema Stillen ausführlicher in Kontakt. Meine Hebamme war total spitze. Sie meinte, dass wir uns nicht verrückt machen sollen. Es würde schon klappen, wenn ich mich ganz auf die Bedürfnisse meines Babys einlasse. Sie hat mir  „Stillen nach Bedarf“ empfohlen. Zunächst konnte ich mir nichts darunter vorstellen. Also habe ich mich in diversen Schwangerschaftsbüchern darüber informiert.

Stillen nach Bedarf bedeutet, dass man sein Kind immer dann anlegt, wenn es Hunger hat. Und eben nicht erst, wenn eine gewisse Zeitspanne verstrichen ist. Sobald ein Baby Hunger hat, zeigt es deutlich, dass es gefüttert werden möchte. Beispielsweise macht euer Baby schon Saugbewegung mit seinem Mündchen, dreht seinen Köpfchen suchend zur Brust hin, schmatzt oder saugt an seinen Händchen. Reagiert ihr als Mama sofort auf diese Signale und stillt euer Kind, lernt euer kleiner Schatz seine Bedürfnisse weiterhin so ruhig und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Natürlich funktioniert es auch andersherum. Wartet ihr bis euer Kind schreit, lernt das kleine Menschlein, dass seine Bedürfnisse nur erfüllt werden, wenn es schreit. Das sind die Anfänge der Kommunikation zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Für mich persönlich ist diese Art der Kommunikation sehr angenehm, ganz ohne Schreien. Die Wenigsten von uns wollen von ihren Beziehungspartnern angeschrien werden.

Als ich im Krankenhaus entbunden habe, wurde mir mein Kind nicht sofort angelegt. Zu diesem Zeitpunkt empfand ich es nicht weiter schlimm. Wir haben uns erst mal ganz lange angeschaut und ich habe mit ihm geredet und gekuschelt. Es waren 2 wunderbare Stunden. Anschließend habe ich bei der ersten Untersuchung meines Babys zugesehen,. Dann wurde mein Bett gebracht und darin habe ich versucht das erste Mal zu stillen.

Und was soll ich euch sagen, es hat einfach nicht geklappt. Ich hatte Angst, dass er mir an meiner großen Brust keine Luft bekommt und erstickt. Er hat nicht richtig angedockt und auch kaum gesaugt. Meine super Hebamme Kelly hat mich versucht zu beruhigen und mir gesagt, dass es schon noch klappen wird und ich mir keine Gedanken machen soll.

Auf dem Zimmer haben wir beide unter der Bettdecke weiter gekuschelt. Es war einfach schön.

Als ich ihn wieder stillen musste, habe ich die Schwestern gerufen. Ich wollte, dass sie beim Anlegen dabei sind und mir Tipps geben können. Es war mir total wichtig, meinen kleinen Zwergmann zu stillen. Ich wollte ihn nicht mit der Flasche füttern, da es mir sehr unpraktisch erschien.

Ich habe die Schwestern wirklich zu jedem Stillen gerufen. Ich hatte den Eindruck, dass sie nicht oft von Müttern zum Stillen gerufen werden. In seiner 1. Nacht hing mein Sohn 3 Stunden am Stück an der Brust. Seit dem funktionierte alles. Es brachte den Knoten zum Platzen. Ab da hatte er einen wahnsinnigen Zug drauf. Er trank hervorragend und auch das Andocken klappte. Trotzdem habe ich immer noch die Schwestern gerufen. Da ich ihre Hilfe in Anspruch nehme wollte, solange diese mir noch zur Verfügung stand. Ich kann es nur empfehlen. Scheut euch nicht davor euch Hilfe zu holen, wenn ihr sie braucht.

„Das Kind sollte nicht ständig an die Brust“ oder „Kinder brauchen am 1. Tag keine Brust, da keine Milch da ist!“

Allerdings gibt es auch die ein oder anderen Schwestern mit veralteten Ansichten. Lasst euch davon nicht beirren und vertraut auf euren Mutterinstinkt. Tipps oder Ratschläge wie „Das Kind sollte nicht ständig an die Brust“ oder „Kinder brauchen am 1. Tag keine Brust, da keine Milch da ist“, sind schlichtweg falsch. Stillen bedeutet Sicherheit, Geborgenheit, Körpertemperaturregulierung, Anpassung der Atmung, und beeinflusst Blutdruck sowie Herzschlag positiv. Also, legt euer Kind an, wenn es euer Kind verlangt. Und natürlich habt Ihr Milch. Das Kollostrum, auch Vormilch genannt, ist super wichtig für euer Kind, da sie das Immunsystem eures Kindes wesentlich stärkt. Das Kolostrum schützt durch seine spezielle Zusammensetzung euer Kind vor Krankheiten. Diesen Schutz kann nur Muttermilch bieten. Denn im Gegensatz zu Pre-Nahrung beinhaltet Muttermilch lebenswichtige Zellen, die zum Aufbau des Immunsystems benötigt werden.

