Sie will nicht in den Kindergarten

kitafrei, mamablog, bedürfnisorientiert, kindergarten

kitafrei, mamablog, bedürfnisorientiert, kindergarten

….. wenn eine Mama diesen Satz liest, wird sie erstmal in sich hinein schmunzeln. Ja, jede Mama und jeder Papa kennt es, dass „sie oder er nicht in den Kindergarten will“. Oft hörte ich Eltern diesen Satz sagen:“ Sie will nicht in den Kindergarten“. Damals war ich Praktikantin und mir war bewusst, dass den Kindern die Trennung am Morgen mal mehr und mal weniger schwer fiel. Ebenso wusste ich aber, dass sie anschließend wunderbar mit ihren Kiga-Kameraden spielten, sobald Mama oder Papa aus ihrem Sichtfeld verschwunden waren. Nun bin ich jedoch selbst Mutter und als meine Tochter letztes Jahr den Wunsch äußerte, einen Kindergarten besuchen zu wollen, war ich mir darüber im Klaren, dass ich nicht länger die Praktikantin sein würde, sondern eben die Mutter, die vielleicht mal ein quengelndes Mädchen zurücklassen würde. Doch niemals dachte ich, dass ich mal über meine Tochter sagen würde: „Sie will nicht in den Kindergarten.“ und dahinter so viel Leid und Tränen stecken würden, denn eigentlich lief unser Kigastart super! EIGENTLICH.

Heute möchte ich euch unsere ganz eigene, sehr persönliche und emotionale Geschichte erzählen…. und warum ich nun sage und es auch so meine: „Sie will nicht in den Kindergarten .“ Doch lasst mich mal mit dem Anfang beginnen.

Wir leben in einer Industriestadt. Die Kindergärten sind mehr als voll und die Erzieher leider sehr überfordert. Der Betreuungsschlüssel ist miserabel, der Tagesablauf meist recht stressig. Die Kinder müssen meist, sehr schnell funktionieren und früh werden schon einjährige Kinder zu Tagesmüttern oder in die Krippe gebracht, weil beide Elternteile arbeiten müssen. Versteht mich nicht falsch, ich urteile nicht. Ich habe äußerst Respekt vor diesen Familien, denn ich bin mir sicher, dass keiner Mutter der Einstieg ins Berufsleben nach der Elternzeit leicht fällt.

Wir entschieden uns bereits nach der Geburt unserer ersten Tochter für eine Betreuung, erst ab dem 3. Lebensjahr. Wir meldeten sie frühzeitig an, aber auch kurz vor ihrem 3. Geburtstag, hatten wir noch keinen Kindergartenplatz. So klapperten wir sämtliche Kindergärten in der Nähe ab. Doch überall erhielten wir nur die Aussage: „Unsere Wartelisten sind lang. Circa 200-250 Anmeldungen haben wir vor Ihnen.“

Wir durch Zauberhand erhielten wir 14 Tage später eine Zusage von einem Kindergarten. Auch noch ausgerechnet von dem Kindergarten, bei dem wir als letztes unser Kind anmeldeten. Im Nachhinein frage ich mich, weshalb wir nicht hellhörig wurden. Doch wir freuten uns, unsere Tochter freute sich und schon eine Woche später startete die Eingewöhnung.

Wie erwartet lief diese super! Mein Kind ist sehr aufgeschlossen, hat starkes Vertrauen zu uns als Eltern und ist sehr kontaktfreudig. Elisa nahm mich nicht wirklich wahr, sie spielte mit den Erziehern und den Kindern und fühlte sich sichtlich wohl. Die erste Trennung erfolgte nach 4 Tagen und lief völlig problemlos.
„Tschüss Mama, ich liebe dich!“ und schon rannte sie zum Maltisch, um große Kunstwerke zu zaubern. Mein Mädchen machte das so souverän und mit einer Selbstverständlichkeit, dass ich wirklich erstaunt war, wie groß mein Baby doch geworden war. Selbst die Erzieher meinten, dass Elisa das wunderbar meisterte und sich schnell integrierte.

