Wochenbett beim zweiten Kind

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Beim ersten Kind war das Wochenbett einfach, gemütlich und ruhig, anders das Wochenbett beim zweiten Kind. Beim ersten Kind, lag ich mehr oder weniger den ganzen Tag mit meiner Tochter auf dem Bauch auf der Couch, Trinken, Schokolade, das Telefon und genügend Bücher in Reichweite.

Hatte ich Lust, den Abwasch zu machen (wir hatten damals ungelogen noch keine Spülmaschine), dann tat ich das, fand ich kuscheln wichtiger, blieb ich liegen und sah meinem Mädchen beim Schlafen zu.

Es war eine sehr entspannte Zeit, die ich in vollen Zügen genießen konnte, da ich mich nur um mich und meine Tochter zu kümmern hatte. Der einzige Anspruch, den ich an mich selbst hatte, war, dass ich mich jeden Morgen duschte und mindestens jeden zweiten Tag meine Haare wusch. Trotz allem war ich auch im Wochenbett noch immer Frau und nicht ausschließlich Mama, wobei ich ganz ehrlich gestehen muss, dass ich an Sex überhaupt gar keinen Gedanken verschwendet hatte.

Da mein Mann seine zwei Monate Elternzeit erst später nahm, gab es, die zwei Wochen nach der Geburt ausgenommen, als mein Mann Urlaub hatte, nur meine Tochter und mich, bis mein Mann von der Arbeit nach Hause kam und natürlich die Hebamme, welche alle paar Tage nach dem Rechten geschaut hat. Im Nachhinein betrachtet war es keine gute Hebamme, sie war noch vom „alten Schlag“ und kam mit solchen Tipps wie „Karottensaft in die Flasche“ (super, vor allem, da ich ja voll stillte) oder „Flasche andicken mit Schmelzflocken und Breisauger, dann wird sie schon essen“ (dieser Tipp kam in der Rückbildung, als ich erwähnte, dass wir noch immer voll stillen, meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt gerade mal vier Monate alt). Ich bin noch heute sehr froh darüber, dass ich mich im Vorfeld zu diesen Themen gut informiert hatte und mir, was Beikost anbelangt, nicht reinreden lies. Da meine Tochter immer schön auf der Kurve lag, gab es auch keinen Grund zur Beunruhigung, aber das alles nur am Rande.

Mein Wochenbett mit Kind Nummer eins war eine sehr intensive Zeit und ich denke gerne daran zurück. Oft erzähle ich noch heute meiner Tochter lächelnd, dass sie immer wieder nur auf mir schlafen wollte.

Wenn gar nichts ging, ging es übrigens bei meiner Oma, sie schaffte es IMMER, mein Mäuschen zum Schlafen zu bekommen. Vermutlich, weil Oma diese gewisse innere Ruhe hatte, die mir als Erstlingsmama gefehlt hat in manchen Situationen.

Bei meinem Sohn sah das alles etwas anders aus. Das Wochenbett beim zweiten Kind ist mit der Erfahrung die ich zuvor gemacht hatte nicht zu vergleichen. Meine Kinder sind 27 Monate auseinander, also zwei Jahre und 3 Monate, und so war meine Tochter gerade mal zwei Jahre alt, als ihr Bruder zur Welt kam.

Wir hatten versucht sie so gut es ging, darauf vorbereitet und ihr auch erklärt, dass Mama nach der Geburt vom kleinen Bruder für ein paar Tage im Krankenhaus bleiben würde und sie dann bei Papa und Omi sein wird.

Warum ich nicht nach der Entbindung nach Hause gegangen bin? Ein massiver Eisenmangel nach der Entbindung und die daraus resultierenden Infusionen hatten mir einen verlängerten Aufenthalt im Krankenhaus beschert. Das Positive daran war, ich hatte Exklusivzeit mit dem Kleinen, zumindest für ein paar Tage. Dies wäre Zuhause so in der Form nicht möglich gewesen.

Über die Tage im Krankenhaus kann ich nur Positives berichten und es war ein schöner, ruhiger Start ins Wochenbett. Am liebsten war ich mitten in der Nacht ganz alleine mit meinem Sohn im warmen Stillzimmer, nur mein Sohn, ich und die Nachtschwester und vielleicht noch eine andere Mama. Ich habe diese Nächte noch immer in Erinnerung, trotz aller Strapazen und einer nicht so schönen Geburt war das für mich total entspannend.

 Meine Tochter besuchte mich und ihren Bruder jeden Tag gemeinsam mit Papa und fand es sehr aufregend, so viel Zeit mit ihrer Omi verbringen zu dürfen, sodass ich zum Glück kein schlechtes Gewissen ihr gegenüber haben musste. Als ich Freitags mit meinem Sohn endlich nach Hause durfte, ging es schon los: ich wollte auf der Rückfahrt vom Krankenhaus unbedingt beim Drogeriemarkt halten um einige Dinge zu kaufen. Im Anschluss ging es weiter zu meinen Eltern, da mich mich mit meiner Familie zum Mittagessen eingeladen hatte, damit sie ihr zweites Enkelkind und meine Oma ihren zweiten Urenkel kennen lernen konnten. Ich erfüllte diesen Wunsch, da sie berufsbedingt und durch die Betreuung meiner Tochter, uns nicht im Krankenhaus besuchen konnten.

