Gedanken zum Beikoststart

Irgendwann kommen wir alle an den Punkt, an dem wir merken, es wird langsam Zeit für Beikost. Ich finde, das ist ein großer und aufregender Schritt im Leben meiner Tochter. Und natürlich in meinem Leben als Mama. Gerade beim ersten Kind gibt es einige Unsicherheiten und Fragen. Deswegen möchte ich unseren Weg in einem kleinen Tagebuch festhalten und unsere Erfahrungen mit euch teilen. Momentan stecken wir noch in den Vorbereitungen. Wir stillen noch voll, aber ich habe das Gefühl, dass es bald losgehen kann. Unsere Tochter ist jetzt sechs Monate alt.
Wann kann oder sollte man überhaupt mit der Beikost beginnen? Das ist schon die erste Frage, die man sich stellt. Wie bei allem anderen, möchte man ja nichts verkehrt machen. Ein guter Indikator für den richtigen Zeitpunkt sind die Beikostreifezeichen. Sind diese erfüllt, spricht nichts mehr dagegen zu beginnen.Was mir persönlich ganz wichtig ist und war, ist nicht zu früh zu beginnen. Ich möchte weder meine Tochter noch mich stressen. Sie hat noch ihr ganzes Leben lang Zeit, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Außerdem möchte ich erst dann beginnen, wenn sie wirklich so weit ist, denn dann ist auch der Darm reif für die neue Ernährung und kann alles optimal verwerten. Die WHO empfiehlt, die ersten sechs Lebensmonate voll zu stillen und danach unter dem Schutz des Stillens mit der Beikost zu beginnen. Das heißt aber nicht, dass man pünktlich an dem Tag beginnen muss, an dem das Kind sechs Monate alt wird oder dass man erst da anfangen darf, obwohl das Baby schon 2 Wochen vorher bereit ist. Wenn man auch nach dem Beikost-Start weiter stillt, hilft das Baby’s Verdauungssystem ungemein, sich umzustellen. Ich glaube, ein Baby zeigt ganz deutlich, wenn es so weit ist. Man muss es nur beobachten und seine Zeichen deuten.

Seitdem ich mich mit dem Thema beschäftige, sind einige Fragen aufgetaucht. Abgesehen vom richtigen Zeitpunkt für den Beginn, stellt sich mir auch die Frage, mit was wir beginnen sollen. Als grobe Entscheidungshilfe gibt es entweder Brei oder Fingerfood. Brei ist die klassische Variante, zu der man ganze Abhandlungen im Internet oder auf Informationsbroschüren verschiedener Glässchen-Hersteller finden kann. Was mir persönlich ein bisschen sauer aufstößt, ist der Breifahrplan. Genaue Angaben darüber, wann ich meinem Baby wie oft und wie viel von welchem Brei geben soll und welche Stillmahlzeiten wir bis wann ersetzt haben sollen. Dieses Vorgehen hat mit Sicherheit seine Vorteile, vor allem wenn man als Mama unter dem Druck steht, bis zu einem bestimmten Datum weitestgehend umzustellen, weil man z.B. wieder arbeiten geht.

Da wir diesen Druck aufgrund von zwei Jahren Elternzeit nicht haben, habe ich mich näher mit BLW beschäftigt – Baby-led Weaning. Heißt so viel wie „vom Baby geleitetes Abstillen“ und bedeutet, dass man das Baby entscheiden lässt, was und wie viel es wann isst. Der große Unterschied zum Brei ist, dass das Baby Fingerfood und die Gerichte angeboten bekommt, die ganz normal am Familientisch gegessen werden. Außerdem isst das Baby nach diesem Ansatz selbst. Es kann das Essen mit den Händen erkunden, matschen, essen oder auch nicht essen. Nie sollte dem Baby etwas gegen seinen Willen in den Mund gesteckt oder es z.B. abgelenkt werden, um es leichter füttern zu können. Wenn das Baby essen möchte, isst es, wenn nicht, dann nicht. Auch Babys wissen schon genau, wann sie satt sind. Wahrscheinlich haben sie dieses gesunde Sättigungsgefühl noch wesentlich deutlicher als der Großteil von uns Erwachsenen, die wir zum Aufessen erzogen wurden. Deswegen ist es sehr wichtig, diese Signale des Babys zu respektieren.

