Oma meint es doch nur gut

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Wenn eine Familie ein Neugeborenes begrüßen kann, ist die Freude meist groß. Wie sollte sie das auch nicht sein. Ein Baby ist etwas Wunderbares. Jeder will kommen und schauen, auf den Arm nehmen und es werden Geschenke gebracht. Ein Ereignis, dass zusammenführt und verbindet.

Was aber, wenn persönliche Grenzen in einer solchen Situation überschritten werden? Wenn der eigene Standpunkt über- oder falsch eingeschätzt wird? Was, wenn man nicht dazu kommt zu sagen: „Bis hier und nicht weiter!“? Wie kann ich Grenzen stecken ohne zu verletzten und wie kann ich meinen eigenen Weg finden, wenn mir andauernd jemand dazwischen quatscht?

In vielen Familien ist der Zusammenhalt so groß und innig, dass junge Eltern froh sind auf enge Verwandte zurückgreifen zu können. Mit Rat und Tat. Mama kommt und putzt die Küche, Papa nimmt sich den Garten vor und mäht den Rasen und Oma kocht für ein paar Tage vor, während sich die frischgebackenen Eltern um den Nachwuchs kümmern. So zumindest ist die Vorstellung – Friede, Freude, Eierkuchen. Leider kann die Fürsorge der Familie auch ganz andere Züge annehmen.

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, habe ich mir schon in der Schwangerschaft anhören dürfen, wie der Hase zu laufen hat, wenn dann das Baby endlich da wäre. Wir wussten noch nicht mal, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, aber das wir unbedingt dem Novemberbaby eine Wärmflasche mit in den Kinderwagen legen müssten.

Ich habe diese Ratschläge belächelt. Wir würden uns schon eingrooven und unseren Weg machen. Meine Oma ist halt in einer anderen Zeit großgeworden. Für sie galten ganz andere Regeln, sie hatte einen anderen Wissensstand und meinte es sicher nur gut. Diese drei Phrasen wurden zu meinem Mantra, als mein Sohn dann endlich geboren wurde.

Auch bei uns war die Freude über den ersten Ur-Enkel groß. Umso kleiner war dafür das Verständnis, warum ich ihn denn bei uns im Zimmer habe schlafen lassen. Auf jeden Einwand, den ich erhoben habe, kam ein: „Ich habe schließlich zwei Kinder groß bekommen!“

Jedes Ammenmärchen, das ich widerlegt habe, wurde mit einem bissigen „Ja, dann hab ich ja alles falsch gemacht“ quittiert. Es war kräftezehrend. Denn ich wollte, dass meine Oma die Zeit mit ihrem ersten Ur-Enkel genießt. Warum fiel es ihr so schwer uns einfach machen zu lassen? Unsere eigenen Erfahrungen zu sammeln?

Weil sie selbst fremdbestimmt aufgewachsen ist. Sie kannte es nicht anders. Für sie war es klar, dass die Jungen aus dem Erfahrungsschatz der Alten lernen. Das wir aber nur das annahmen, was wir wollten, entzog sich ihrem Verständnis. Unsere Beziehung wurde zusehends angespannter und kälter. Eine absolute Belastungsprobe.

Unsere Konsequenz hat sie dann bald merken lassen, dass bei uns ja eh „Hopfen und Malz“ verloren war. Auch wenn sie nicht müde wurde uns immer neue alte Tipps zu geben und es besser zu wissen, haben wir uns nicht von unserem Weg abbringen lassen. Irgendwann ist auch bei ihr angekommen, dass es uns egal ist, ob wir die Kinder durch ein Familienbett verwöhnen und dass wir sie sogar gern bei uns schlafen lassen. Sie weiß nun, dass es mich nicht stört, wenn sie mich als „Affenmama“ bezeichnet, weil ich mein Kind auch mit 2 Jahren immer noch regelmäßig trage. Nein, dass ich es sogar als sehr positiv aufnehme so tituliert zu werden.

Wir können die gemeinsame Zeit genießen. Meine Kinder können sagen: „Meine Uroma spielt noch Karten mit uns!“ oder „Das Bild male ich für meine Uroma!“.

Denn wer weiß schon wieviel Zeit uns noch bleibt. Und auch wenn wir eine neue Richtung einschlagen und unser Leben selbst gestalten, findet sich doch immer ein wenig Zeit für die Groß- und Urgroßeltern. Bei einem Spaziergang oder Kaffee und Kuchen erzählen sie sicher gern einen Schwank aus ihrer Jugend. Ja, vielleicht lassen sich doch ein paar Parallelen ziehen.

Haben eure Kinder auch Urgroßeltern? Verbringt ihr viel Zeit miteinander oder sind die Besuche für euch eher anstrengend?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen!

Eure Denise