Mein erstes Jahr mit unserem Mädchen

 

Unsere Zweitgeborene kam am Valentinstag auf die Welt. Sie hatte keinen leichten Start und entwickelte sich nach der ersten Impfung nachts zu einem sehr unruhigen, ängstlichen Baby.

Ich möchte euch von unserem ersten Jahr berichten, wie wir Bindungsorientierung verstehen und wie sich unsere Nächte durch Kuscheln, füreinander Dasein, Tragen und Stillen verändert haben.  Diese unruhige Art von Nächten, in denen mein Kind Angst hatte und schrie, sind nun erst einmal Vergangenheit. Glücklicherweise. Vielleicht kann ich euch auch bestärken und den Mut geben, dass sich alles auch schneller verändern kann, wie man denkt.

Am Valentinstag 2016 um 6 Uhr dachte ich noch, dass unser Baby erstmal heute in meinem Bauch bleiben möchte. Um 13.30 Uhr wusste ich, dass sie heute doch noch auf die Welt kommen würde und war im Kreißsaal. Unser Mädchen war ein sogenannter Sternlesgucker und „steckte im Becken fest“. Nach nur 2,5 Stunden war sie auf der Welt und zufrieden. Doch diese Erfahrung steckte in ihr.

Von der ersten Stunde an hatte unser Mädchen nachts einen unruhigeren Schlaf – das ist aber für Babys absolut normal und deshalb habe ich mir keine Gedanken gemacht. Stillen, Tragen, Federwiege, Familienbett wird ihr Gemütlichkeit und Sicherheit vermitteln. Jedoch änderte sich einfach so gar nichts. Monat für Monat wurde es zeitweise immer schlimmer: Sie hatte nachts totale Angst.

Tagsüber ist unser Mädchen einfach ein absolut tiefenentspannter Goldschatz, das war eigentlich von Anfang an so. Zufrieden, gemütlich, entspannt. Doch nachts hatte sie einfach immer die pure Panik. Niemand konnte sie beruhigen, außer ich. Ohne Mama ging einfach gar nichts und es wurde phasenweise so, dass sie wirklich alle 20 Minuten nachts aufwachte und voller Panik schrie. Natürlich haben wir sie ostheopathisch, chiropraktisch und ärztlich checken lassen. Alles war gut. Doch die Nächte wurden nicht wirklich besser, mein Mann war langsam ziemlich verzweifelt, da das Umfeld einfach nicht gänzlich verstehen konnte, dass es wirklich Babys gibt, die sich NUR von Mama nachts beruhigen lassen.

Ich, passionierte Chorsängerin, konnte nicht mehr zu Proben abends gehen. Die Versuche endeten in reinstem Stress für alle Beteiligten: Mein Baby schreiend voller Panik ohne Mama, mein Mann, den Flur mit ihr im Arm Kilometer laufend und zu 200 Prozent gestresst und ich, schnell aus der Probe rasend nach Hause. Die Kommentare aus dem Umfeld: „Was, dein Mann kann doch wohl seine Tochter beruhigen?!“ ; „Das muss sie einfach lernen.“ – Ich fand jedoch „müssen“, tut mein Baby schon gar nichts.

Wie sollte unser Weg nun weiterhin aussehen? Das wussten wir alle genau. Unser Baby sollte nicht nach Mama panisch schreien müssen, ohne zu verstehen, dass Mama immer wieder kommt. Ich pausierte eben den Chor. Prinzipiell pausierte jede abendliche Veranstaltung. Konzerte mit Chor oder als Solistin? Da nahm ich mein Mädchen eben mit, auch mit dabei: Die Oma oder mein Mann – je nachdem, wer lieber zu Hause auf unseren großen Jungen aufpassen wollte. Manchmal war der ganze Familienclan sogar auf den Konzerten dabei. Stress war das natürlich auch, aber ein angenehmer und für die Kleine bedeutete es Spaß und Entspannung. Ich hatte die Kleine bei mir, sie musste nicht weinen, Stillpausen nach Bedarf waren kein Problem, ich war für unser Baby immer im Blickfeld. Es war unsere beste Lösung.

Nun ist mittlerweile über ein Jahr vergangen. Es war nicht immer einfach. Wie oft habe ich mich nur gefragt: Warum schläft sie denn nur so unruhig? Habe ich etwas falsch gemacht?

Und nun? Sie ist ein Jahr – ganz plötzlich hat sie vergangene Woche begonnen zu krabbeln und seit drei Tagen kann sie stehen. Es ist, als wäre eine Komplettveränderung nachts angebrochen. Mein gemächliches Mädchen ist nun tagsüber aktiv, die ganze Wohnung entdeckt sie, räumt Dinge aus und wieder ein, sie stellt sich so gerne auf ihre Beinchen, fährt Bobbycar, entdeckt den Garten UND sie schläft plötzlich problemlos nachts 5,5 Stunden am Stück. Nachts keine Panikattacken mehr, vollkommene Tiefenentspannung macht sich neben mir im Bett breit. Wie Buddhalinchen liegt sie neben mir, schnauft gleichmäßig und schläft so tief. Es ist wundervoll. Sie ist ein Wunder, mein kleines Mädchen. Und selbst, wenn sie wieder einmal Angst nachts hat, sie wird immer auf uns zählen können.

Auf was ich mich nun freue? Auf ruhige Nächte, auf spannende Tage, auf Nächte, die sie sicherlich auch einmal „durchmachen“ wird – einfach auf die Zukunft mit ihr und von uns, als Familie.

Ich weiß, es hat sich alles gelohnt. Jede Nacht, der kleine Schatz auf meinem Bauch oder in meinem Arm, jeder Film, den ich wieder einmal nicht anschauen konnte, jedes Mal Chorabsagen, auch wenn ich Menschen, dir mir wichtig sind, enttäuschen musste, jedes Mal Aufwachen…. Für unsere beiden Wunder lohnt sich jeder Schlafmangel oder andere Einbußen – denn mit einem Kind hat man solch ein Glück, Kinder sind wirkliche Geschenke. In den ersten Jahren brauchen sie besondere Nähe, aber, wenn sie diese Bedürfnisse an Nähe erfüllt bekommen, werden sie zu großen, selbstbewussten und starken Menschen heranwachsen, auf die wir unendlich stolz sein können.

Wie sind eure Nächte momentan? Ich bin gespannt, ob meine Tochter auch den mir, von meinem Sohn, noch bekannten, „Ich habe um 4 Uhr nachts unglaublichen HUNGER“-Schub auch mit 1,5 Jahren bekommen wird.

Auf lustige Zeiten!

Eure Jasmin