Wie Kinder die Beziehung ändern

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Mit einem Kind wird alles anders“ – diesen Satz bekommen wohl fast alle werdenden Eltern mindestens einmal zu hören.Aber ist das wirklich so? Gerade im Bezug auf die Ehe / Partnerschaft? Ich kann diese Frage für mich weder bejahen, noch verneinen.

Ich kann aber ganz sicher sagen: Ist die Beziehung nicht gefestigt und stabil, bzw. steht auf der Kippe, dann ist ein Kind sicherlich die ganz falsche Lösung, denn eine Beziehung mit einem Kind kitten zu wollen, geht garantiert nach hinten los.

Aber wie ändern Kinder nun die Beziehung? Ändern sie sie überhaupt?

Als ich schwanger wurde, war mit klar, dass sich gewisse Dinge mit Sicherheit ändern werden, wenn ich Mama geworden bin. Ich wusste, dass dieses kleine Wesen komplett von mir abhängig sein würde und dass die Zeiten, in denen ich bis morgens um 6 Uhr in der Disco durchgetanzt habe, erst einmal vorbei sind.

Ob und wie sich die Geburt unserer Tochter auf unsere Ehe auswirken würde, darüber hatte ich mir gar keine Gedanken gemacht. Ich bin aber auch nicht der „Wenn-dann“ Typ, ich lasse gerne die Situation auf mich zukommen und reagiere und agiere dann, wenn es die Situation erfordert.

Die ersten Tage nach der Geburt verbrachte ich mit unserer Tochter noch im Krankenhaus und mein Mann besuchte uns täglich von morgens bis abends; ein Familienzimmer gab es damals in diesem Krankenhaus noch nicht.

Die ersten Tage zu Hause waren seltsam, aber mein Mann und ich entwickelten recht schnell eine gewisse Routine. Die ersten Monate waren wir ein Team, aber kein Paar im klassischen Sinn, denn das Zwischenmenschliche stand bei mir an letzter Stelle, ich brauchte meine Kraft für meine Tochter, die nie länger als 2 Stunden am Stück schlief. Alles war neu und aufregend, da war Sex tatsächlich das Letzte woran ich dachte 😉 Zum Glück hatte mein Mann dafür großes Verständnis und drängte mich nie dazu!

Als unsere Tochter ca. 4 Monate alt war, fuhr ich einmal in der Woche in die Firma meiner Eltern, um nach dem Rechten zu sehen und auf dem Laufenden zu bleiben. In dieser Zeit wurden wir auch als Eltern mobiler und unternahmen gemeinsam mit unserer Tochter Dinge, die wir sonst alleine gemacht hätten, wie Eis essen gehen, Essen gehen, usw. und waren wieder ein Paar und nicht nur ein Team. Wir genossen die Sonntag -Nachmittage im Sommer im Park und in der Eisdiele, die Spaziergänge und den Alltag. Es hatte sich alles gut eingespielt und wir lebten unser Leben weiter, kindgerecht organisiert eben. Statt Disco um 22 Uhr gab es eben Pizza um 19 Uhr, durchgemachte Nächte gab es ja mit Baby dennoch 😉

1,5 Jahre nach der Geburt unserer Tochter wurde ich mit unserem Sohn schwanger, gewollt und gewünscht. Die Schwangerschaft beim zweiten Kind empfand ich als „lockerer“, sie lief mehr oder weniger nebenbei und ich war viel entspannter als bei unserer Tochter. Ich machte mir gar keine Gedanken darüber, dass sich etwas ändern könnte, außer dass wir dann eben anstatt zu dritt zu viert sein würden.

Doch nach der Geburt unseres Sohnes war alles irgendwie anders. Wir waren plötzlich kein gutes Team mehr, jeder hatte Erwartungen an den Anderen und dachten, der andere könne Gedanken lesen. Meine Tochter war gerade 2 geworden, wurde trocken und war auf einmal noch große Schwester. Da ich in gewissen Dingen zur Perfektion neige, war es für mich schlimm, plötzlich nicht mehr allen gerecht zu werden. So schnell wir uns nach der Geburt unserer Tochter als Familie gefunden hatten, so lange dauerte es bei unserem Sohn. Es kehrte erst nach langen, langen 5 Monaten wieder eine Routine ein, wir wurden da erst wieder so richtig zu einem Team und vor allem zu einem Paar.

Als sich das alles eingespielt hatte und wir im Leben zu viert angekommen waren, lief alles viel besser und wurde deutlich entspannter. So ist es auch heute noch.

Die Paarzeit kommt leider im Moment durch äußere Umstände wieder zu kurz, aber unsere kleine Familie kann sich blind aufeinander verlassen und wir wissen, was wir aneinander haben.

Wie so oft im Leben ist es auch als Eltern das Wichtigste, miteinander zu reden, Rücksicht aufeinander zu nehmen und sich gegenseitig Freiräume zuzugestehen.

Aber: Um die Baby- und Kleinkindzeit gemeinsam meistern zu können, muss die Beziehung gefestigt sein, sonst kommt es oftmals früher oder später zum Bruch, denn gerade die Babyzeit stellt einen oft vor Herausforderungen, an die man im Traum nicht gedacht hätte.

Wie war es bei euch?

Hat das Elternsein euch als Paar verändert?

Liebe Grüße

Eure Nadine