Doch dann kam dieser eine Tag. Ich brachte sie wie gewohnt in den Kiga, sie ging spielen und ich machte mich auf den Weg zum Auto. Dort wartete ich, bis ich sie nach den 1,5 Stunden wieder abholen sollte. Bereits beim Aufnahmegespräch kommunizierten wir offen, dass unser Kind ein sensibles Kind ist und auch, dass wir bedürfnisorientiert erziehen und nicht möchten, dass man unser Kind länger als 10 Minuten weinen lässt. Auch wurde abgesprochen, dass ein Elternteil im Auto vor den Kindergarten wartet, falls etwas sein sollte, da der Weg nach Hause für 1,5 Stunden einfach zu umständlich und unnötig sei. Nach der abgesprochenen Zeit ging ich also zurück zum Kindergarten, wo mich die Leitung mit den Worten begrüßte: „Elisa hat vor 15 Minuten angefangen zu weinen. Sie wollte zu Ihnen…“

Sie haben sie nicht beruhigen können und einer der Erzieher nahm sie wohl deshalb mit in die Küche, um die Spülmaschine einzuräumen. Mir wurde gesagt, dass die beiden gleich wieder hier sein würden. So stand ich kurz im Flur unserer Kindertagessätte und wartete auf mein Kind. Doch auch nach 10 Minuten war weder der Erzieher, noch mein Mädchen zu sehen. Also ging ich in die Küche…. die Tür war geschlossen und ich hörte die Erzieher lachen und erzählen… ich klopfte, man öffnete mir… aber mein Kind war nicht zu sehen.

„Elisa hörte nicht auf zu weinen und wollte zu Ihnen. Ich hab sie in die Nachbargruppe gebracht. Sie sollte die anderen Erzieher mal besuchen.“ WHAAAAAAT? Eine völlig fremde Gruppe, mit völlig fremden Erziehern… MEIN Kind wollte zu MIR!!! Nicht zu fremden Menschen!!!!

Ich kam also in die Gruppe und fand mein Mädchen in einer Ecke sitzend. Sie schrie nach mir und weinte bitterlich und wehrte dabei eine fremde Erzieherin ab, die sie trösten wollte! Mein Herz überschlug sich vor Emotionen…. warum ließ man mein Kind so schreien??? Mittlerweile war also schon eine halbe Stunde vergangen in der mein Kind nach mit verlangte und weinte… KEINER sagte mir Bescheid.

Sie sah mich und fiel mir in den Hals… kurz vorm Erbrechen war sie, da sie sich so aufregte! Mein Kind klammerte sich panisch an mich und sie ließ mich nicht los.

Ich war einfach nur wütend! Gott war ich wütend, das könnt ihr euch nicht vorstellen!

Also fragte ich warum man mich nicht informiert hätte? Für mich war es unverständlich, wie eine „pädagogische Fachkraft“ ein kleines Kind SO leiden lassen konnte! „Da müssen alle Kinder durch. Und jedes Kind weint bei der Eingewöhnung“ waren die Sätze mit denen man mich beruhigen wollte. Allerdings machten mich diese Aussagen noch sehr viel wütender! Ich riss mich zusammen und sagte, dass diese Art des „Eingewöhnens“ nicht mit unserem Erziehungskonzept vereinbar ist. Dass ich solch einen Umgang mit meinem Kind nicht akzeptieren und tolerieren kann und vorallem, dass es schlichtweg Quälerei ist, ein Kind so lange nach der Mutter schreien zu lassen.

Ich wurde nicht ernst genommen und mein Kind ebenfalls nicht.

Auf diesen Vorfall folgten ein paar Gespräche… ein paar sehr lange und intensive Gespräche mit den betroffenen Erziehern und der Leitung. Man gab uns Recht und das Team war völlig erstaunt wie sehr uns das Wohl unseres Kindes am Herzen liegt. Bedürfnisorientiert? AP? Was ist das denn? Wie klappt sowas denn im Alltag und tanzen mir meine Kinder nicht völlig auf der Nase herum? Die typischen Fragen, gepaart mit Verwunderung flogen uns um die Ohren. Wir gingen aus diesen Gesprächen heraus und fühlten uns immer weniger verstanden…. denn schließlich wissen ja diese “Erzieher“, die übrigens selbst noch keine Kinder haben, wie sie ihre Arbeit zu machen hätten.

