Attachment Parenting bei Kleinkindern

attachment parenting, mama blog, mamablog, bedürfnisorientierte erziehung

Attachment Parenting hat viele Gesichter, viele Meinungen, viele Anhänger in vielen verschiedenen Ländern, es gibt viele bekannte Persönlichkeiten, die für die bedürfnisorientierte Erziehung sprechen. Ich bin damals zu bedürfnisorientierter Erziehung gekommen als ich dieses Thema in Google eingegeben hatte. Das war kurz nach der Geburt unseres Sohnes. In seinem Gefühl bestärkt zu werden, das hat mir von vornherein gefallen. Mittlerweile ist mein Sohn bereits 4 Jahre alt und es ist ein anderes Erziehen geworden. Hierum geht es in meinem heutigen Artikel: Wie funktioniert bedürfnisorientierte Erziehung mit einem größeren Kind? Wie hat es sich verändert, im Bezug auf ein Baby? Welche Situationen kommen auf mich zu? Wie gehe ich mit der Reaktion anderer um?

Als mein Sohn ein Baby war, sah die bedürfnisorientierte Erziehung für uns so aus, dass wir auf seine Bedürfnisse eingegangen sind. Das bedeutet bei Hungeranzeichen wurde er gestillt, bei Unruhe durfte er so schlafen, dass er sich sicher fühlte (auf unserem Bauch), wenn er nicht im Kinderwagen liegen oder sitzen wollte, haben wir ihn getragen und prinzipiell haben wir einfach versucht immer für ihn da zu sein und ihm Sicherheit zu vermitteln. Das hat super geklappt, wir waren alle zufrieden und wir hatten selbst diese Sicherheit unser Bestes zu geben. Unser Sohn war ausgeglichen, entspannt, ruhig und wuchs zu einem selbstbewussten Kleinkind heran.
Nun ist er 4 Jahre alt, selbstbewusst, taff, kess, frech, wild, ruhig, entspannt, wütend, fröhlich, liebevoll, gefühlvoll, liebt Struktur und Rituale, diskutiert, argumentiert und macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Im Kindergarten ist er beliebt und alle sind mit ihm zufrieden. Kurzum: Er ist perfekt. Unser perfekter Junge.
Doch das Leben mit einem Kind ist definitiv anders, als mit einem Baby. Er ist eine eigenständige Persönlichkeit, mit eigenen Ideen, Meinungen und will diese auch umsetzen. Er will selbstständig sein, Dinge selbst entscheiden und argumentiert sehr gerne. Bedürfnisorientiert erziehen kommt nun an ganz andere Eckpunkte, manchmal kommt man als Eltern auch an seine Grenzen. In Ritualen sieht es wie folgt aus: Schlafen darf unser Sohn, wo er möchte. Entweder in seinem Bett oder bei uns im Bett. Jederzeit. Wir bringen ihn gemeinsam ins Bett, lesen Geschichten und kuscheln, bis er in Ruhe einschläft. Ohne Stress, ohne Streit, ohne Angst. Wir frühstücken frühs gemeinsam und danach oder davor spielen wir noch Lotti Karotti.
Gestern war jedoch so eine typische Aktion, bei der ich persönlich (und auch mein Mann) an die Grenzen kamen. Wir hatten unserem Sohn versprochen, dass er sich in einem Geschäft etwas in der Spielzeugabteilung aussuchen dürfe. Dabei haben wir allerdings vergessen darauf hinzuweisen, dass es nicht zu teuer sein sollte, wobei unser 4jähriger auch noch nicht Preise oder Geld einschätzen kann. Unser Sohn ging also davon aus, er bekommt, was er sich aussucht. Wir kamen also dort an, ich hatte unsere Kleine in der Trage vor dem Bauch und er begann auszusuchen, was er möchte. Nachdem wir ihm die teure Kindersäge ausreden konnten, fand er den Jetski von Feuerwehrmann Sam. Er war glücklich, er strahlte, er war begeistert. Nur leider nicht so lange wie erhofft. Er fand die Walkie Talkies und wollte diese unbedingt haben. Wir erklärten ihm mehrmals und das geduldig, dass die Walkie Talkies zu teuer sind. Unser Junge war aber müde, hungrig und konnte es einfach nicht verstehen. Es endete in Eskalation. Er lag auf dem Boden, er schrie, er versuchte wegzurennen und er schrie, was das Zeug hielt. „Du bist eine Blöde, Mama und du bist ein Blöder, Papa!