Ein Leben mit Kind und Haustier

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Wir besitzen zwei große Hunde und ich werde häufig gefragt, warum wir denn überhaupt Haustiere haben – wir hätten schließlich ein Kind – das sei ja eigentlich genug Arbeit.
Um die Frage des „Warum“ zu beantworten, muss ich weiter ausholen. Zu allererst empfinde ich mein Kind nicht als „Arbeit“. Sicher, Kinder können anstrengend und fordernd sein und manchmal bin ich gestresst und schlecht gelaunt. Aber die Verantwortung, die ich als Mutter übernommen habe, empfinde ich eher als Aufgabe und Herausforderung die mein Leben bereichert, nicht als Arbeit.
Genauso geht es mir mit unseren Hunden. Sie gehören zur Familie und sind keine Arbeit. Ich selbst bin auf dem Land groß geworden. Als Kind war der nächste Bauernhof etwa 200 Meter entfernt und ich hatte die Möglichkeit, viele verschiedene Tiere hautnah kennenzulernen. In unserer Umgebung hatte es jede Menge unberührter Natur, die man erkunden konnte und in der ich auch die ein oder andere schmerzhafte Erfahrung gemacht habe. Ich habe als Kind gelernt der Natur und anderen Lebewesen ein gewisses Maß an Achtung und Respekt entgegen zu bringen. Es ist mir wichtig, dieses Verständnis an mein Kind weiterzugeben.
Wenn ich mich heute umsehe, ist vieles, was in meiner Kindheit normal war, irgendwie verloren gegangen. Kinder haben kaum mehr die Gelegenheit, einen Bezug zur Natur herzustellen. Durch die wenigen Möglichkeiten ist es auch einfach viel schwerer geworden, unsere Kinder an der Natur teilhaben zu lassen. Selbst in ländlichen Gegenden, in denen eigentlich mehr Platz wäre, hat sich die Stimmung geändert. Wenn man heute an Natur denkt, kommen einem nicht als erstes Libellen und Singvögel, sondern Zecken und Fuchsbandwurm in den Sinn. Kaum jemand lässt seine Kinder noch einfach über Felder und Wiesen streifen.  Die Art, wie die Landwirtschaft heute geführt wird, ist weit weg von dem, wie ich es in meiner Kindheit kennen gelernt habe. Die vielen Büsche, Gräben und Tümpel sind fast alle großen Feldern gewichen. Die Tierhaltung wurde soweit industrialisiert, dass Bauernhöfe, auf denen man auch mal ein Kälbchen streicheln könnte, immer seltener werden.
Ich möchte die Werte, die man mir als Kind vermittelt hat, auch an mein Kind weitergeben. Denn schließlich wird es in dieser Umwelt, die wir Eltern unseren Kindern überlassen, seine Zukunft verbringen. Wir leben momentan in der Stadt und das Angebot an Natur ist hier leider sehr begrenzt. Die Möglichkeiten, Kühe, Ziegen oder Hühner aus nächster Nähe kennenzulernen gehen leider gegen Null, Wiesen zum Toben sind auch eher rar. Libellen und Schmetterlinge kann man im städtischen Umfeld so gut wie gar nicht beobachten. Wobei ich an dieser Stelle der Fairness halber erwähnen muss, dass ich dort, wo meine Eltern leben (im ländlichen Bereich), diesen Sommer noch viel weniger gesehen habe als hier bei uns in der Stadt. Es ist nicht nur die Tierwelt, die uns hier abgeht. Es ist auch weniger Platz und weniger Verständnis für den Bewegungsdrang unseres Kindes vorhanden. Toben im Grünen geht nur in extra dafür vorgesehenen Bereichen. Zum einen, weil die Hobbygärtner hier in der Umgebung sich über jeden abgeknickten Halm ihrer sorgsam angelegten Blumenbeete aufregen, zum anderen weil auch einfach viel zu viel Verkehr drum herum ist. Leider sind die Bereiche, die für die Kinder angelegt wurden, meist sehr weit von dem weg, was ich als „Natur“ bezeichnen würde. Die Spielplätze in unserer Umgebung sind zwar schön angelegt und gepflegt, aber leider auch völlig überlaufen. Außer den Gerätschaften gibt es für die Kinder nichts zu entdecken. Die wenigen vorhandenen Rasenflächen erinnern entweder an englischen Rasen oder sie sind wegen der vielen „Tretmienen“ nicht begehbar.
Wir hatten bereits vor der Geburt unseres Sohnes Hunde. Aber seitdem er da ist, finde ich es noch viel wichtiger, Tiere im Haushalt zu haben. Es ist zwar immer noch weit weg von dem, wie ich es mir für unser Kind wünsche. Aber wenigstens wird es so für unseren Sohn zur Normalität, dass es auch noch andere Lebewesen gibt, die ganz eigene Bedürfnisse haben. Dazu gehört nicht zuletzt das Bedürfnis auf gegenseitigen Respekt. Es lässt mein mütterliches Herz fast vor stolz platzen, wenn ich zusehe, wie liebevoll mein Kind mit unseren Hunden umgeht und wie intuitiv die Kommunikation zwischen beiden abläuft. Vielleicht auch deshalb, weil er es selbst entdecken durfte und weil er noch zu klein ist, um sich Halbwahrheiten über den Umgang mit Tieren eintrichtern zu lassen. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass mein Hund mein Kind besser versteht als mich und ich finde es erstaunlich, wie viel Respekt auch unser riesiger Hund dem kleinen Kind entgegen bringt. Es ist zwar nicht immer einfach, die Bedürfnisse von Kind, Hund und einem selbst unter einen Hut zu bringen und manchmal habe ich das Gefühl, dass ich einen Krieg gegen Tierhaare führe. Aber wenn ich die drei zusammen sehe, würde ich mich wieder für ein Leben mit Kind und Haustier entscheiden!
Wie seht ihr das Thema Kind und Haustier? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich freue mich über eure Kommentare!
Eure Esther