BLW – Mein Baby mag keinen Brei


Mein Baby mal keinen Brei – oder- Wie wir zu BLW kamen.

Kaum ist das Baby auf der Welt, werden die frisch gebackenen Eltern erschlagen von Empfehlungen zur Beikosteinführung. Schon zur Geburt bekommt man von diversen Drogeriemärkten allerlei Gutscheine geschenkt, damit der neue Erdenbürger bestens versorgt werden kann. Naja, zumindest bestens versorgt wird von den großen Windel- und Breiherstellern. 

Die Empfehlung lautet: Nach dem 4. Monat muss Brei eingeführt werden, sonst könne das Kind eingehen wegen Eisen- oder anderen Mängeln. Dadurch werden von Beginn an Ängste bei den Eltern geschürt, ihrem Kind würde es an irgendetwas fehlen, sollten sie nicht frühest möglich Brei zufüttern.

Auch ich bin auf diese Angst einflößende Masche hereingefallen! An dem Tag als meine Tochter exakt 4 Monate alt war, gab ich ihr den die ersten 2 Löffel Pastinakenbrei. Umgehend bekam sie einen Ausschlag im Windelbereich. Es kann auch nur daran gelegen haben, da ich an diesem Tag sonst nichts verändert hatte. Noch am selben Vormittag traf ich meine Hebamme und berichtete ihr davon. Sie empfahl mir mit der Beikosteinführung noch etwas zu warten. Es war gut möglich, dass mein Baby einfach noch nicht so weit war. Also wartete ich.

In den nächsten 3 Wochen entwickelte meine Tochter allmählich Interesse an dem, was ich aß. Sie zog mir das Brötchen aus der Hand und lutschte an der Kruste herum. Alles, was ich in der Hand hielt, wollte sie direkt in ihren Mund stecken. Zudem beobachtete sie mich ganz genau während ich aß. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass sie nun soweit war.

Bahn frei für den Brei!

Dank der vielen Drogeriemarkt-Gutscheine, kaufte ich verschiedene Gemüse- und Obstbreigläschen, sowie etwas Instant-Griesbrei. Nach und nach führte ich die einzelnen Sorten langsam ein. Allerdings hielt meine Tochter sich nicht an die Empfehlung mit Gemüse- oder Gemüse-Fleisch-Brei zu starten. Gemüse aus dem Glas schmeckte ihr einfach nicht. Sie würgte stark und hustete ihn wieder heraus. Wo hingegen sie den Grieß-Obstbrei mit großer Begeisterung aß. Ich bot ihr immer wieder die anderen Gläschen an, aber es war einfach nichts zu machen: Gemüse war bäh!

Aber dann, passierte, was unausweichlich war.: Mein Kind bekam Zähnchen. 2 Stück direkt hintereinander. Und seit dem ist Brei jeglicher Geschmacksrichtung kein Thema mehr. Alles, was ich ihr mit dem Löffel in den Mund steckt wurde heraus gehustet und sie würgte als würde sie am Brei ersticken. Toll, und nun?

Baby-led weaning.

Baby-led weaning (kurz: BLW) bedeutet „vom Baby geführtes Abstillen“ und ist ein vermeintlich neuer Trend aus Großbritannien. Vermeintlich deshalb, weil dies weder ein Trend ist noch neu. Bei BLW geht es darum, dass das Baby selbst auswählt, was und wieviel es essen möchte. Und zwar ab dem Zeitpunkt, wann es selbst bereit dazu ist. Es gibt bestimmte Beikostreifezeichen, anhand derer Eltern deutlich erkennen können, wann das ist. Ein breifreies Baby ist selbst in der Lage sein Essen zum Mund zu führen. Das finde ich recht praktisch, weil man dann beide Hände frei hat für das eigene Essen. Allerdings darf man Baby niemals unbeobachtet essen lassen! Obwohl sie einen ausgeprägten Würgereflex haben, kann doch mal Essen in die falsche Röhre gelangen. Das kann auch bei Brei passieren. Deshalb ist es wichtig, gerade am Anfang, bei seinem Kind zu bleiben. Unsere Tochter isst immer bei uns am Tisch mit. Dadurch machen wir das gemeinsame Essen zu einer alltäglichen, normalen Handlung. Ohne „Hier kommt das Flugzeug“ oder „Ein Löffelchen für die Omi“.

Also weg vom Gläschen und hin zum Fingerfood. Ich holte mir Tipps bei Freunden, deren Kinder ebenfalls breifrei satt wurden. Im Grunde kann man alles geben, was man in „Pommesform“ bringen kann. Wir starteten mit Butterbrot in längliche Stäbchen geschnitten.

Ich muss dazu sagen, Brot wird eigentlich nicht empfohlen, da es Salz enthält. Aber im Normalfall ist ein Baby von 6 Monaten keine 2 Schreiben Brot. Wenn mal eine 1/4 Scheibe im Bauch landete, dann war das schon viel, zudem bot ich ihr Wasser an.

Solange Baby voll gestillt werden und noch keine Beikost erhalten, benötigen sie kein zusätzliches Wasser oder Tee. Doch sobald es isst, sollte man etwas Wasser zum Essen anbieten.

In einem Artikel zum Thema Beikost las ich „Food under one is just for fun“. Bei uns trifft dies definitiv zu, wir stillen nach gut 7 Monaten immer noch zu 99,9%. Keine Stillmahlzeit wird bisher wirklich ersetzt. Zudem empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach Beikosteinführung wenn möglich, mindestens bis zum 2. Geburtstag nebenher weiter zu stillen.

Wenn man mal genau darüber nachdenkt, kann es diesen super fein pürierten Brei noch gar nicht solange geben. Denn Strom und Mixstab gibt es erst verhältnismäßig kurz in der Menschheitsgeschichte. Irgendwie müssen die Babys früher ja auch satt geworden sein. Wenn sie dann sitzen und gezielt greifen konnten, gab es eben weichgekochtes Gemüse oder kleine Brotstückchen.

Ich finde Baby-led weaning eine tolle Sache. Es führt uns zum Ursprünglichen zurück. Man kann so auf die Bedürfnisse des Kindes gezielt eingehen.

Wie handhabt ihr es mit dem Essen? Sind eure Kinder breifrei groß und satt geworden?

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