Selbstbestimmtes Fernsehen

Kind darf fernsehen, Wie lange darf Kind fernsehen, Kind und TV

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Hallo, meine Name ist Denise und ich bin ein Glotzenkind ! In meiner Kindheit und Jugend spielte der TV eine eine große Rolle für mich.  Es eröffneten sich ganz neue Welten! Viele Kinderserien haben mich begleitet und noch heute erinnere ich mich gerne an die ein, oder andere zurück . Ich habe es geliebt TV schauen zu dürfen. Doch auch später begleitete mich das Fernsehprogramm ständig und andauernd. In meiner Singlezeit hat er die Stille gefüllt, wenn ich krank war, hat er mir die Zeit vertrieben und noch heute, wenn ich mit einem Berg Wäsche auf der Couch hocke und falte und falte und falte, flimmert auf dem Bildschirm meine Lieblingsserie. Der Fernseher ist ein alltäglicher Begleiter. Ein Medium, das aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Warum stört mich der Gedanke daran, dass meine Kinder dieses Medium selbstbestimmt nutzen dann doch so sehr? Warum ploppen in meinem Kopf immer wieder so Sätze auf wie „Da bekommt man viereckige Augen von“ oder „Fernsehen macht dumm“? Wieso stört es mich so sehr , dass ich selbstbestimmtes Fernsehen, als eine fragwürdige Methode ansah? Unsere Kinder sollen so selbstbestimmt wie irgend möglich leben. Sie treffen alle Entscheidungen die sie selbst betreffen allein oder in Rücksprache mit uns. Wieso sträubt sich mir jedes Nackenhaar, bei dem Gedanken daran, dass mein Sohn soviel Fern schauen kann wie er mag? Das ist einfach. Eine Horrorvision von einem stumpf dreinblickenden 5jährigen, mit Übergewicht und blasser Haut, der Programme schaut die nicht für sein Alter bestimmt sind und der durch die falsche Sendung in seinem jungen Leben schon traumatisiert wurde. Solch überspitzte Bilder entstanden vor meinem inneren Auge, wenn ich an selbstbestimmtes Fernsehen dachte. Verstärkt noch durch die Wutanfälle die ich zu händeln hatte, wenn ich seine Fernsehsession für beendet erklärte.

Trotzdem habe ich das Experiment „Selbstbestimmtes Fernsehen“ gewagt. Und von UNSERER Erfahrung damit, möchte ich euch ein bisschen erzählen.

Mein Kind ist ein tolles Kind! ( Ja, das sagen sicher alle Mütter) Das Vertrauen auf die natürliche Selbstregulierung meines Sohnes war größer, als die Angst, dass dieses Experiment in die Hose gehen würde. Wie das Gerät zu bedienen war, musste ich ihm gar nicht wirklich erklären. Das ging ratzfatz. Wichtig war und ist mir:  Schon vorab einigten wir uns auf bestimmte Kanäle die er schauen darf! Er ist 5 Jahre alt und versteht mich sehr gut, wenn ich ihm Dinge erkläre. Selbstbestimmtes fernsehen, bedeutet bei uns nicht, dass er schauen darf was er möchte! Mir war und ist es ein Dorn im Auge, dass er Serien schaut, die nicht für sein Alter geeignet sind. Die ersten paar Tage habe ich meinen Großen nur vor der Glotze gefunden. Er war völlig gefesselt. Wir kamen vom Kindergarten und als allererstes schaltete er die Flimmerkiste an. Es war schwierig für mich nicht einzuschreiten. Meine Vision schien Gestalt anzunehmen und gerade als ich kurz davor stand aufzugeben, fing mein Sohn an, nebenbei andere Dinge zu spielen. Die lustige Serie mit dem  Feuerwehrmann wurde zu einem Hintergrundgeräusch. Nach wenigen Tagen, beobachtete ich, dass der TV ihn immer weniger zu interessieren schien und plötzlich stand er auf und schaltete in aus.  Heute ist Der Fernseher nur noch   selten in Benutzung. Das Besondere hat seinen Reiz verloren, das Bunte, schillernde übt keine Faszination mehr  auf meinen Sohn aus. Durch meine Regulierung habe ich es erst besonders gemacht.  Streit um die Dauer und die Häufigkeit des Fernsehens habe ich wohl damit provoziert. Nun ist es uninteressant, denn es ist frei zugänglich und alltäglich. Wenn das Gerät an ist und er merkt, dass ich im Nebenzimmer mit seiner Schwester ein Buch anschaue oder ein Spiel aufbaue, verbringt er die Zeit lieber mit uns. Ja, das Experiment des selbstbestimmten Fernsehen ist bei uns geglückt.

