Sind U-Untersuchungen Pflicht

mama blog, Vorsorgeuntersuchung, Gesetz

Vorsorgeuntersuchungen von den eigenen Kindern ist eine Normalität. Regelmäßig werden die Kinder durchgecheckt, gemessen, gewogen und alles wird in das U-Heft eingetragen. Bis letzten Freitag habe ich jedoch nicht intensiver über das Thema nachgedacht. Wo sind die U-Untersuchungen eigentlich Pflicht?

In Deutschland sind die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder gesetzlich im § 26 SGB V. geregelt. Die Vorsorgeuntersuchungen werden bundesweit nach den Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres („Kinder-Richtlinien“) durchgeführt.

Jedoch gibt es auch unterschiedliche Regelungen nach Ahndung von Versäumnis der Untersuchung, in den Bundesländern (siehe Kinderschutzgesetz des jeweiligen Bundeslandes).

In Bremen, Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Brandenburg, Sachsen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen gibt es, aufgrund eines 2009 erlassenen Gesetzes, Meldebehörden, sodass ein Datenaustausch zwischen Meldebehörde und Kinder-/Jugendärzte besteht, um Vorsorgeuntersuchungen sicherzustellen.

In Baden-Württemberg besteht die Pflicht, jedoch obliegt es der Gemeinde diese Pflicht nachzuverfolgen und ggf. zu ahnden. Einige Gemeinden ahnden es insofern, dass die versäumte U-Untersuchung im Gesundheitsamt nachgeholt und dann privat bezahlt werden muss. Zur Einschulungsuntersuchung wird jedoch überall in BW das U-Heft gesichtet.

In Bayern wird es ähnlich gehandhabt wie in Baden-Württemberg.

Österreich:

Mutter-Kind-Pass – in diesem werden Vorsorgeuntersuchungen für Mutter (Schwangerschaft) und Kind (ab Geburt) festgehalten. Der Mutter-Kind-Pass und die Untersuchungen sind Pflicht, jedoch kostenfrei (auch ohne Krankenversicherung von Mutter und Kind!), allerdings ist er Voraussetzung für weitere Sozialleistungen!

Schweiz:

In der Schweiz gibt es ebenfalls vorgeschriebene Untersuchungen für Kinder. Diese werden in einem Heft notiert. Es gibt feste Termine, in denen die Kinder untersucht werden sollen, die letzte Untersuchung findet im 14. Lebensjahr statt.

England:

Ab dem 7. Lebenstag bis zum 5. Lebensjahr gibt es Vorsorgeuntersuchungen (und Impfungen), die in einem roten Vorsorgeheft festgehalten werden.

USA:

In den USA ist es unterschiedlich, je nach State, geregelt. Pflicht besteht keine, aber es wird zu Vorsorgeuntersuchungen geraten. Kindergärten und Schulen setzen Impfungen und spezielle Untersuchungen voraus.

Niederlanden:

Hier gibt es auch vorgeschriebene Kindervorsorgeuntersuchungen und sogar Impfungen, diese finden jedoch in einer zentralen Institution der Jugendgesundheitsbehörde statt. Die Untersuchungen und Ergebnisse werden in einem Heft (ähnlich wie in Deutschland) notiert.

Letzte Woche hätte ich eigentlich die U6 mit meiner Tochter gehabt. Leider waren wir alle krank und es war nicht möglich den Termin wahrzunehmen. Daher sagte ich den Termin ab und wollte einen erneuten Termin für die U6 bekommen. 6 Wochen ging noch die Frist. Doch mir wurde gesagt, dass es keinen Ersatztermin geben wird. Nachdem die Arzthelferin den Terminkalender durchgeschaut hatte, erklärte sie mir am Telefon, dass wir keinen neuen Termin bekommen können, da sie komplett voll seien. Sie könnte mir einen Impftermin im Mai anbieten, da könnte man evtl. die Kleine auch wiegen und messen, allerdings gibt es keinen Stempel im U-Heft. Die nächste Untersuchung wäre dann die U7a. Auf meine Bedenken, dass die Vorsorgeuntersuchungen doch Pflicht seien, entgegnete mir die Dame, dass es keine Vorschrift sei und das niemand kontrollieren würde, sie geben nämlich keinerlei Daten weiter.

