Entbindungstermin – Eine Mama wird geboren

Der von jeder Schwangeren lang ersehnte Tag war gekommen – Der Entbindungstermin. Ich fuhr mit einer Freundin ins Krankenhaus. Da ich Schwangerschaftsdiabetis hatte, wurde mir angeraten am ET mit der Einleitung zu beginnen. Das Kind könnte sonst zu groß werden für eine natürliche Geburt.

Im Krankenhaus angekommen, wurde ich über die Risiken der Einleitungstabletten aufgeklärt und bekam meine erste Dosis verabreicht. Dann hieß es warten,warten, laufen und laufen. Treppen hoch und Treppen runter.

Das letzte Mal watschelte ich an diesem Tag gegen 23 Uhr in den Kreißsaal. Aber es tat sich nicht viel, außer einem gelegentlichen Ziehen im Bauch, das jedoch nicht sonderlich nennenswert war. Am nächsten Tag sollte ich wiederkommen, sollte sich vorher nichts getan haben.

Am nächsten Morgen und Nachmittag war es der gleiche Ablauf wie am Vortag. CTG, Tablette und wieder CTG. Das dauerte jedes Mal 1 1/2 bis 2 Stunden. Nachmittags um 16 Uhr wurde ich erneut ans CTG gehängt. Der Wehenschreiber zeichnete Wehen auf, wobei ich noch nichts spürte.

Es gab keine Tablette mehr für mich, um eine Überstimmulation zu vermeiden. Ich sollte abwarten und gegen 19 Uhr noch einmal zum CTG schreiben kommen. Gegen 18 Uhr merkte ich, wie mein Bauch wellenartig härter wurde. Ich war absolut fasziniert von diesem Vorgang. Richtige Schmerzen hatte ich noch keine. Es fühlte sich an wie die bekannt unangenehmen Periodenkrämpfe. Allerdings musste ich schon, dass ein oder andere Mal kurz innehalten, um die Welle zu veratmen. Sie waren 15 Minuten auseinander und dauerten ca. 30 Sekunden an.

Meine Eltern verabschiedeten sich und ich bekam Besuch von der Freundin, die mich zur Geburt begleiten sollte. Zusammen gingen wir in die Cafeteria auf der Wochenbettstation, um uns noch einen Kaffee zu holen. Was mich überrascht hat, war die Tatsache, dass ich unheimlich genervt von ihren Witzen war. „Wir bringen das Ganze in Gang, indem wir dich Fensterputzen schicken oder lassen dich ganz viele Treppen steigen“, waren die Aussagen. Ich war einfach nur genervt, was normalerweise überhaupt nicht meiner Art ist. Ich lache über mich und mache solche Witze auch ansonsten mit.

Mein Kaffee war am Durchlaufen und ich setzte mich auf den Stuhl. Plötzlich hörte ich ein komisches reißendes Geräusch. Ich war sehr verwundert und fragte mich, was das war. Eine Sekunde später lief mir ein Schwall Fruchtwasser die Beine herrunter. Glücklicherweise bin ich schnell wieder aufgestanden, sodass nichts auf dem Stuhl war. Jedoch stand ich in einer Pfütze meines eigenen Fruchtwassers. Für mich tat sich eine unangenheme Situation: Ich konnte doch nicht so über die Wochenbettstation laufen. Ich würde alles volltropfen und nassmachen. Am Schluss rutscht noch jemand aus, z. B. eine Mutter mit Kind und verletzt sich. Aber mein Kind wollte ich auch nicht unbedingt in der Cafeteria bekommen. Absolut komische Gedanken. Die waren höchstwahrscheinlich der plötzlichen Überraschung geschuldet, dass meine Fruchtblase so unverhofft geplatzt war.

Es kam eine resolute Schwester, die mir zu verstehen gab, dass ich auf mein Zimmer gehen sollte, um mich frisch zu machen. Danach sollte ich rüber in den Kreissaal gehen. Gesagt – Getan. Ich zog mich um. Natürlich hatte ich die einzige bequeme Hose, die ich dabei hatte in dem Moment an, als die Fruchtblase geplatzte. So zog ich nur frische Unterwäsche an und ein schlang ein Handtuch um meine Hüfte. Ich muss sehr seltsam ausgesehen haben.

