Stillen beim 2. Kind

Als Henry zur Welt kam, legte ich ihn direkt an und die nächsten 36 Stunden war er von meiner Brust nicht mehr weg zu bekommen. Für mich war das ein tolles Gefühl! Mit keiner Silbe dachte ich an Sachen wie „Bekommt er genug Milch?“, „Wir lange trinkt er jetzt eigentlich schon?“, „Welche Seite ist jetzt dran?“. Ich war einfach entspannt, was das Stillen beim 2. Kind anging. Ganz anders als bei unserer großen Hummel.
Die Schwestern auf der Wochenbettstation beäugten mich und Henry kritisch: „Oh, trinkt der immer noch oder schon wieder!“, „Haben Sie denn eigentlich mal geguckt ob da Milch kommt?“, „Vielleicht müssen wir ein bisschen Pumpen!“
Ich belächelte die gut gemeinten Ratschläge, die Damen machen ja auch nur ihren Job und wollten mir helfen. Aber ich brauchte die Hilfe nicht- ich vertraute Henry und das ist eigentlich alles,  was den Zauber ausmacht. Denn ich wusste, rein körperlich bin ich in der Lage ein Kind zu versorgen, es waren damals nur die äußeren Einflüsse, die es mir verwehrt haben.
Ich ließ ihn trinken, wenn er trinken wollte und ich ließ ihn schlafen, wenn er schlafen wollte. Keine Uhr konnte mich zu stressen. Ich schaute nicht mal ansatzweise hin wie lange und wann er stillte. Es lief, im wahrsten Sinne des Wortes und das war alles, was zählte. Der blöde „Stillplan“ den ich, provokant immer wieder auf mein Nachtschränkchen gelegt bekommen habe, flog unausgefüllt in den Müll. Meinen Stillplan entscheidet kein Stück Papier, keine Hebamme und auch keine Schwester- nur mein Baby!
Als Henry und ich nach Hause kamen, hatte ich den Milcheinschuss des Grauens – vermutlich war er normal, nur kannte ich es von meinem ersten Kind einfach nicht – das volle Programm: harte, heiße Brüste, Schüttelfrost und von den wunden Brustwarzen rede ich gar nicht erst.
Mein Mann rief sofort unsere Hebamme an. Kurzer Check, ob der Wochenfluss läuft und dann aber beruhigend darauf hingewiesen, dass es „nur“ der Milcheinschuss ist. „Das reguliert sich alles, Jana, die Brust produziert nun Milch im Überfluss, damit Henry auch auf jeden Fall satt wird! Wenn du es nicht mehr aushältst, kannst du die Brust ausstreichen, und wenn es ganz übel ist auch mal Pumpen- aber nur so lange bis der Druck weg ist. Das Pumpen regt die Milchbildung sonst zusätzlich an!“
Ich nahm ein stillverträgliches Schmerzmittel ein und dann ging es mir auch schnell besser. In den nächsten Tagen pendelte sich langsam alles ein. Nach wie vor achtete ich nicht auf die Uhrzeit oder die Dauer beim Stillen. Ich genoss einfach und ließ Henry machen und so fahre ich bis heute gut. Wichtig dabei ist, dass man seine Ohren auf Durchzug stellt, denn nicht selten kommen Aussagen wie „Hat der schon wieder Hunger?“, „Du hast bestimmt nicht genug Milch“, „Also das wäre mir ja zu anstrengend, ständig ein Kind an der Brust!“.
Damals, bei Emilia, haben mich solche Aussagen verunsichert. Ich wollte schließlich alles richtig machen beim ersten Kind. Wollte von den Erfahrungen der älteren Generationen zehren. Ich war so verbissen alle Ratschläge anzunehmen, dass ich das Stillen bei Emilia nach 4 Wochen aufgab. Heute weiß ich: Es sind die Erfahrungen der Anderen! Sie sind sicher nicht schlecht und bestimmt sind sie damit auch gut gefahren und ich höre mir Tipps auch gerne an, aber ob ich sie umsetze und ob es dann auch meine Erfahrung wird, das entschiede ich. Meine Devise lautet: Nur mein Bauchgefühl kann mir sagen, was gut für mein Baby ist, denn darin ist es gewachsen!
Das ist also meine Stillgeschichte und sie ist auch noch lange nicht beendet. Henry ist nun 8 Monate alt und es ist noch kein Ende in Sicht und das finde ich wunderbar!
Bitte vergesst nicht, dass diese Geschichte auf einer komplikationslosen Geburt basiert, dass ich keine anatomischen Probleme habe, die das Stillen erschweren und dass ich eine tolle Hebamme an meiner Seite habe. Mein Appell ist lediglich: Lasst euch nicht verunsichern und vertraut auf euer Baby! Das ist schon die Hälfte der Miete.
Wie sind eure Erfahrungen mit dem zweiten Kind? Was lief anders als beim Ersten? Habt ihr vielleicht auch eine ähnliche Geschichte? Lasst es mich wissen!
Alles Liebe!
Eure Jana