Ich war wirklich perplex. U6 einfach ausfallen lassen? Ich will doch jede Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen und keine Lücke in diesem Heft. Ich möchte keine Mutter sein, die ihrer Tochter nicht die bestmöglichste ärztliche Betreuung bietet. Ich möchte doch ihre Entwicklung objektiv beurteilt lassen und ich möchte auch nicht, dass ich DIE Mutter bin, die sich bei der Einschulungsuntersuchung für eine Lücke im U-Heft rechtfertigen muss. Es wäre mir auch einfach sehr unangenehm und peinlich! Außerdem dachte ich doch immer die Vorsorgeuntersuchungen sind Pflicht?

Als die Kinder schliefen forstete ich mich durch das Internet und fand folgenden Text auf dem Server des Landesrechtes BW:

„§ 1 Präventiver Schutz der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

(1) Die Personensorgeberechtigten sind verpflichtet, die Teilnahme ihrer Kinder an den Früherkennungsuntersuchungen im Sinne der Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (Kinder-Richtlinien) nach § 26 Abs. 2 in Verbindung mit § 25 Abs. 4 Satz 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) sicherzustellen. Die Verpflichtung nach Satz 1 besteht unabhängig vom Versichertenstatus der Personensorgeberechtigten oder ihrer Kinder.

(2) Sämtliche Behörden des öffentlichen Gesundheitsdienstes schützen und fördern die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

(3) Die Gesundheitsämter führen nach § 8 des Gesundheitsdienstgesetzes (ÖGDG) Einschulungsuntersuchungen sowie Maßnahmen zur Erkennung und Verhütung von Zahnerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen durch. Sie informieren und beraten nach § 7 ÖGDG zur gesundheitlichen Prävention und Gesundheitsförderung. Hierbei weisen sie auch auf die nach Absatz 1 bestehende Verpflichtung zur Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche hin und beraten über Personen, Einrichtungen und Stellen, die vorsorgende, begleitende und nachsorgende Hilfen anbieten und gewähren können.

(4) Die Gesundheitsämter arbeiten im Rahmen ihrer Aufgaben mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen, insbesondere mit Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe, zusammen.“

Das Gesetz ist hierzu also eindeutig. Nur die Aussage meiner bisher wirklich sehr beliebten Kinderarztpraxis so gar nicht. Nach einer schlechten Nacht und vielen Gedanken dazu, aber auch einem regen Austausch mit Freunden, rief ich im Gesundheitsamt an und schilderte den Fall. Ich wurde mit der zuständigen Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin verbunden. Sie erklärte mir, dass es definitiv im Gesetz verankert ist, aber nicht geahndet wird. Das bedeutet in unserer Stadt, dass Kinderärzte nicht an das zuständige Gesundheitsamt die Daten zwecks der Vorsorgeuntersuchungen weiterleiten. Die U6 nicht nachzuholen würde mir also keine direkten Probleme bringen. Jedoch empfiehlt sie natürlich die U6 nachzuholen, da die Entwicklung so kontrolliert wird und keine Lücke im Vorsorgeheft entsteht. Zudem hat sie auch darauf hingewiesen, dass sie bei den Einschulungsuntersuchungen ein besonderes Augenmerk auf das U-Heft legt und schon nachfragt, wieso Untersuchungen da ggf. fehlen!

Ich habe mittlerweile einen Termin zur U6 in einer Allgemeinarztpraxis. Glücklicherweise sogar bereits nächste Woche. Die U6 ausfallen zu lassen, war für mich keine Option.

Hattet ihr auch schon Probleme einen Termin beim Kinderarzt zu verlegen? Habt ihr bisher alle U-Untersuchungen wahrgenommen? Ich bin gespannt auf eure Erlebnisse.