Stillmythen – Langlebige Ammenmärchen

mama blog, mama magazine, stillen, stilltipps

mama blog, mama magazine, stillen, stilltipps

Rund um das Thema Stillen gibt es viele Mythen oder Ammenmärchen, die sich hartnäckig halten – Leider. Heute wollen wir uns einmal diese Mythen anschauen und darauf eingehen was dahinter steckt. Wieso benutze ich in diesem Zusammenhang das Wort Ammenmärchen? Nun, es hat indirekt etwas damit zu tun – in mehrfacher Weise. Ammen, oder auch Hebammen erzählten früher oft Geschichten, welche die Menschen nicht wenig ins Stauen gebracht haben. Oft, weil sie das Erzählte entweder noch nie gehört hatten oder weil die Märchen ihren Sinn erfüllten und eine Moral bargen. „Und die Moral von der Geschichte…“  Später nutze man den Begriff fast nur noch im negativen Sinne, für eine Geschichte, die einschüchternd wirkte und eine erzieherische Wirkung erzielen sollte. Schauen wir uns also die Ammenmärchen aus dem Stillbereich einmal an.

Bevor Ihr aber nach dem Artikel auf euren Arzt oder auf die Hebamme losgeht, vielleicht noch ein paar Worte. Die Ausbildung umfasst heute manche Themen nicht mehr so intensiv wie vielleicht noch vor 50 Jahren. Das ist gut so, denn die Medizin hat sich verbessert und die Fachkräfte müssen sich viel mehr Wissen aneignen. Das geht natürlich nur in die Breite und nicht in die Tiefe, wie man es so schön nennt. Solltet Ihr spezifische Fragen haben, dann informiert euch bitte bei Stellen, die sich aufs Stillen spezialisiert haben, oder zB auf Internetseiten, welche einen Schwerpunkt Stillen haben. Leider ist der Begriff Stillberater nicht geschützt und die Ausbildungen daher nicht miteinander vergleichbar, versucht also bitte euch selbst, euer Kind und das Wissen das ihr erhaltet miteinander in Einklang zu bringen – gebt nicht nach der ersten Information die Ihr bekommt auf.

Stillmythos 1: Ich habe nicht genug Milch / Ich kann nicht Stillen

Meist ist diese Aussage falsch ( bis auf wenige Ausnahmen), die meisten Frauen haben Milch in einer für das Kind ausreichenden Menge. Wichtig ist das richtige Anlegen , denn hier liegt zumeist der Fehler. Zu Beginn hat das Kind einen Magen in der Größe einer Kirsche, die Mahlzeiten sind daher schon etwas kleiner aber eben dafür häufiger. Bis die Milch Ihre volle Kraft entfaltet hat, benötigt der Körper ein paar Tage, eine Gewichtsreduktion in den ersten Lebenstagen kann daher normal sein.

Stillmythos 2: Das Stillkind benötigt zusätzlich Wasser

Oft hört man in diesem Zusammenhang gerade an wärmeren Tagen, „Vielleicht hat es ja auch einfach nur Durst und will gar nichts Essen“. Die Muttermilch enthält ausreichend Wasser für das Stillkind und dieses muss nicht zusätzlich Wasser/Tee etc bekommen. Dies kann unter Umständen sogar (abhängig von der Menge) gefährlich für das Kind sein.

Stillmythos 3: Vor jedem Stillen muss man sich die Brust/Brustwarzen reinigen/waschen

Dieser Mythos ist aus dem Bereich der Flaschennahrung übernommen worden, da man hier besonders auf Hygiene der Sauger und Flaschen achten muss. Das liegt allerdings daran, dass man nicht mit Muttermilch füttert und Flaschen und Sauger einen geeigneten Platz für die Vermehrung von Keimen und Bakterien bieten. Diese „künstliche Milch“ kann auch niemals die gleichen Inhaltsstoffe haben wie Muttermilch. Es wird zwar versucht diese so gut wie möglich zu simulieren allerdings fehlen vor allem die wichtigen Abwehrstoffe/Immunglobuline. Natürlich ist Hygiene wichtig, allerdings sollte man es damit nicht übertreiben, da auch die Haut einen natürliche Barriere für Keime aufgebaut hat.