Mein Kind war traumatisiert. Ich möchte es nicht beschönigen. Wir schliefen die ersten Nächte kaum, weil mein Mädchen schreiend hochschreckte und sich nur in meinem Arm beruhigte. Sie wollte nicht das Haus verlassen, Besuche bei Freunden brachen wir nach kürzester Zeit ab, weil mein Kind mich anflehte wieder nach Hause zu wollen….. Sie sagte uns täglich, im 10 Minuten Abstand, dass sie uns liebte und wollte Küsschen von uns. KEINER der Erzieher war sich darüber bewusst, wie schnell man ein Kind verletzen kann und welche Folgen dies mit sich bringt.

Ihre kleine Kinderseele war tief verletzt worden und mein Herz ebenso. Mein aufgewecktes Kind, war plötzlich so anders…. Noch heute tut es mir schrecklich weh, wenn ich daran denke, wie mein Mädchen sich gefühlt haben muss und noch heute bin ich fassungslos, wie “staatlich geprüfte Pädagogen‘, mit meinem Kind umgingen.

Der Kindergarten nahm dies alles auf die leichte Schulter. Wir versuchten eine erneute Eingewöhnung mit mir zusammen, aber es scheiterte. Mein Mädchen wollte nicht mehr im Kindergarten bleiben, sie wollte sich weder von einem der Erzieher anfassen, noch bespaßen lassen. Wir wurden als Problemeltern mit Problemkind hingestellt. Das allerdings das Personal pädagogisch einfach nur versagt hat, kommunizierte niemand mehr. Als dann plötzlich unsere Einladung zur Elternbeiratswahl „verschwand“ – ein anderes Kind im Kindergarten soll sie angeblich aus dem Postfach entwendet haben. Aber uns war klar, dass wir dort keinen Fuß mehr fassen würden. Weder wir, noch unser Kind schenken dieser Einrichtung unser Vertrauen.

Wir kämpften nun wochenlang um das Vertrauen unserer Tochter. Wir bauten sie auf, bestärkten sie, wir gaben ihr die Nähe, die sie verlangte. Wir mussten unserem Kind wieder Wurzeln geben, obwohl sie vor Kurzem nach Flügeln verlangte. Im November sagte mir mein Kind das erste Mal, dass sie nicht mehr in den Kindergarten möchte. Auch heute sagt sie noch, dass sie dort nicht mehr hin will….. und ich respektiere ihren Wunsch.

„Sie will nicht in den Kindergarten.“ sage ich heute….. und sie muss auch nicht mehr in diesen Kindergarten, in dem sie so verletzt wurde.

Herzlichst eure Tascha

1 Kommentar

  1. Wir mussten die gleiche Erfahrung bei einer Tagesmutter machen. 😢 Danach war Junior total verändert, konnte mit keinem Kind mehr in Ruhe spielen, war anhänglich und ängstlich. Ich weiß bis heute nicht was damals in den letzten Tagen passiert ist. Wir haben ihn dann rausgenommen und ihm Zeit gegeben die er brauchte.
    Nach 2 Monaten fing er erstmals wieder an nach Kindern zu fragen. Die 2.te Tagesmutter war dann wirklich toll. Er ging gerne hin und geht auch jetzt noch gern mal zu Besuch.
    Der KiGa den wir jetzt haben ist einfach toll. Er liebt es dort und ich musste bisher nie die Worte in den Mund nehmen „Er will nicht in den KiGa“.
    Ich würde immer wieder so handeln und bin froh damals auf meinen Sohn gehört zu haben, egal was andere dazu sagten. Dafür ist er heute wieder ein aufgeschlossener, liebevoller und wilder kleiner Junge.
    Daher kann ich mich deinem Artikel nur anschließen, dir große Hochachtung entgegenbringen und anderen Müttern nur Mut machen, ihre Kinder wirklich ernst zu nehmen.

Kommentare sind deaktiviert.