Als wir dann am Nachmittag endlich zu Hause ankamen, sah ich die Wäscheberge im Bad. Und was tat ich? Nachdem mein Sohn nach dem ersten Stillen Zuhause eingeschlafen war, konnte ich irgendwie nicht bei ihm  liegen bleieben. Ich „musste“ mich zunächst um die Schmutzwäsche kümmern und ausgiebig mit meiner Tochter kuscheln.

Am Wochenende wollte ich den ersten Spaziergang machen, ich wollte an die frische Luft und hielt es in der Wohnung nicht mehr aus.

Montags kam der gewohnte Mamaalltag auf einen Schlag zurück. Meine Tochter ging damals schon in den Kindergarten und musste sie dafür waschen und anziehen. Gott sei Dank hat Papa sie die ersten Wochen morgens in den Kindergarten gebracht, damit ich zumindest etwas mehr Zeit für den Kleinen hatte. Papa kam mit unserer Tochter gegen 12:40 vom Kindergarten nach Hause, also musste ich auch ein Mittagessen kochen und hatte von Anfang an eine gewisse Regelmäßigkeit trotz Wochenbett.

Leider konnte mein Mann nach der Entbindung nicht mehr als 5 Tage Urlaub nehmen. Wir hatten uns dazu entschieden, dass er seine Elternzeit wieder im Anschluss an meine Elternzeit nehmen würde. An den Nachmittagen wollte meine Tochter natürlich ebenfalls Mama-Zeit haben. Zeit für´s Wochenbett blieb also nur Vormittags für ca. 3,5 Stunden, wenn meine Tochter im Kindergarten war. Theoretisch zumindest.
Praktisch verbrachte mein Sohn viel Zeit im Tragtuch, damit ich zumindest ein wenig den Haushalt erledigen konnte.

Wochenbetten beim zweiten Kind, was ist das? Brauch ich nicht – so war meine Meinung.  Am Vormittag 1,5 Stunden auf die Couch werden schon reichen. Ich schaffe das alles mit links, kein Problem – bis ich nach zwei Wochen Schmerzen hatte, vor allem, wenn ich mich auf die Toilette setzen wollte oder zu Fuß unterwegs war. Es war, als würde mir jemand ein Messer in den Unterleib bohren. Ziemlich ekelhaft und wirklich sehr, sehr unangenehm, da ich, Wochenfluss sei Dank, relativ häufig auf Toilette musste. Selbst das Tragen im Tragetuch war teilweise eine Qual.

Auf die Idee, langsamer zu machen und das Wochenbett ernst nehmen, kam ich  nicht. Ich war es gewohnt, dass mein Körper so funktioniert, wie ich das wollte. Wie anstrengend und kräftezehrend eine Geburt ist, wollte ich nicht wahrhaben.

Ich konsultierte meine Frauenärztin, die auch keinen Rat wusste.

Als dann meine Hebamme wieder  zur Nachsorge vorbei schaute , erzählte ich ihr davon und sie fand die Lösung:

Überstrapazierung des Beckenbodens, und sie legte mir dringend ans Herz, ab sofort langsamer zu machen. Es war zu der Zeit sogar eine Haushaltshilfe im Gespräch, die ich dann letzten Endes aber nicht genehmigt bekam, weil meine Frauenärztin die Notwendigkeit dafür nicht sah.

Doch mit zwei Kindern war „mach langsam“ leichter gesagt als getan. Ich musste meine eigenen Ansprüche an das Leben das ich vorher hatte und die Strukturen erst wieder neu finden. Ich musste mich selbst deutlich zurück schrauben und lernen, Aufgaben an meinen Mann abzugeben. Bis heute mache ich das meiste lieber selbst, anstatt andere um Hilfe zu bitten, daran arbeite ich also immer noch.

Ich konnte das Wochenbett bei meinem Sohn lange nicht so sehr genießen wie bei meiner Tochter, auch wenn wir viel, viel gekuschelt und getragen haben. Aber das Wochenbett beim zweiten Kind ist eben tatsächlich ganz anders. Vieles ist natürlich auch einfacher geworden, weil man mit dem ersten Kind viele Erfahrungen machen konnte,  aber bei uns war das “ eine Familie sein“ das Schwerste und hat gut ung gerne 6 Monate gedauert, bis wir uns einigermaßen sortiert hatten. Diesen Schritt empfand ich bei ersten Kind als etwas leichter.

Leider kam der Ratschlag meiner Hebamme zu spät und trotz Rückbildung ist mein Beckenboden nicht mehr das, was er vor den Schwangerschaften war.

Mein Fazit: Das Wochenbett beim ersten Kind auskosten ohne Ende, denn das Wochenbett beim zweiten Kind wird definitiv anders. Anders, aber dennoch schön, wenn auch deutlich unruhiger und vermutlich strukturierter.
Aber, liebe Mädels, nehmt das Wochenbett auch beim zweiten Kind ernst und nehmt jede Hilfe an, die ihr kriegen könnt, euer Körper und eure Seele werden es euch danken!

Übrigens, was bei uns bei beiden Kindern super geklappt hatte, waren die Besuche, da wir von Anfang an klar kommuniziert hatten, dass wir ohne Anmeldung niemandem öffnen werden. Das klingt hart, aber ist sehr, sehr wichtig um euch zumindest etwas Ruhe zu reservieren. Besuches kurz nach der Geburt sind sehr anstrengend für Mutter und Kind.

Wie war es bei euch, welche Unterschiede gab es bei euch im Wochenbett im Vergleich zum ersten Kind?

Vielleicht mag ja auch jemand berichten, wie es beim 3,4 Kind so war?

Liebe Grüße

Eure Nadine