Erstgeborene

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Mamablog, Geschwister, unterschiede machen zwischen Kindern

Der/Die Erstgeborene muss viel leisten. Nicht nur, dass man als Erstgeborene/r immer, automatisch als GROß oder VERNÜNFTIG angesehen wird, nein, auch vielerlei Erwartungen begleiten das erstgeborene Kind, sobald ein neues Baby die Familie erweitert. Wo einst nur dieses eine Kind war, da verändert sich mit der Geburt des zweiten Kindes sehr viel für das erstgeborene Kind. Ja, nicht nur für die Eltern ist es eine Umstellung plötzlich zwei kleinen Menschen gerecht zu werden, auch die “großen Geschwister“ müssen erst in ihre neue Rolle hineinwachsen.
Doch das vergessen Erwachsene ganz oft. Erfüllt das erstgeborene Kind nicht die Erwartungen  der Familie, fliegen ihm Sätze um die Ohren wie „Du bist doch schon groß“ oder „Du bist doch schon fünf Jahre alt“. Doch wie geht es dem Kind damit und was signalisiert es ihm? Wie fühlt es sich dabei und welche Auswirkungen haben diese Sätze auf ein Kind?

In meiner Kindheit habe ich oft Sätze gehört wie „der Klügere gibt nach“ oder auch gern „Ach lass doch, du bist doch die Ältere und Vernünftigere“. Auch wenn ich das vielleicht gar nicht sein wollte, so wurde von mir als „Erstgeborene“ doch immer verlangt und erwartet, dass ich als Vorbild vorangehe, dass ich meine eigenen Bedürfnisse hinten anstelle und meiner jüngeren Schwester den Vortritt lasse. Sei es nun bei dem Spielzeug, das wir beide bespielen wollten oder das Fernsehprogramm, das laufen sollte. Ich musste aufpassen und gerade stehen. Lappalien, mögen manche sagen, ich solle mich nicht so anstellen, es habe mir ja nicht geschadet.
Über all die Jahre hat sich diese Regel bei mir eingebrannt. Was ich gelernt habe, war nicht verantwortungsbewusst zu sein oder erwachsen. Ich habe gelernt, dass es egal war ob ich jetzt gerade geweint habe, weil ich die Puppe haben wollte. Das ich am Tisch nicht spielen durfte, auch wenn mir langweilig war. Es hat lange gedauert, bis ich überhaupt verstanden habe wieviel Verantwortung mir da auf meine jungen Schultern gelegt wurde. Verantwortung, die ich einfach nicht tragen konnte – ich war ein Kind. Noch viel länger hat es gedauert, diese Verantwortung auch wieder loszulassen.

Nun bin ich Mutter von zwei Kindern.
Der Ältere ist 5 Jahre alt, ein großer Kerl, und ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich Dinge von ihm verlange, die er noch gar nicht können muss. In vielen Situationen ist er schon „mein großer Junge“, da kommt man leicht dazu diese Reife auch für andere Situationen vorauszusetzen. Plötzlich werden da Stimmen laut: „Er ist doch schon fast ein Schulkind, da muss er doch im eigenen Bett schlafen!“ – Ich sage NEIN, muss er nicht. Denn er ist erst 5 und wenn er die nächtliche Nähe braucht, um ruhig schlafen zu können, dann bekommt er sie. Wenn er weint, weil seine Schwester ihm ein Spielzeug weggenommen hat, dann suchen wir gemeinsam einen Weg ohne dass er das Gefühl bekommt, er sei nicht wichtig. Denn er muss nicht groß oder erwachsen sein, er muss ein Kind sein. Das ist sein gutes Recht! Er muss lachen und wüten können, wenn ihm danach ist und er muss tanzen und lachen, schreien und fluchen können, wenn es raus muss. Erwachsen sein muss er später…viel, viel später.

Wie seht ihr das? Wie geht ihr mit euren Erwartungen an die Kinder um? Oder, wie macht ihr eurem Umfeld klar, dass ein erstgeborenes Kind nicht immer alles MUSS?

Ich freu mich auf eure Antworten,

Liebe Grüße,

eure Denise