Es gibt ein paar wenige Vorgaben, auf was man achten soll, z.B. wenig Salz, kein Zucker, nur leicht würzen, kein Honig und keine Nüsse. Aber abgesehen davon, darf das Baby alles angeboten bekommen. Ein großer Vorteil von BLW ist also, dass man nicht extra für das Baby kochen muss und alle zusammen am Tisch essen können. Für den Anfang eignen sich z.B. Gemüsesticks sehr gut, also verschiedenes Gemüse in Pommes-Form weich gedämpft oder gegart. Von der Länge sollten die „Pommes“ so sein, dass jeweils ober- und unterhalb der Faust des Babys noch etwas herausschaut. So kann das Baby die Sticks gut halten und daran knabbern. Das angebotene Essen sollte so weich sein, dass man es zwischen Gaumen und Zunge zerdrücken kann.

Dieser Ansatz hat mich sehr fasziniert, so dass ich mich dazu entschlossen habe, genau das auszuprobieren. Glücklicherweise gibt es durch die sozialen Medien diverse Möglichkeiten, sich weiter zu informieren, Rezepte, Inspirationen und Erfahrungsberichte zu finden. In einem Gespräch mit meiner Mama kam dann zum Vorschein, dass diese Methode der Beikosteinführung gar nicht so neu ist, wie viele es behaupten. Meine Mama erzählte mir, dass schon ihre Oma ihr und meinem Onkel Fingerfood angeboten hat.

Ein weiteres Rätsel ist die Frage, was man für den Beikoststart mit BLW braucht. Braucht man überhaupt etwas bestimmtes, wenn das Baby am Familientisch mit isst? Wie sieht es eigentlich mit einem Hochstuhl aus? Mein Mann und ich haben uns dazu entschieden, unsere Tochter erstmal auf dem Schoß sitzen zu lassen, wenn sie isst. Das hat den Vorteil, dass man auch schnell eingreifen kann, sollte sie sich doch einmal verschlucken. Wichtig ist, dass das Baby beim Essen aufrecht sitzt. Dadurch ist das Risiko des Verschluckens geringer und das Baby tut sich leichter damit zu große Stücke wieder auszuhusten. Daher ist z.B. die Babywippe absolut ungeeignet, um darin zu essen.

Neben dem Hochstuhl ist auch das Geschirr von Bedeutung. Ich vermute, da muss man einfach ausprobieren, mit was man am besten zurechtkommt. Es gibt ja ein unglaubliches Angebot an speziellem Babygeschirr und Trinklernbechern. Wir werden es zunächst mit ganz normalem Geschirr versuchen bzw. das Essen direkt auf den Tisch legen. Um alles ausgiebig entdecken zu können, bieten sich auch Ärmellätzchen an. So kann das Baby nach Lust und Laune be-greifen und man muss nicht jedes Mal ein neues Outfit anlegen. Außerdem ist ein Dampfgarer nicht schlecht. Gedämpftes Obst und Gemüse behält die meisten Vitamine und Nährstoffe und schmeckt viel intensiver, als weich gekochtes. Alternativ kann man aber auch mit einem kleinen Topf, einem Sieb und einem passenden Deckel dämpfen.

Ich bin total gespannt darauf, wie unser Weg in die Beikost werden wird und freue mich schon sehr, unserer Tochter die Welt der verschiedenen Geschmacksrichtungen zu zeigen. Mir ist aber noch wichtig zu sagen, dass es nicht umsonst BEIkost und nicht Anstattkost heißt. Die Hauptnahrungsquelle sollte im ersten Lebensjahr Milch sein, entweder Muttermilch oder Ersatznahrung. Ich glaube, das Wichtigste ist, mit Spaß an die Sache zu gehen und sich und sein Baby nicht unter Druck zu setzen. Essen soll Genuss und etwas Schönes sein. Es ist ein gemeinschaftliches Erlebnis mit der ganzen Familie, auf das sich jeder freuen können sollte. Druck und Frust sind da Fehl am Platz.

Wie ging es euch vor dem Beikost-Start? Welche Vorbereitungen habt ihr getroffen? Habt ihr überhaupt etwas im Vorfeld gemacht, z.B. gelesen oder Vorträge besucht? Oder habt ihr es einfach auf euch zukommen lassen?
Liebe Grüße,
Laura

Ps: Der Muttergans Lesetipp Saisonkalender Gemüse – Immer wissen welches Gemüse gerade marktfrisch am Besten schmeckt