Stillmythos 4: Stillen schmerzt/Stillen muss weh tun

Stillen sollte im Idealfall nicht schmerzen. Es ist zwar in den ersten Tagen meist ein leichter Schmerz vorhanden, da sich die Brustwarzen auch erst einmal an die „neue Funktion“ anpassen müssen, stark sollte der Schmerz aber nicht sein. Sollte es einmal mehr schmerzen, ist es höchstwahrscheinlich, dass das Stillkind nicht optimal angelegt wurde. Beobachten Sie Ihre Brust bitte genau, ein Schmerz in den Brustwarzen kann auch durch eine Pilzinfektion ausgelöst werden. Sollten die Schmerzen trotz anderem Anlegen nach ein paar Tagen nicht besser sein, holen sie sich bitte Rat.

Stillmythos 5: Kürzer Abstände beim Anlegen beugen Schmerzen vor.

Weder kürzeres Anlegen noch das Anlegen in kürzeren Abständen beugt Schmerzen vor. Oft wird in dem Zusammenhang auch behauptet das Kind solle pro Brust nur x Minuten trinken. Hier muss man aber einen Unterschied machen, denn diese Aussage ist eigentlich auf einen Milchstau bezogen. An der Brust sein, bedeutet nicht, dass das Stillkind zwangsweise auch trinkt, oft nuckeln sie nur und möchten gar nicht weiter trinken. Das heisst, auch wenn das Kind lange an der Brust war, kann es sein, dass es nicht mehr getrunken hat, mit Schmerzreduzierung hat das aber nichts zu tun.

Stillmythos 6: Abpumpen zeigt die Milchmenge der Mutter an

Abpumpen, so sinnvoll es sein kann, um einen Milchstau entgegen zu wirken, so ungenau ist es bei der Bestimmung der Milchmenge. Eine Pumpe ist für Mutter und Brust ein Fremdkörper, was natürlich ein großer Stressfaktor sein kann. Ein trinkendes Stillkind, ist der Spezialist wenn es um das Trinken an der Brust geht und kann unter Umständen ein vielfaches der abgepumpten Menge der Brust entlocken.

Stillmythos 7: Bei einer Erkältung/Infektion muss abgestillt werden

Im Normalfall muss eine Mutter bei einer Infektion nicht abstillen. Das Kind erhält durch die Muttermilch die Antikörper direkt mit. Die meisten Infektionen benötigen einige Zeit bis sie sich bemerkbar machen (Inkubationszeit) in den meisten Fällen würde sich das Stillkind ebenso wie die Mutter schon Tage zuvor angesteckt haben bzw. mit selbigen Erreger in Kontakt gekommen sein. Bei einer Erkrankung des Kindes hilft der durchs Stillen erworbene Nestschutz bei der Genesung. Natürlich gibt es hier auch seltene Fälle, bei denen die Mutter in der Tat abstillen muss, wichtig ist in diesem Zusammenhang immer, bei einem Arztbesuch immer ansprechen, dass man stillt, damit dieser ein Stillfreundliches Präparat verschreiben kann. Generell gilt in der Stillzeit, so wenig Medikamente wie möglich einnehmen. Falls es doch nötig sein sollte, gibt es in vielen Fällen auch Präparate die man in der Stillzeit nehmen darf (solange es keine schweren Erkrankungen sind) Was uns zum nächsten Mythos führt..

Stillmythos 8: Wenn ich Stille kann ich keine Pille nehmen

Die Antibabypille ist oft im Mittelpunkt von Stilldiskussionen. Die in ihr enthaltenen Hormone bekommt das Kind durch die Muttermilch sowieso mit. Die leicht erhöhte Menge wäre allerdings erstmal kein Grund zur Beunruhigung. Möglich ist allerdings die Hemmung der Milchproduktion durch Östrogene, welche in der Pille enthalten sind. Dies kann zu einem unausgeglichenen Kind führen, da sich der Milchfluss verändert. Sollte es möglich sein, verzichten Sie lieber auf die Einnahme und greifen sie auf andere Verhütungsmittel zurück. Sollte es allerdings keine Alternative geben, ist eine Stillpille, welche kein Östrogen beinhaltet, vielleicht eine gute Alternative.

Stillmythos 9: Wer stillt muss nicht verhüten

Keine Verhütungsmethode ist 100% sicher, allerdings schützt das Stillen nicht zuverlässig vor einer erneuten Schwangerschaft. Sicherlich kann es bei einigen so sein (siehe Artikel) allerdings sollte man sich nicht darauf verlassen. Jeder Körper ist da unterschiedliche, bei der einen Frau setzt die Menstruation bereits kurze Zeit nach der Entbindung wieder ein (1-2 Monate) bei anderen dauert es 1 Jahr oder länger.