Im Kreißsaal angekommen, traf ich leider auf eine sehr unfreundliche Hebamme. Ich nenne sie mal den Feldwebel. Der Feldwebel fragte mich, was ich den wolle. Ich antwortete ihr, dass gerade eben meine Fruchtblase geplatzt sei und mich die Stationsschwester zu ihr geschickt habe. „Ja, wann ist ihre Fruchtblase denn geplatzt?“ Ich war total genervt von der Tatsache, dass sie mir offensichtlich nicht zugehört hatte. Mit einer neuen Wehe im Anmarsch sagte ich:“ Vor 5 Minuten. Habe ich gerade auch gesagt!“ „Ja dann brauchen sie noch kein Antibiotika!“.  Ja offensichtlich nicht, dachte ich mir, rollte mit den Augen und veratmete meine Wehe weiter. Das fängt ja gut an, dachte ich mir im Stillen. „Ich will mich auf keinen Fall hinlegen. Ich möchte stehen!“ informierte ich den Feldwebel. „Dann muss ich sie untersuchen. Bitte folgen sie mir!“

Im Aufnahmeraum musste ich mich auf die Liege legen. Das tat ich auch ohne zu murren, da ich ja untersucht werden musste. Was macht der Feldwebel dann?! Sie schließt mich ans CTG an ohne mich zu untersuchen. Ich war aber gerade dabei eine weitere Wehe zu veratmen, sodass ich nichts dagegen machen konnte. Sobald die Wehe rum war, war sie auch schon wieder verschwunden. Ich wurde mit jeder Minute, die verstrich, genervter und unruhiger. Der Feldwebel hatte es wohl wirklich mit den Ohren. Nach 15 Minuten Liegen hatte ich die Nase gestrichen voll und klingelte so lange bis sie kam. Ich war jetzt der Feldwebel. „Sie untersuchen mich jetzt sofort, damit ich aufstehen kann!“, war das was ich ihr ohne Umschweife und in recht schroffem Tonfall an den Kopf warf als sie in den Raum trat. Während der Untersuchung hatte ich eine weitere Wehe und meine Beine klappten mir zusammen, sodass sie ihre Hand nicht mehr rausbekommen konnte. „Sie müssen die Beine aufmachen, meine Hand ist da noch drin!“, kommandiert sie. „Wissen sie wie scheiss egal mir ihre Hand gerade ist?!“, war meine, zugegeben, sehr unfreundlich Erwiderung. Aber was sollte ich machen? Es war ein Reflex. Ich durfte mich dann endlich hinstellen und mir ging es damit um Welten besser.

Meine Freundinnen wollten mir etwas Gutes tun und hielten mir die Hand. Das brachte mich jedoch immer wieder aus dem Konzept. Ich wollte nicht, dass während meinen Wehen geredet wurde. Erst recht wollte ich nicht angefasst werden. Es war genau das, was ich in dem Moment der Wehen brauchte. Ruhe, um bei mir selbst sein zu können und mit der bevorstehenden Geburt klar zu kommen.

Meine Mutter war bereits telefonisch verständigt worden. Gerade zu Hause angekommen, ist sie mit meinem Vater wieder ins Auto gestiegen und in Krankenhaus gefahren. Kaum war sie wieder da, durfte ich mit ihr in den Kreissaal gehen. Ich wollte nur meine Mama dabei haben. Denn je weniger Leute um mich herum waren, desto lieber war es mir in dieser Situation. Nicht soviel Ablenkung und mehr Ruhe.

Die folgenden 45 Minuten verbrachte ich auf der Toilette, das ich unbedingt noch auf Toilette gehen wollte, denn bei der Geburt den Darm zu entleeren, war das letzte was ich wollte. Und es hat funktioniert. Zudem musste ich gefühlt sowieso alle 2 Minuten ganz dringend aufs Klo. Fruchtwasser verlor ich auch noch fleißig, da der Kopf meines Kindes noch nicht komplett in mein Becken gerutscht war.