“ – und dann, als ich mich zu ihm runter beugte (zum Glück ohne Baby in der Trage), gab er mir eine Ohrfeige im Affekt. Ich versuchte seine Hände zu halten und ihn zu beruhige, doch er war einfach sehr wütend. Mehrere Menschen blieben stehen und ein Mann sagte ganz laut:
„Schau dir die an! Die lässt sich von ihrem Kind schlagen.“
Dieser Satz schlug ein wie eine Bombe in mein Herz. Ich hatte jedoch keine Zeit darauf zu reagieren, denn ich wollte meinen Jungen beruhigen. Nach ca. 15 Minuten und einigen Runden mit wütendem Gesicht seinerseits (in solchen Momenten erkenne ich mich als Kind in ihm wieder), nachdem wir ihn aus der Situation nehmen konnten, weil wir unser Parkticket verloren hatten und das beim Wachmann vom Parkhaus klären mussten, ging es ihm wieder gut. Für ihn war es vergessen, er hatte sich sogar bei mir direkt entschuldigt. Sich mit 4 Jahren zu entschuldigen und Reue zu zeigen, ohne darauf nochmal hingewiesen zu werden, finde ich toll und das habe ich ihm auch so gezeigt. Jeder von uns macht einmal Fehler und ist voll mit seinen Emotionen. Nur können wir Erwachsenen diese einfach kontrollieren und ein Kind ist dabei das zu lernen. Daher ging mein Mann auch nochmal rein und er bekam den Feurwehrmann Sam Jetski (nein, keine teuren Walkie Talkies). Für unseren Sohn war es also erledigt und wir fuhren alle 4 nach Hause.
Doch ich habe dann angefangen nachzudenken. Was hatte sich dieser Mann dabei gedacht? Ich vermute nicht so viel. Vielleicht hat er sich danach über „antiautoritäre Erziehung“ ausgelassen und darüber, was aus den heutigen Kindern dann mal in der Zukunft wird. Ich hätte mit ihm gerne ein Gespräch geführt, hätte ich Zeit gehabt. Ich hätte ihm wirklich sehr gerne erklärt, dass ich mich stark fühle, weil ich mein Kind eben nicht schlage. Ich habe meinem Jungen deutlich gezeigt, dass er nicht schlagen darf und, dass es mir wehtut und ich auch sauer bin. Aber wir schlagen unsere Kinder nicht. WIR sind die Erwachsenen, SIE sind die Kinder. Wenn ich zurückschlagen würde, würde ich ihm zeigen, dass es okay ist. Das will ich nicht. Er soll lernen, dass wir für ihn da sind, auch wenn er mit sich selbst gerade nicht umgehen kann, ihn die eigenen Gefühle übermannen und er nicht weiß, wohin nur mit der Wut. Wir lieben ihn so wie er ist. In jeder Situation.
Für uns ist das der richtige Weg und ich weiß nicht nur, dass er ein ganz toller Mensch wird, sondern ich weiß, dass er ein ganz toller Mensch ist und genau das zeigt mir, dass wir, den für uns, richtigen Weg gefunden haben.
Wie sind eure Erfahrungen mit größeren Kinden und bedürfnisorientierter Erziehung? Kommt ihr auch manchmal an eure Grenzen und seid erschöpft? Wie geht ihr mit Reaktionen anderer um? Ignorieren oder geht ihr offensiv damit um?
Ich werde euch auch in Zukunft berichten, wie es bei uns weitergeht. Bestimmt gibt es noch mehr interessante Alltagssituationen von denen ich euch mal berichten kann.

Liebe Grüße

Eure Jasmin