Stillen in der Öffentlichkeit – meine persönliche Erfahrung

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Kaum ein Thema erregt die Gemüter derzeit mehr, als das Stillen in der Öffentlichkeit.

Für mich ist das ehrlich gesagt unverständlich; als ich vor nunmehr fast 6 Jahren meine Tochter gestillt habe, war das überhaupt kein Thema, entweder man stillte, oder eben nicht.

Als zwei Jahre später mein Sohn zur Welt kam, ging diese ganze „Stillen in der Öffentlichkeit“-Diskussion allerdings schon so langsam los.

Ich hatte mir bei meiner Tochter keine Gedanken darüber gemacht, es war und ist für mich etwas ganz Natürliches und nichts Sexuelles, wenn man beim Stillen kurz ein Stück nackte Brust blitzen sieht. Es dient schlicht der Ernährung und, etwas krass ausgedrückt, dem Überleben meines Babys.

Nach anfänglichen Stillschwierigkeiten, bedingt durch die Stillhütchen, die meine Tochter brauchte, besuchte ich einen Stilltreff im Krankenhaus und lernte dort, wie ich meine Tochter anlegen musste, damit sie auch ohne Hütchen trinken konnte.

Als das klappte, fühlte ich mich tatsächlich freier, weil es für mich kein Problem mehr war, diskret überall zu stillen. Mit Stillhütchen ist das leider etwas umständlicher.

Ich machte mir keine Sorgen mehr, was sein würde, wenn meine Tochter unterwegs Hunger bekommt, ich suchte mir eine Parkbank, eine Umkleidekabine oder einfach ein nettes Café und legte sie an. Eine Mullwindel drüber und gut. Im Übrigen trug ich nur Still-BH´s, aber nie spezielle Stillshirts, ich zog einfach mein Shirt hoch und stillte.

Ich stillte meine Tochter sogar im Restaurant, während ich selbst gegessen habe, und keiner hat es bemerkt, alle dachten, sie kuschelt nur mit mir.

Natürlich ist es nicht angenehm, wenn man nach einem Ort zum Stillen fragt, und man bekommt ein stinkendes Klo angeboten. Ist mir in einem Museum passiert. Geärgert habe ich mich aber am Ende über mich selbst, weil ich mich nicht einfach in die Cafeteria gesetzt und gestillt habe und nicht über den Museumsmitarbeiter, der mich dorthin geschickt hatte. Ich vermute, er meinte es nur gut, weil ich dort Ruhe hatte. Der „Trubel“ in der Cafeteria wäre für meinen Sohn und mich sicherlich angenehmer gewesen und meine Tochter bestaunte sowieso gerade mit Papa die Autos im Museum.

Bei meiner Tochter bat ich einmal, als in meiner Brust Verhärtungen festgestellt wurden, und diese in der Gynäkologie unseres Krankenhauses abgeklärt werden musste, um einen Rückzugsort, weil im Wartezimmer ca. 10 Männer saßen und ich mich leider total unwohl fühlte deswegen. Das und die Geschichte mit meinem Sohn im Museum waren in meiner ganzen Stillzeit die einzigen „negativen“ Erlebnisse.

Ich wurde nie wegen des Stillens in der Öffentlichkeit angesprochen, wenn, dann kamen Kommentare á la: „Oh je, hat das Kleine Hunger? Wie gut, dass Sie das Essen immer dabei haben“

Ich kann nicht sagen, ob es an meiner Einstellung dazu lag oder ob ich bei zwei Kindern einfach nur „Glück“ hatte, dass ich immer und überall stillen konnte, ohne negative Kommentare zu ernten. Ich bin froh und dankbar darüber, weil ich schon öfter von anderen Mamas gelesen habe, die deswegen beschimpft wurden.
Was ich übrigens überhaupt nicht nachvollziehen kann: Gibt man in der Öffentlichkeit die Flasche, scheint das für Viele natürlicher zu sein als das Stillen und wird, so wurde mir schon berichtet, besser akzeptiert. Zum Glück musste ich diese negativen Erfahren nicht teilen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr auch so positive Erfahrungen mit dem Stillen in der Öffentlichkeit hattet, wie ich sie hatte. Mögt ihr erzählen?

Liebe Grüße

Nadine