Unser Stillweg war nicht ganz einfach. Es gab Höhen und Tiefen, die wir gemeistert haben. Mein Sohn und ich mussten das Stillen erst lernen und an unserer Stillbeziehung arbeiten. Ich finde dies eine sehr passende Bezeichnung. In Beziehungen hat man die Möglichkeit gemeinsam zu wachsen. Sie verändert sich ständig und je besser man sich kennt, desto besser funktioniert sie – in den meisten Fällen. Es war richtig mich für „Stillen nach Bedarf“ zu entscheiden, denn wir haben unseren Rhythmus schnell gefunden. Alle 2-3 Stunden hatte mein Kind Hunger. Es war für mich absolut in Ordnung. Ich habe verschiedene Stillpositionen ausprobiert, seitlich liegend empfand ich als am bequemsten. Es ist super entspannend und angenehm. Scheut euch nicht und probiert alle möglichen Stillposition. Sollte euch das Krankenhaus beim Stillen nicht unterstützen (können), kontaktiert eine Stillberaterin. Stillen ist meiner Ansicht nach zu wichtig und man sollte nichts unversucht lassen.

„Ich hatte nicht genug Milch!“

Beim Stillen regelt die Nachfrage das Angebot. Das bedeutet, je öfter ihr euer Kind anlegt, desto mehr Milch wird eure Brust produzieren. Die Behauptung, man könne sein Baby nicht stillen, weil man zu wenig Milch hätte, stimmt daher nicht immer, dies ist nur in wenigen Fällen (gesundheitlich) wirklich der Fall. Vermutlich wurde das Kind nicht oft genug angelegt oder es wurde mittels einer Flasche zugeflüttert. Sowas ist der Milchproduktion leider auch nicht zuträglich, da es leider auch zum Rückgang der Milchmenge führen kann.

Und ja, wenn dein Kind häufiger als sonst trinken möchte, dann ist nicht genug Milch für dein Kind da. Dein Kind hat einen Mehrbedarf und diesen holt er sich über die kürzeren Stillabstände. Gleichzeitig wird die Milchproduktion angeregt und nach 3-5 Tagen produzieren deine Brüste die Menge, die dein Kind zum Stillen seines Hungers braucht. Die Abstände zwischen dem Stillen werden wieder größer. Also kein Grund zur Panik. Vertraue deinem Kind und deinem Körper, dass sie wissen, was zu tun ist!

„Ich habe nicht genug Milch. Das sehe ich an dem was ich aus meiner Brust abpumpe und außerdem ist die Milch total dünn. Davon wird das Kind nicht satt.“

Wenn ich nach der Menge Muttermilch gehen würde, die ich schaffe abzupumpen, dann wäre mein Kind danach verhungert. Er ist aber trotzdem super gewachsen und ein ganz lebendiges Kerlchen. Eine Pumpe an der Brust ist nicht das Gleiche, wie ein Baby an der Brust zu haben. Die Brust wird bei einem Baby ganz anders stimmuliert. Die abgepumpte Milchmenge entspricht nahezu niemals der Menge, die ein Kind tatsächlich selbst trinkt.

Anfangs ist der Fettgehalt der Muttermilch nicht so hoch. Daher sieht sie eher wässrig aus. Das liegt daran, dass als erstes der Durst des Kindes mit der Muttermilch gestillt wird. Im Anschluss wird die reichhaltigere Milch mit höherem Fettanteil in den Milchdrüsen gebildet. Diese soll den Hunger des Kindes sättigen. Mein Sohn wollte in seinem ersten Sommer sehr oft, aber dafür nur kurz an beide Brüste. Der Grund war, dass er seinen Durst stillen wollte. Vollgestillte Kindern benötigen weder zusätzlich Wasser noch Tee. Das fand ich sehr praktisch. Wieder eine Sache weniger, die man mit sich herumtragen muss.

Ein Grund, weshalb ein Kind häufiger Hunger hat, kann sein, dass die Brust zu schnell gewechselt wird. Wie bereits erwähnt, kommt erst die Milch zum Durst löschen und danach erst die sättigende Milch. Mein Zwerg hat immer 15-20 Minuten an der einen Brust getrunken und bei Bedarf, dann noch die andere bekommen. Somit konnte ich sicher sein, dass er auf jedenfalls genug von der sättigenden Milch bekommen hat. Und es ist auch nicht schlimm, wenn ihr nicht beide Brüste auf einmal stillt. Ihr solltet euch nur merken mit welcher ihr als letztes gestillt habt. Das lässt sich aber sehr leicht erfühlen und im Laufe der Zeit bekommt ihr auch ein Gefühl dafür.

Seit fast 21 Monaten stillen wir nun. Das biologische Abstillalter von Kindern liegt zwischen 2,5-7 Jahren. Ich empfinde es als etwas ganz normales mein Kind immer noch zu stillen. Wir werden damit erst aufhören, wenn wir beide soweit sind. Aber im Moment ist das noch nicht der Fall.

Wie war euer Stillstart? Kennt ihr Stillen nach Bedarf?

So, genug Artikel gelesen. Schnapp euch eure Kinder, drückt sie, kuschelt sie und stillt sie nach Bedarf.

Eure

Vanessa