Weg mit der Milchpumpe!

Jetzt ist es schon ein Jahr her, dass unsere kleine Krabbe geboren wurde. Bereits vor der Geburt war mir schon klar, dass ich unbedingt Stillen möchte. Bei meinem Großen habe ich eine zeit lang abgepumpt, als er nach der Geburt im Krankenhaus lag. Aber als er eine spezielle Nahrung bekommen musste, habe ich leider das Stillen schnell aufgegeben. Daher war es mir bei meinem zweiten Kind umso wichtiger, es erneut zu versuchen. Leider verlief unser Stillstart auch mehr als holprig, denn die Krabbe machte sich etwas zu früh auf den Weg und hatte eine Trinkschwäche, so das wir leider für kurze Zeit sondieren mussten.
Also bekam mein Sohn auf der Frühgeboren-Station zwischenzeitlich Muttermilchersatznahrung durch eine Flasche oder die Sonde und nebenbei etwas abgepumpte Muttermilch von mir. Das Abpumpen kannte ich ja schon, aber diesmal war es wirklich anstrengend und ich musste anfangs stündlich abpumpen, bis die Milch endlich einschoss.
Als er nach zwei Tagen etwas wacher war, durfte ich ihn erstmals anlegen. Ich konnte mir zunächst überhaupt nicht vorstellen, dass dieser winzige Mund es schaffen würde genug von der Brustwarze in den Mund zu nehmen, um Trinken zu können. Aber nach einigen „Andock“ -Versuchen, hatte er den Dreh raus und ich konnte ihn immer anlegen bevor er den Rest aus der Flasche bekam. Ich habe zu der Zeit auch viel über das Thema Saugverwirrung gelesen und hatte natürlich die Sorge, dass uns das passieren könnte. Aber leider schaffte die Krabbe es noch nicht, ausreichend an der Brust zu trinken. Und als wir nach zwei Wochen entlassen wurden, bekam er noch nach jedem Anlegen ca. 50 ml abgepumpte Muttermilch oder Muttermilchersatznahrung mit der Flasche. Ich war zwar über das Stillen an sich informiert, aber ich hatte keine Hebamme mehr bekommen und wusste auch nicht, dass es Stillberaterinnen gibt. Somit kannte ich leider auch die stillfreundlichen Zufüttermethoden, wie Brusternährungsset oder Cup Feeding nicht, was uns einiges erleichtert hätte.
Da wir einen Tag vor Weihnachten entlassen wurden, war die Situation allgemein auch sehr stressig. Gerade, da der Große natürlich ein richtiges Weihnachten haben wollte. Nun verbrachte ich Weihnachten zwischen Abpumpen, Anlegeversuchen und schlussendlich frustrierter Fläschchengabe und ließ in erster Linie die Familie alles „Festliche“ regeln. Als der Weihnachtsstress etwas nachließ und der Große über die Weihnachtsferien bei seinem Papa war, hatte ich etwas mehr Zeit und Ruhe, um mich einfach voll auf das Stillen konzentrieren zu können. Ich schaffte es, nur noch in den Nachmittag und Abendstunden, eine Flasche hinterher geben zu müssen, weil er endlich lange genug trank, um auch den Milchspendereflex bei mir auszulösen. Abends war er dann manchmal so unruhig, dass ich dachte, er muss noch etwas bekommen, weil die Milch nicht reichen würde. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass Stillkinder oft nachmittags und abends Clustern, um die Milchbildung anzuregen.
Silvester kam und es war ziemlich klar, dass ich mit den beiden Kindern nicht raus gehen würde und so blieb ich lieber Zuhause. Ich hatte es geschafft, genug Milch nebenbei abzupumpen, um die Ersatznahrung weglassen zu können. Zudem war ich ganz froh, dass ich Zuhause in Ruhe die Pumpabstände einhalten konnte. In der Silvesternacht ist die Krabbe dann sehr häufig wach geworden und ich wollte eine, etwas längere Schlafpause, nutzen um abzupumpen. Ich saß auf der Couch und wollte meine Pumpe – die ich mir extra für Zuhause gekauft hatte – an das Ladegerät anschließen und schaute nicht richtig hin als ich sie einfach einsteckte. Leider waren mehrere Stecker in der Steckerleiste, unter anderem für ein frerngesteuertes Auto des Großen, bei dem zufällig der Anschluss gleich der Pumpe war. Nur das die Volt-Zahl viel höher war und meine Pumpe plötzlich ununterbrochen summte. Ich steckte sie sofort um, aber da war es schon zu spät und mir trat der Kaltschweiss auf die Stirn.