Wie in vielen anderen Dingen sage ich mir auch hier: die Dosis macht das Gift! In unserem  Fall der merkt mein Sohn wohl, wann es ihm zuviel wird. Er merkt, wenn der TV nur noch eine Geräuschkulisse zu sein scheint und reagiert mit dem ausschalten des Gerätes. Er hat ein ungetrübtes Körpergefühl, dem er folgt. Es hat mich nicht enttäuscht und ich kann die Fernbedienung  liegen lassen.

Wie läuft das bei euch zu Hause? Dürfen eure Kinder den Fernseher selbst bedienen und wie lange wird das in Anspruch genommen? Oder habt ihr vielleicht feste Fernsehzeiten? Ist selbstbestimmtes Fernsehen für eure Familie eine Option?

Ich bin gespannt auf eure Antworten

Alles Liebe

Denise

4 Kommentare

  1. Sehr geil Denise. Meinst das klappt mit der fast 3 jährigen auch? Sie wird immer davor geparkt wenn sie leise sein sollte. Und die Anziehung ist natürlich riesig.

    • Hallo Olga,

      Schön, dass dir mein Artikel gefallen hat.
      Den Fernseher als ein Mittel zu nutzen die Kinder Mal kurz ruhig zu stellen, ist natürlich verlockend. Man will mal schnell ein paar Kartoffeln schälen oder die Wäsche aufhängen, ohne das einer dazwischen funkt. Der Unterschied liegt meiner Meinung nach darin, dass das Kind aus eigenem Antrieb das Gerät benutzen möchte und nicht davor gesetzt wird. Wenn deine Tochter den Wunsch äußert eine Kinderserie zu schauen, kannst du ja vorher mit ihr absprechen welche Serie das sein soll und das ihr den Fernseher wieder ausschaltet wenn du mit deiner Arbeit fertig bist oder sie keine Lust mehr hat. Wenn du denkst, dass sie zu lange schaut und eigentlich gar nicht mehr wahrnimmt was da passiert, biete ihr doch eine Alternative Beschäftigung an, von der du weißt, dass sie die gern macht. Vertraue auf dein Kind und bleibt im Dialog. Ihr findet sicher den für euch passenden Weg. Liebe Grüße Denise

  2. Danke für diese tolle Erfahrung!
    Ich hab auch schon länger darüber nachgedacht ihn selbst bestimmen zu lassen.
    Mein Sohn ist der total „Glotze-Freak“ und würde in jeder freien Minute davor hängen. Ich weiß noch von mir und meinen Freunden damals, dass diejenigen- ich inbegriffen- die fernsehen konnten wann sie wollten, viel weniger Interesse daran hatten als die gegen Fraktion.
    Allerdings wird mein Sohn vom zu vielen Fernsehen aggressiv und ich hab vor allem deshalb tatsächlich Angst davor ihn selbst bestimmen zu lassen.
    Aber dein Artikel war ein Anstoß und ich werd auf jeden Fall nochmal gründlich drüber nachdenken, Danke. 👍🏼

    • Hallo Annika,

      Ich verstehe deine Bedenken! Mein Sohn hatte nach dem Fernsehen auch immer „Chaos im Kopf“ wie wir es genannt haben. Im Nachhinein und vorallem jetzt mit der veränderten Situation , weiß ich, dass er so reagiert hat, weil ich ihn übergangen und seinen Willen missachtet habe. Ich habe sein Bedürfnis als unwichtig oder weniger wert eingestuft und er hat mit Aggressionen reagiert, da der kleine Mann sich einfach noch nicht anders zu helfen wusste.

      Ich drücke die Daumen, dass ihr eine Lösung für euch findet.
      Liebe Grüße

      Denise

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