Schwangerschaftsbody

mama blog Wie sich der Körper nach der Geburt des Kindes verändert
Für alle Frauen, insbesondere die mit Kinderwunsch, ist klar, dass sich der Körper während der Schwangerschaft verändern wird – der sog. Schwangerschaftsbody. Es ist auch bekannt, dass der weibliche Körper nach der Geburt des Kindes eine Weile braucht, um sich zurückzubilden. Man sagt nicht umsonst: „neun Monate braucht der Körper um sich auf die Geburt vorzubereiten, neun Monate um sich wieder zurückzubilden.“
Dass sich der Körper während der Schwangerschaft verändert, ist kein Geheimnis. Der wachsende Bauch und die sich verändernde Figur und Proportionen sind ja offensichtlich. Dank der guten Informationsmöglichkeiten wissen viele Frauen auch über weniger offensichtliche Veränderungen gut Bescheid. Wie beispielsweise eine Verschiebung der körpereigenen Statik wenn der Bauch immer größer wird. Oder die Lockerung der Bänder und Sehnen, damit das Kind später auch den engen Geburtskanal passieren kann. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Veränderungen des körperlichen und emotionalen Zustandes der werdenden Mutter. Darüber möchte ich aber heute nicht schreiben, denn schließlich kann man diese anhand einer Internetsuche einfach nachlesen. Ich möchte heute über etwas schreiben, das einem fast niemand erzählt: nämlich wie sich der Körper auch nach der Geburt des Kindes verändert. Und damit meine ich nicht die allseits bekannte Rückbildung, sondern dass insbesondere nach der ersten Geburt der weibliche Körper unter Umständen nicht mehr wie vorher sein wird.
Als ich schwanger war, dachte ich, dass nach der Rückbildung alles wieder so sein würde wie vorher. Schließlich liest und hört man das ja überall so. Dass es Fälle gibt, in denen die Rückbildung nicht optimal verläuft, ist auch bekannt und man hofft, nach der Geburt nicht diesen bedauernswerten Frauen anzugehören, die später mit dem Beckenboden oder ihrer Kontinenz zu kämpfen haben. Dass sich aber mein Körper nach der Geburt meines Kindes anders anfühlen würde als vorher, davon hat mir nie jemand erzählt. Das scheint irgendwie ein Tabu zu sein, etwas worüber nie jemand sprechen möchte. Das verstehe ich nicht, denn es sind es ja nicht nur negative Veränderungen, sondern auch welche, die ich durchaus begrüße. Es ist vieles einfach anders als vorher.
Rückblickend betrachtet ist es eigentlich nur logisch, dass nicht alles so sein kann wie vorher, schließlich ist so eine Geburt ein körperlicher Kraftakt, der seine Spuren am Körper hinterlässt. Aber was verändert sich denn nun?  Das ist sicher bei jeder Frau unterschiedlich und ob ich nach der Geburt meines zweiten Kindes wieder derartige Veränderungen erfahren werde, kann ich natürlich jetzt noch nicht beantworten. Nach der Geburt meines ersten Sohnes musste ich jedenfalls meinen Körper ganz neu kennenlernen. Angefangen damit, dass ich wohl in Zukunft mit gewissen „Problemzonen“ wie Schwangerschaftsstreifen oder einem nicht mehr so straffen Bauch leben „muss“ (ich trage meine „Makel“ voller Stolz, schließlich erinnern sie mich immer daran, einem wunderbaren Menschen das Leben geschenkt zu haben).  Auch meine Brustform hat sich verändert, da ich mir schon immer etwas mehr gewünscht habe, kann ich mich da nun nicht wirklich beklagen. Dann sind da noch die weniger offensichtlichen Dinge. Mein Körper ist hinsichtlich seines Hormonhaushaltes scheinbar nicht mehr derselbe. Konnte ich früher die Uhr nach meinem Zyklus stellen, ist das Zeitfenster nun scheinbar etwas variabler. Ebenso hat sich auch die Dauer meines Zyklus stark verlängert und auch bei der Länge und Stärke meiner Menstruation kann ich starke Veränderungen verbuchen. Ein Punkt für den vor allem mein Mann sehr dankbar sein dürfte: die schlechte Laune, die mich jahrelang kurz vor meiner Menstruation heimgesucht hat, hat sich bisher nicht wieder blicken lassen. Das sind jetzt keine großen Veränderungen, aber es sind Dinge, auf die ich mich jahrelang verlassen konnte und die zu mir gehört haben. Und nun läuft das auf einmal alles anders ab und ich muss mich auf die Situation erst einmal wieder einstellen.
Die gravierendsten Veränderungen, die ich nach der Geburt erfahren habe, betreffen mein Gefühlsleben und mein Körpergefühl. Konnte mich früher emotional nichts so leicht vom Hocker reißen, bin ich doch heute vergleichsweise nah am Wasser gebaut. Während ich mir früher manche Dramen nicht anschauen wollte, weil ich sie uninteressant fand, kann ich sie heute nicht mehr anschauen weil ich sonst mit den Tränen kämpfen muss. Dinge, von denen ich früher gedacht hätte „na dann ist es halt so“, sind für mich plötzlich unerträglich geworden. War ein weinendes Kind für mich einigermaßen gut auszuhalten, bricht es mir heute fast das Herz, wenn ich Kindertränen sehe.
Ich musste meinen Körper nach der Geburt und der Zeit der Rückbildung ganz neu kennen lernen. Vieles fühlt sich anders an, es zwickt an anderen Stellen als zuvor. Auch der Sex hat sich verändert. Nicht zum Negativen oder zum Positiven, sondern einfach anders. Meine Bedürfnisse haben sich geändert und es fühlt sich vieles anders an als vor meiner Schwangerschaft. Zumindest eines kann ich euch versichern: die Befürchtung, nach der Geburt unten „ausgeleiert“ zu sein, war völlig unbegründet!
In verschiedenen Mama-Foren und/oder Facebook-Mama-Gruppen bekam ich in der letzten Zeit oft mit, dass die Veränderungen nach der Geburt wohl nicht selten ein Grund für Spannungen in der Beziehung sind. Vielleicht hängen viele partnerschaftliche Probleme auch damit zusammen, dass neben den ganzen Veränderungen, welche die Mutter nach der Geburt erfährt, ein Kind die Mutter emotional sehr vereinnahmt. Der Partner, der ja aber nicht „nachfühlen“ kann, wie eine junge Mutter sich fühlt, hat vielleicht die gleichen Ansprüche an die Beziehung hat wie vor der Geburt. Vielleicht würde es vielen Paaren helfen, offener über Veränderungen und neue Bedürfnisse zu reden. Ich bin sehr dankbar dafür, dass mein Mann für meine veränderten Bedürfnisse Verständnis zeigt und mir mit einer liebevollen Umarmung anstatt Vorwürfen begegnet. Ich kann ja nun mal auch nicht raus aus meiner Haut. Und wer weiß, vielleicht ist es nach der nächsten Geburt wieder ganz anders?
Welche Erfahrung/Veränderungen habt ihr nach der Geburt erlebt? Hat sich bei euch nach der zweiten Geburt vielleicht wieder vieles verändert? Ich freue mich auf eure Antworten und Kommentare!
Eure Esther

Ein Kommentar

  1. Sehr ehrlich! Danke dafür 🙂
    Es verändert sich wirklich so viel. Man ist eben nicht mehr „die Alte“…man ich irgendwie eher ein Ich 2.0 😉

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