„Wo sollte ich in der Silvesternacht eine neue Pumpe herbekommen?“, war mein erster Gedanke und prompt meldete sich die Krabbe wieder mit Hunger. Ich legte ihn an und hatte plötzlich totale Panik, ihn nicht satt zu bekommen. Ich stöberte schon davor online in einigen Mama-Stillgruppen rum und hatte dort gelesen, dass die Nachfrage das Angebot regelt. Aber in meinem Kopf waren tausend Fragen und ich wurde innerlich immer nervöser bis ich bemerkte, dass während mein Gedankenkarussel sich immer weiter drehte, die kleine Krabbe friedlich an der Brust eingeschlafen war.
Da es schon fast wieder morgens war und ich wusste, tagsüber würde er es schaffen an der Brust ausreichend zu trinken, beruhigte ich mich etwas und rief erstmal meine Mutter an von der ich wusste, das sie eine Waage hat. Sein geringes Gewicht war meine größte Sorge und ich wollte eine Gewichtsabnahme unbedingt vermeiden. Da unser Arzt über die Feiertage geschlossen hatte, rief ich kurzerhand im Krankenhaus auf der Station an, wo wir vorher gelegen hatten und schilderte meine Situation und meine Sorge wegen dem Gewicht. Die Schwester am Telefon sagte direkt, dass ich außer einer Kontrolle mit der Waage nicht viel machen könne, aber es Stillberaterinnen gäbe. Und wenn ich mir zu unsicher sei, solle ich doch die Flasche geben.
Also suchte ich mir im Internet die Nummer einer Stillberaterin raus und als ich endlich eine gefunden hatte, war ich total optimistisch. Ich telefonierte sehr lange mit der Dame. Sie nahm sich Zeit und hörte sich den ganzen Fauxpas mit meiner Pumpe an und merkte wohl meine Anspannung und Sorge in der Stimme. Sie versuchte mir etwas die Angst zu nehmen und sagte mir, dass ich das Gewicht alle zwei Tage kontrollieren sollte, aber hauptsächlich drauf achten müsse, dass wir ausreichend nasse Windeln haben und und ich ihn bei dem kleinsten Hungerzeichen stille.
Nach dem Gespräch ging es mir besser und ich befolgte die Ratschläge. Ich legte mein Kind nach Bedarf an und wog ihn. Als wir dann zwei Wochen später endlich zur Vorsorgeuntersuchung gingen, hatte die Krabbe laut meiner Waage, gut zugenommen. Trotzdem war ich aufgeregt und umso mehr erleichterte es mich, als der Arzt uns bestätigte, dass das Gewicht und das Wachstum passten. Ich sollte weiterhin nach Bedarf stillen und einmal in der Woche wiegen bis zur nächsten Vorsorge. Ich war überglücklich und auch stolz, dass wir es geschafft hatten nach den ganzen Strapazen endlich voll zu Stillen.
Auch jetzt nach 13 Monaten stillen wir noch gerne und viel. Übers Abstillen mache ich mir keine Gedanken, notfalls beantragen wir eine Stillpause für’s Abitur 😉 Das ist natürlich Spaß, aber ich genieße es so sehr nach diesem Kampf und möchte mein Kind selbst bestimmen lassen, solange er es braucht und wir uns beide gut dabei fühlen.
Und wie ist das bei euch gewesen? Wolltet ihr Stillen und hattet ihr vielleicht auch einen schweren Start? Könnt ihr euch vorstellen lange zu stillen oder seid ihr noch ganz am Anfang und lasst es auf euch zu kommen?  Ich bin gespannt auf eure Antworten und Stillgeschichten.
Eure Jana-Eliza