Stillmythos 10: Meine Brustwarze ist nicht zum Stillen geeignet

Auch Frauen mit Flach- oder Hohlwarzen können stillen, es ist zwar ein wenig schwerer für das Stillkind, sich an die Brustwarze zu gewöhnen aber es hat auch damit schnell keine Probleme mehr, schliesslich stillt das Baby nicht durch die Brustwarze sondern durch die Brust. Oft werden dann Stillhütchen empfohlen, ich sehe das allerdings ambivalent. Bei der Großen hat es geholfen am Anfang, ich war unsicher und hatte danach einen langen Kampf bis die Brust ohne akzeptiert wurde. Bei der Kleinsten haben wir es einfach gelassen und sie hat sich von selbst an die Brust gewöhnt.

Stillmythos 12: Bei offenen, blutenden Brustwarzen muss man abstillen

Auch diese Erfahrung habe ich mit unserer großen machen müssen, abstillen war aber nicht nötig. Das Kind bekommt zwar etwas Blut ab, spuckt es aber mit der Milch oder scheidet es im Stuhl aus. Hemmnis sind hier die Schmerzen der Mutter beim Stillen, diese sind aber nicht höher weil es blutet. Beobachten ist das A und O, sollte die Blutung nicht innerhalb von ein paar Tagen verschwinden, wenden Sie sich bitte an ihren Arzt des Vertrauens, nicht dass eine andere Ursache dahinter steckt. Abstillen müssen sie allerdings erstmal nicht.

Stillmythos 13: Nach einer Brustvergrößerung/Brustverkleinerung kann nicht gestillt werden

Sowohl bei einer Brustvergrößerung als auch bei einer Brustverkleinerung kann man in den meisten Fällen normal stillen. Es ist aber bekannt, dass die Milchmenge variieren kann. Sollte die Menge bei einer Verkleinerung nicht ausreichend sein, gibt es die Möglichkeit der Nutzung eines Brusternährungssets.

Stillmythos 14: Stillen in der Schwangerschaft

Oft wird geraten in einer erneuten Schwangerschaft abzustillen, da sich die Milch angeblich bereits auf das neue Baby einstellen würde. Es kann aber ohne bedenken auch weiterhin gestillt werden und auch nach der Entbindung (falls gewünscht) wäre Tandemstillen eine Option. Die Milchmenge kann zwar in der Schwangerschaft zurückgehen allerdings gibt es erstmal keinen Grund abzustillen. Selbst wenn die Milchmenge zurück geht, befindet sich das Kind dann wahrscheinlich bereits schon im Beikostreifealter.

Stillmythos 15: Stillmamas müssen mehr essen und trinken

Kein Grund zur Sorge, das Baby bekommt genau das was es benötigt. Auch eine schwankende Ernährung, hat keine Auswirkungen, auf die Milchmenge oder auf deren Qualität. Die Mutter sollte ihrem Bauchgefühl folgen und einfach essen und trinken wann sie möchte, am Besten natürlich ausgewogen essen, allerdings machen zu viele Regeln das Stillen nur unnötig kompliziert und schwerfällig.

 

Weiter falsche Mythen, auf die wir aber nicht weiter eingehen:

  • Muttermilch enthält zu wenig Eisen
  • Stillen ist anstrengender als Flasche füttern
  • Raucherinnen sollen nicht stillen
  • Frühchen können nicht gestillt werden
  • Frauen mit großen Brüsten haben mehr Milch
  • Frauen mit kleinen Brüsten haben weniger Milch
  • Muttermilch kann plötzlich weg bleiben
  • Babys mit Durchfall sollen nicht gestillt werden
  • Nach einer OP kann nicht mehr gestillt werden
  • Weiche Brüste haben wenig Milch
  • Man soll nicht länger als 6 Monate stillen
  • Muttermilch kann schlecht werden
  • Nach Stillpause kann man nicht mehr anfangen
  • Sportlerinnen sollten nicht stillen
  • Man darf sich nicht die Haare färben

 

Kennt Ihr weitere Stillmythen, welche hier vielleicht noch nicht aufgeführt sind? Schreibt sie uns in die Kommentare.

Eure

Muttergans