Ein Kind verändert alles

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Viele Jahre lang – noch lange bevor ich überhaupt ernsthaft über Nachwuchs nachdachte – wusste ich genau, wie ich später mal mein Kind zur Welt bringen möchte. Oder eben, wie ich es nicht zur Welt bringen möchte. Die Vorstellung einer natürlichen Geburt war für mich total abwegig. Ich war immer der Meinung, eine natürliche Geburt würde meinen Körper „ruinieren“. Es heißt immer: „Kinder ändern alles!“. In meinem Fall, änderte bereits die Schwangerschaft einiges, ganz zu schweigen von der Geburt und allem, was danach kam.

Bis ungefähr zur Hälfte meiner Schwangerschaft war ich absolut davon überzeugt, dass mein Kind unter allen Umständen per Kaiserschnitt zur Welt kommen würde. Die bloße Vorstellung einer natürlichen Geburt ließ mich schaudern und machte mir sogar richtig Angst. Die Schmerzen unter der Geburt, ein Notkaiserschnitt bei Komplikationen, eine „ausgeleierte Vagina“, die mir den Spaß an meinem künftigen Sexleben nehmen würde. Wie genau ich zu diesen Vorstellungen kam, kann ich nicht mal genau benennen. Aber schließlich hielt ich über viele Jahre an diesem Bild fest – bis ich schwanger wurde. Die Freude war riesig, aber das unbehagliche Gefühl blieb und bestärkte mich noch in dem Wunsch nach einem geplanten Kaiserschnitt.

Doch als ich in der 18. Schwangerschaftswoche war, rührte sich etwas in mir – es war mein Baby! Ich konnte erstmals ihre Bewegungen flatterhaft wahrnehmen. Plötzlich geriet meine vermeintlich fest verankerte Vorstellung ins Wanken. Ich begann allmählich über eine natürliche Geburt nachzudenken, denn das Ganze kam mir plötzlich nicht mehr zu beängstigend vor. Als hätte diese große „Angstblase“ ihre Luft verloren durch die Tritte meiner Tochter. Es fühlte sich auf einmal richtig und normal an.

Zu dieser Zeit sprach auch mein Mann nochmal vorsichtig das Thema Geburt an. Insgeheim wünschte er sich eigentlich eine natürliche Geburt für unser Kind. Er stand und steht immer hinter meinen Entscheidungen und er war sich sicher, ich würde schon die richtige Entscheidung treffen, was die Geburt unserer Tochter anbelangt. Mein Mann war davon überzeugt, ich würde mich im Nachhinein ärgern, wenn ich es nicht wenigstens versuchen würde – was soll ich sagen? Der Mann hatte einfach Recht! Er kennt mich gut; umso erfreuter war er als ich ihm entgegnete, dass ich bereits mit dem Gedanken spiele, mein Kind selbst zur Welt bringen zu wollen.

Die Angst vor der Geburt war wie weggeblasen! Ich hatte Vertrauen in mich wieder gefunden. Schließlich werden jeden Tag auf der Welt Kinder geboren. Manche sogar Zuhause in den eigenen vier Wänden. Ich sah der Geburt nun weitestgehend entspannt entgegen und dachte nicht mehr an einen Kaiserschnitt. Ganz im Gegenteil, ich bekam sogar ein bisschen Angst davor! Vorallem als die Herztöne meiner Tochter unter Geburt zwischenzeitlich ansackten und der Oberarzt zu mir sagte, wenn die Herztöne nicht besser werden, würde es zum Kaiserschnitt kommen. Meine Tochter schien dies gehört zu haben und hat sich dann wohl gedacht:“Pah! Ich komm hier selbst raus. Pack das Skalpell wieder weg!“. Braves Mädchen.

Ein anderer Punkt, der sich mit der Schwangerschaft und Geburt drastisch änderte, war die Vorstellung, wann ich denn wieder Arbeiten gehen würde. Noch zu Beginn der Schwangerschaft war ich der Meinung, ich würde spätestens 8 Wochen nach der Geburt wieder meiner Arbeit nachgehen. Meine Tochter käme in die Krippe und ich könnte direkt wieder vollzeit arbeiten gehen. Ach, was war ich naiv… Nie im Leben hätte ich gedacht, dass es mir derart schwer fallen würde, wieder arbeiten zu gehen! Kurz nach der Geburt, dachte ich darüber nach, meine Tochter dann doch erst mit 6 Monaten in die Krippe abzugeben. Nun ist sie 9 Monate alt, meine Elternzeit endet in 3 Monaten und ich kann mir mittlerweile nicht mal im Ansatz vorstellen, dass ich sie wirklich schon in ein paar Wochen abgeben muss! Einerseits würde ich schon gerne wieder meiner Arbeit nachgehen, aber andererseits ist sie noch so klein und auf mich angewiesen. Wir stillen auch noch viel und ich möchte dies auch neben der Arbeit wenn möglich weiterhin tun.

Zudem höre ich kaum Positives über Fremdbetreuung. Früher hat mich das alles nicht interessiert. Ein Kind muss in den Kindergarten und basta! Aber dass das nicht immer so einfach ist und dass es mir selbst so schwer fallen würde, hätte ich niemals gedacht. Kann eine Krippe oder ein Kindergarten auf die Bedürfnisse meines Kindes eingehen? Diese Einrichtungen sind meist unterbesetzt. Viele Kinder für wenige Erzieher. Aber ich möchte nicht, dass die Belange meiner Tochter womöglich nicht ernstgenommen werden. Glücklicherweise habe ich zwei Freundinnen, die jeweils mit ihren Kindern noch etwas länger Zuhause bleiben werden. Sie haben mir angeboten auf meine Tochter aufzupassen. Die Vorstellung finde ich eigentlich ganz schön. Schließlich haben wir änhliche Ansichten über den Umgang mit unseren Kindern und sie kennen meine Tochter. Diese wiederum kennt sie und ihre Kinder, die ungefähr im gleichen Alter sind.

Ein Kind verändert alles. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass jemand nach der Geburt seines Kindes zu 100% so weiterlebt oder denkt, wie vor der Geburt…

Wie war es bei euch? Was hat sich mit der Schwangerschaft oder Geburt an euren Ansichten geändert?

Eure Anke