Als Mama versagt?

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 Habe ich als Mama versagt? Wie ich zu dem Thema komme fragt ihr euch? Weil es mich jeden Tag, immer und immer wieder verfolgt.
„Du solltest ihn lieber nicht so lange stillen!“
„Bist du sicher, dass Emilia mit 2 Jahren noch immer bei euch schlafen sollte?“
„Also wenn ich ein Kind hätte, wäre DAS jetzt ein No Go!“
Danke, danke an alle, die mir immer wieder auf’s Neue das Gefühl geben als Mutter zu versagen. Ich frage mich oft: „Wie schaffen die Leute das?“ oder „Warum genau fühle ich mich jetzt schlecht?“und „Ob sie wohl wissen, was sie mir für ein Gefühl bereiten?“
Ich versuche meine Kinder selbstbestimmt, liebevoll und mit besten Wissen und Gewissen aufzuziehen- gemeinsam mit meinem Mann. Selbstverständlich habe ich auch Bücher, Ratgeber, Blogs und Dokumentationen über die Erziehung von Kindern gelesen. Wer mich aus anderen Artikeln kennt weiß: die Frau ist sogar Erzieherin.
Jeden Tag auf’s Neue setze ich mir das Ziel geduldiger, emphatischer und friedvoller mit meinen Kindern umzugehen. Meistens klappt es auch, manchmal auch nicht und grundsätzlich nicht dann, wenn andere dabei sind. Der sogenannte Vorführeffekt – dieser Blödmann ist immer da, wenn man ihn nicht braucht. Genau in dem Moment, wenn jemand dabei ist, kommen Sätze aus mir wie: „Mensch Emmi! Jetzt beeil dich, wir müssen jetzt los. Mama hat keine Zeit!“ und just in dem Moment kommt auch schon das schlechte Gewissen, welches im Übrigen auch immer nur dann kommt, wenn man es nicht gebrauchen kann. Ich möchte meine Kinder nicht hetzen, nur weil ich die Zeitplanung vermasselt habe und dennoch tue ich es. Klar, ich bin nicht perfekt. Wer ist das schon? Das Gefühl, ein kleines bisschen versagt zu haben, ist da dennoch. Wollte ich doch schließlich, dass meine Kinder nicht ständig unter Zeitdruck das machen müssen was Mama jetzt sofort von ihnen verlangt.
Diese Geschichte basiert auf den Erlebnissen eines Nachmittages und geschah wie folgt: Nachdem wir dann also los gekommen sind, um mit der Ubahn zu einer Freundin zu fahren, wollte Emilia in der Bahn stehen – Sitzen ist ja auch sowas von langweilig.
„Setz dich bitte hin, das ist gefährlich, wenn die Bahn bremst, fällst du hin!“
Genau das liegt mir auf der Zunge. Aber ich spreche es nicht aus. Emilia darf ihre eigenen Erfahrungen machen, ihr Gleichgewicht trainieren und ich bin da um sie aufzufangen, falls die Bahn unerwartet bremst. Und da kommt SIE: die Frau, die mir das Gefühl geben wird, eine schlechte Mutter zu sein. Ohne zu wissen, was sie mit ihren Worten anrichten wird, schmettert sie los:
„Ihr Kind sollte sich mal lieber hinsetzen, kann ganz schön gefährlich werden! Außerdem ist das hier kein Spielplatz!“
Nicht dass ich mich von solchen Menschen niedermachen ließe, aber für eine verbale Auseinandersetzung fehlte ihr vermutlich das nötige Know-how über Attachment Parenting und mir fehlte die Zeit um Aufklärungsarbeit zu leisten. So gingen wir also auseinander, sie kopfschüttelnd darüber, dass ich mein Kind nicht dazu anhielt sich endlich zu setzen und ich etwas niedergeschmettert, mit dem Gefühl, als Mutter versagt zu haben. Es ist nicht so, dass ich deshalb in tiefe Depressionen verfallen würde, ein schönes Gefühl ist es aber dennoch nicht! Kennt ihr dieses Gefühl? Wisst ihr was ich meine?
Bei meiner Freundin angekommen, wollte ich direkt von meinem Erlebnis aus der Bahn erzählen, doch zunächst musste ich Henry an meine Brust anlegen. Zack- Kind an den Busen und losgestillt. Ungläubig schaute meine Freundin mich an.
„Du stillst immer noch? Er ist doch jetzt 9 Monate und er isst doch bei euch vom Tisch. Wozu noch die Milch? Ab dem 6. Monat ist das doch gar nicht mehr gut!“
Bäähm, wieder durchbohrt mich dieses Gefühl eine schlechte Mutter zu sein. Mache ich denn wirklich alles falsch? Ist es so falsch den Bedürfnissen meines Kindes nachzugehen? Ich erwiderte nur: „Er braucht es eben noch…“ und wechselte schnell das Thema. Der Nachmittag verging, die Kinder und ich fuhren nach Hause. Diesmal saß Emilia auch auf der Sitzbank in der Bahn, allerdings weil sie das selber wollte.
Wir vollzogen unser Abendritual. Emilia links von mir im Bett, Henry einschlafstillend an meiner Brust. Wir kuscheln, genießen die Zeit solange bis beide fest schlafen. Meine Gedanken kreisen noch über dem, was heute passiert ist. Über die Personen, die scheinbar so perfekte Menschen sind, dass sie meinen mich Maßregeln zu können. Doch dann wische ich diese Gedanken weg! Ja, ich habe heute mehrfach das Gefühl gehabt als Mutter versagt zu haben und ja zum Teil gab ich mir das Gefühl selbst, zum anderen Teil gaben mir wildfremde Menschen dieses Gefühl. Doch das muss nicht sein, wir sind liebende Mütter und Väter. Wir wollen doch nur das beste für unsere Kinder und versuchen bestmöglich zu handeln. Niemand hat das Recht uns dort reinzureden oder sich für die besseren Eltern auszugeben. Lieb gemeinte Tips sind was anderes, denn der Ton macht schließlich die Musik. Niemand sollte uns das Gefühl geben, wir hätten versagt. Denn das haben wir nicht. Wir bekomme für unsere tägliche Arbeit den größten und wertvollsten Lohn den es gibt: Die LIEBE unserer Kinder!
Kennt ihr ähnliche Situationen? Setzt ihr euch vielleicht sogar selber unter Druck? Habt ihr Ideen wie man solche Gedanken aus seinem Kopf bekommt?
Lasst es uns wissen!
Alles Liebe,
Eure Jana