Geschwister- beiden Kindern gerecht werden?

Geschwisterliebe, zwei Kinder, zweifach mama

Geschwisterliebe, zwei Kinder, zweifach mama
Während der Schwangerschaft, mit meiner zweiten Tochter, war ich in manchen Momenten sehr unsicher. Ich machte mir, wie viele Schwangere, viel zu viele Gedanken. Das Karussell in meinem Kopf drehte sich unentwegt. War es ein Fehler? Würde ich es überhaupt schaffen, beiden Kindern gerecht zu werden? Wäre ich in der Lage, einen anderen Menschen genauso stark zu lieben wie meine erste Tochter? Würde eine von beiden immer zurück stecken müssen? In meinem Kopf schwirrten so viele Gedanken herum und die Hormone, die verrückt spielten, waren da nicht gerade hilfreich.

Unsere Kleine ist ein absolutes Wunschkind und wir haben diesen Schritt sehr genau bedacht. Wir waren uns einig, dass unsere Große nicht ohne Geschwister aufwachsen soll. Wir hatten beide noch einen großen Kinderwunsch und das Gefühl, dass unsere Familie noch nicht vollständig ist. Auch die Rahmenbedingungen passten. Es war der perfekte Zeitpunkt für ein Baby und wir waren überglücklich, als ich schwanger wurde. Auch die große Schwester freute sich sehr darauf, endlich jemanden zu haben der mit ihr spielt und ihr auch beim aufräumen hilft. 🙂 War meine erste Schwangerschaft (bis auf die üblichen Wehwehchen) wie aus dem Bilderbuch, so nahm mich diese gesundheitlich ganz schön mit. Von Beginn an war mir dauerhaft schlecht und mein Kreislauf spielte verrückt. Dies brachte mich häufiger in unangenehme Situationen und ,mehr als einmal, kippte ich in der Frühschwangerschaft einfach um. Die Angst, dass mir so etwas passiert, wenn ich mit meinem Kind alleine unterwegs bin wuchs und schränkte unseren Aktionsradius stark ein. Manchmal war für mich schon der kurze Weg zum Kindergarten kaum zu bewältigen. Zum Glück ging es mir nicht dauerhaft so. Es gab immer wieder auch bessere Phasen. Aber schon da beschlich mich oft das schlechte Gewissen. War das fair gegenüber meiner Tochter, dass sie für unseren Wunsch diese Opfer bringen musste? Und war es fair, dass wir ihre komplette, kleine Welt auf den Kopf stellten. Andererseits hat die Beziehung zwischen Geschwistern einen ganz besonderen Zauber und ist unvergleichlich. Auch wenn ich meinen Bruder manchmal auf den Mond gewünscht habe, liebe ich ihn und es gibt so viele tolle Erinnerungen und Dinge, die nur wir beide verstehen. Genau das wünsche ich mir auch für meine Kinder.

Die tolle und schnelle Geburt entschädigte mich für vieles in dieser Schwangerschaft. Mein Baby war gesund und wir durften, wie geplant, vier Stunden nach der Geburt nach Hause fahren. Die ersten Tage zu Hause verliefen problemlos. Meine Mama war da um uns zu unterstützen und die Eifersucht der Großen hielt sich in Grenzen. Wir hatten einen tollen Start. Allerdings kam ich im Alltag tatsächlich immer wieder an meine Grenzen. Denn ich schaffte es in vielen Fällen nicht beiden Kindern gerecht zu werden. Natürlich hatte die Kleine ausgerechnet dann Hunger, wenn ihre Schwester aus dem Kindergarten abgeholt werden musste. Zum Glück habe ich eine liebe Bekannte, die in solchen Fällen geholfen hat und die Große bei mir vorbei brachte. Aber auch dem Baby konnte ich nicht immer gerecht werden. Natürlich ist schreien lassen bei uns zu Hause keine Option, aber wenn die Schwester gerade auf der Toilette sitzt und meine Hilfe braucht, musste das Baby einen Moment auf mich warten und so ließ es sich manchmal nicht vermeiden, dass mein Baby einen Augenblick weinte.  Von diesen Situationen gab es viele im Alltag und wir meisterten sie alle. Mal mehr mal weniger gut. Ich war sehr froh über unsere Tragehilfe, denn sie erleichterte mir die erste Zeit sehr. Und sie ermöglichte mir, dem Baby auch dann Nähe zu geben, wenn ich beide Hände für die Schwester frei haben musste.

Viele Dinge liefen viel besser als gedacht, dafür gab es anderes, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Wir versuchten aus jeder Situation das beste zu machen und tun das noch heute. Meistens gelingt es. Mittlerweile sind die beiden 1,5 und 5 Jahre alt. Und wir sind ein super Team. Wenn ich sie zusammen sehe,  läuft mein Herz über vor Liebe und ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war. Geschwister sind ein Geschenk. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass ich nicht immer beiden gerecht werden kann. Und dass es mir beide nicht Krum nehmen, wenn sie mal zurück stecken müssen. Sie haben Verständnis und lernen, dass zusammenleben immer auch geben und nehmen bedeutet. Und es ist tatsächlich möglich, ein weiteres Kind genauso intensiv zu lieben wie das erste.

Wie war das bei euch? Habt ihr euch Gedanken gemacht, ob ihr allen Kindern gerecht werdet? Habt ihr es einfach auf euch zukommen lassen? Oder habt ihr euch vielleicht bewusst für ein Einzelkind entschieden?

Herzliche Grüße

Jani