Ein Essen bei Oma

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Ein Essen bei Oma

Meine Oma ist 83, sie ist zum Glück super fit für ihr Alter und lässt es sich nicht nehmen uns in regelmäßigen Abständen zu bekochen. Sie liebt unsere Gesellschaft und die ihrer Urenkel und wir das gute hausgemachte Essen. Wir unterhalten uns über Dies und Das und immer wieder schwelgt sie in Erinnerungen und erzählt uns aus ihrer Kindheit. Dabei merkt man immer wieder wie groß die Unterschiede zwischen ihrer Jugend und der Kindheit ihrer Urenkel sind.

Heute gibt es Königsberger Klopse, das Leibgericht meines Mannes. Wir haben beim Rollen der Klopse geholfen, den Salat geschnibbelt und nun sitzen wir zusammen am Tisch. Wir Erwachsenen langen ordentlich zu und auch die Kinder tun sich selbst auf. Mein Großer möchte keine Kartoffeln, nur Klopse mit Soße. Die Kleine nimmt von allem etwas. So wie auch Daheim lassen wir die Kinder selbst entscheiden was und vorallem wieviel sie essen wollen. Sohnemann isst seine Klopse auf. Auf meine Frage hin, ob er noch mehr wolle, antwortet er, er sei satt und steht auf. „Du hast aber nicht gut gegessen! Nimm noch ein paar Kartoffeln“ Mein Sohn verneint und verzieht sich mit seinem Buch ins Wohnzimmer. Unverständnis macht sich auf dem Gesicht meiner Oma breit und sie quittiert diesen Frevel mit einem missbilligenden Schnaufen. Wohlwollend schaut sie nun auf meine Tochter, die mit großem Appetit die Soße vom Teller schaufelt. „Du hast fein aufgegessen! Dann bekommst du auch noch einen Nachtisch!“

Mein Mann und ich tauschen einen kurzen Blick. Wir wissen, dass meine Oma in einer Zeit aufgewachsen ist, als man an manchen Tagen nicht wusste ob es bald wieder etwas zu essen gab und man jede Mahlzeit auf Grund der Knappheit ganz anders zu schätzen wusste. Es wurde gegessen was es gab und vor allem wurde aufgegessen. Nichts durfte verschwendet werden. Ich verstehe, dass sich diese Denkweise einbrennt und schwer wieder abzulegen ist.

Aus meiner eigenen Kindheit habe ich immer noch Sätze wie „Es wird gegessen was auf den Tisch kommt“ oder „Wenn du nicht aufisst, gibt es morgen schlechtes Wetter“ in Erinnerung. Ich habe also aufgegessen, ob ich nun satt war oder nicht. Mein Körper hat gesagt „es reicht, genug“ und trotzdem habe ich den Teller leer gemacht. Auch heute ignoriere ich noch häufig mein Sättigungsgefühl, esse auf, denn es darf nichts verschwendet werden.

Was geschieht mit dem Körper wenn die eigenen Warnzeichen übergangen werden? Das Gefühl des Sattseins setzt aus und man isst zu viel, der Magen dehnt sich. Man nimmt immer mehr Nahrung auf um letztendlich satt zu werden. Hinzu kommt der Druck der auf ein kleines Kind ausgeübt wird, wenn man ihm die Schuld am schlechten Wetter gibt. Oder es glauben könnte, dass wir es noch lieber hätten oder noch stolzer wären, wenn es die Riesenportion auf seinem Teller vertilgt.
Einer Essstörung steht nun kaum noch etwas im Weg.

Gerade beim Thema „Essen“ ist es wichtig auf die Selbstregulierung von Kinder zu vertrauen. Sie haben ein ungetrübtes, reines Körpergefühl und Sie holen sich das was sie brauchen. Wenn ich das Gefühl habe, sie haben vielleicht etwas wenig gegessen, biete ich etwas später noch einen Snack an. Obst, einen Joghurt oder Fruchtquark. Haben sie noch Hunger, bedienen sich, wenn nicht dann nicht.

Uns geht es gut, wir müssen nicht hungern, unser Kühlschrank ist voll. Wir haben den Luxus essen zu können was und wann wir wollen. Wir sollten also diesen Luxus genießen und bewusst wahrnehmen. Nahrungsaufnahme sollte kein Zwang sein.

Wie macht ihr das? Sind eure Kinder „gute Esser“? Ich freue mich auf eure Antworten.

Alles Liebe
Denise