Die Anonymität der Großstadt

Mamablog, Anonymität unter Nachbarn, Einsamkeit als Mama

Kennt ihr eure Nachbarn, liebe Mamas? Wenn ja, steht ihr in Kontakt mit Ihnen? Trefft ihr euch und helft euch Sonntags mit Zucker und Butter aus, weil dies euch ausgegangen ist?

Ich kenne dieses Verhältnis zur Nachbarschaft noch aus meiner Kindheit und fand es wunderbar. Ich mochte unsere Nachbarn sehr und an jede Nachbarin oder Nachbarn, kann ich mich heute noch erinnern. Ich wuchs in einem Mehrfamilienhaus mit 6 Parteien auf. Wir hatten einen großen Garten zur gemeinsamen Benutzung. Oft grillten wir dort und ich spielte mit den Nachbarskindern. Wenn meine Mutter mal länger arbeiten musste, wusste ich genau, dass unsere 80jährige Nachbarin mir Mittagessen brachte und hatte ich Probleme mit einer Matheaufgabe, so bekam ich Hilfe von der jungen Frau, die über uns wohnte. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit und sie hat meine Kindheit geprägt. Heute überwiegt die Anonymität der Großstadt in meinem Leben. Und diese Anonymität erschreckt mich und ist mir vertraut zugleich.
Denn, wäre es nicht viel schöner die Nachbarin auf eine Tasse Kaffee einzuladen, als in dieser Anonymität und Einsamkeit zu leben?
Wieso schreibe ich nun diesen Text? Nun, weil mir vor ein paar Tagen genau diese Anonymität wie eine Ohrfeige ins Gesicht schlug und mich dieser Zustand nicht mehr loslässt.

Nach einem sehr geschäftigen Arbeitstag gingen wir eine Runde spazieren. Es er schon ziemlich spät am Abend, aber meine Mädchen brauchten, nach 3 Tagen Regen und Eiseskälte, endlich wieder frische Luft und ein wenig Bewegung. Auf dem Heimweg begegneten wir einer Mama, die gerade mit ihrer Tochter aus dem Auto Ausstieg. Sie kamen wohl gerade nach Hause und während die Mutter die Haustür aufschloss, blieb das Mädchen auf dem Bürgersteig stehen. Die Kleine war ungefähr im Alter meiner Kinder und entdeckte uns sofort. Sie freute sich uns zu sehen und sagte “ Hallo“. Sie wartete auch auf meinen Mann und unsere kleinere Tochter und begrüßte uns alle freundlich.
Auch meine Mädchen waren ganz begeistert ein anderes,  “neues“  Kind zu sehen und wollten gerne stehen bleiben, um die Kleine näher kennenzulernen.

Der Mutter war diese Situation sichtlich befremdlich, sie wirkte unsicher und sie forderte das Mädchen mehrfach auf endlich reinzukommen. Und als ich dies merkte, bat ich meine Kinder sich zu verabschieden. Dies fiel ihnen recht schwer. Mein Mamagefühl sagte mir, dass sie sicherlich gerne mit der kleinen Maus gespielt hätten und sie besser kennenlernen wollten.

Noch während wir weiterliefen, fragte ich mich, weshalb ich denn nicht die Mama um ein Treffen gebeten hatte. -Ich weiß es nicht!-

Und da schlug es mir ins Gesicht: Die Anonymität der Großstadt!
Solch ein Verhalten einer Nachbarin gegenüber, die nur wenige Häuser entfernt wohnt… ein Mädchen im selben Alter hat und vielleicht auch gerne Kontakt zu anderen Mamas hätte, erschreckte mich!
Wir vergraben uns hinter unseren Türen, in unseren Wohnungen, hinter Facebook und Mamigruppen, aber offen, persönlich und direkt auf  Menschen zuzugehen, fällt uns schwer! Wir suchen uns via Internetforen Mamis, die aus der selben Stadt kommen, um uns dann mit ihnen zu verabreden. Wir schrieben erstmal ewig lange Texte miteinander und auszuloten, ob wir uns im “realen Leben“ verstehen könnten…. Doch wie einfach wäre es denn, wenn man sich einfach trifft. Oder..wenn man die Mama, die man täglich beim Bäcker sieht mal ansprichst, wenn man Mamas, die auf dem Spielplatz sitzen, fragt wie sie heißen und wie alt ihre Kinder sind…
Warum habe ich also diese Mama nicht angesprochen? Ich weiß es nicht… wirklich nicht und ja ich bereue es. Meinen Mädchen hätte ich sicher eine Freude gemacht. Vielleicht wäre sogar eine Freundschaft zwischen den Kindern entstanden oder eben einfach ab und zu ein Spieldate rausgesprungen.

Ich liebte es mit den Nachbarskindern zu spielen. Immer hatte einer Zeit, immer war ich beschäftigt und Langeweile kannte ich als Kind überhaupt nicht. Nun frage ich mich, ob ich nur so denke, weil ich auf einem Dorf aufwuchs.
Vermisse ich dieses persönliche Verhältnis zu Nachbarn nur, weil ich es von früher kenne?
Sind Stadt und Land -Nachbarn so verschieden? Oder ist es einfach die heutige Gesellschaft die uns zur Anonymität treibt?

Erzählt mir wie das bei euch aussieht. Ich bin so gespannt auf eure Antworten.
Wo kommt ihr her und wie ist euer Verhältnis zur Nachbarschaft?

Herzlichst eure Tascha

Ein Kommentar

  1. Ich bin auch ein Landkind und kenne es von früher nur so, dass man seine Nachbarn gut kennt. Da war die erste Wohnung in München echt eine große Umstellung! Ganz anonym und man hatte das Gefühl die Leute gehen extra nicht ins Treppenhaus, wenn man vorbei geht.
    Mittlerweile hab ich aber Glück, eine neue Wohnung und zauberhafte Nachbarn, die drehen sogar mal die Heizung für uns auf, wenn wir nach dem Urlaub ned frieren sollen 😀

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