Jetzt war es ungefähr 22 Uhr und ich hatte sehr starke Wehen mit wenig Abstand zwischendrin. Mir wurde gesagt, dass sei normal bei einer Einleitung. 1 Minute Wehen und 30 Sekunden Erholung. Ich konnte sie zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr veratmen, sondern nur noch verschrien. An meine gewünschte Wassergeburt war nicht mehr zu denken. Ich hatte das vollkommen vergessen und hing nur noch mit dem Oberkörper über dem Kreißsaalbett und versuchte nicht gegen die Wehen zu arbeiten, sondern mich voll und ganz auf sie einzulassen. Was gut klappte bis ich merkte, dass ich mich verkrampfte und sie einfach nicht mehr haben wollte. Aber das ist denke ich ganz normal.

An diesem Punkt fragte ich meine Hebamme, nach Schmerzmitteln. Zum Glück war Schichtwechsel gewesen und es war einen ganz tolle Hebamme, die mir nun zugeteilt war. Sie bot mir einen Schmerztropf an, den ich dann auch dankend annahm. Das war gegen Mitternacht. Mein Muttermund war ca. 5 cm geöffnet. Die Hebamme fragt mich immer, ob sie mich berühren dürfe. Das ständige Antwort geben müssen, war mir zu viel und ich erteilte ihr die Erlaubnis mich untersuchen zu dürfen und nicht mehr fragen zu müssen. Sie informierte mich aber immer noch und sagte mir, sie müsse mich anfassen und was sie jetzt macht. Das war absolut in Ordnung und ich konnte damit gut umgehen. Dank des Tropfes döste ich zwischen den Wehen immer mal wieder weg und konnte mich etwas erholen. Ich trank viel und auch die mitgenommen Traubenzucker kann ich nur jeder Gebärenden für den Kreißsaal empfehlen.

Um 1:45 Uhr war der Muttermund schon 9 cm geöffnet und sie sagte mir, dass sie bei der nächsten Wehe den restlichen Zentimeter noch öffnen würde, da die Herztöne meines Sohnes nicht mehr gut waren. Ja, warum auch nicht. Schlimmer kann es ja nicht werden, dachte ich mir. Aber es war wirklich enorm schmerzhaft.

Ich musste mich auf die linke Seite legen, da so die Herztöne besser waren. Das war eine Aktion! Eine Hebamme, eine Ärztin und meine Mutter mussten mir helfen mich auf die Seite zu drehen. Ich hätte es vor Wehenschmerzen und Erschöpfung nicht mehr alleine hinbekommen. Danach ging alles super schnell. Ich hatte 3 Presswehen und mein Sohn war auf der Welt. Um 2.02 war alles vorbei und mein Kind auf der Welt.

Ich bekam ihn auf die Brust gelegt und gesagt, dass er die Nabelschnur einmal um den Hals hatte. Deswegen waren sein Herztöne so schlecht geworden. Ein Glück ist es schnell gegangen. Ich war etwas überfordert mit der Situation. Ich hatte nicht diese unglaublichen Muttergefühle in mir hochwallen, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Ich war eher so überrascht davon, dass es vorbei sein sollte. „Ist es wirklich schon vorbei?“. Das ging mir im Kopf rum.

Da lag er nun, mein Kleiner, auf meiner Brust und schaute mir in die Augen. Ich konnte es nicht fassen. Mein Sohn war auf der Welt. Er war so perfekt. Und ich war verliebt bis über beide Ohren, sobald der erste Schock über den schnellen Ablauf überwunden war.

Alles in allem würde ich meine Geburt nicht als schrecklich bezeichnen. Ja, es ist mit Schmerzen verbunden. Allerdings habe ich mich gut betreut und aufgehoben gefühlt. Ich wurde in Ruhe gelassen und konnte vieles so machen, wie es mir gut getan hat.

Wie waren eure Geburten? Was sagt ihr rückblickend über sie? Wie ist Eure Geschichte zu „Eine Mama wird geboren“? Freue mich Eure Geschichten zu hören.

Eure

Vanessa