Unser Weg zu Attachment Parenting – AP Reihe

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Attachment Parenting – Ich muss zugeben, ich habe mich nie wirklich damit beschäftigt, was AP bedeutet. Eigentlich hab ich mich vor der Geburt unserer Tochter überhaupt nicht damit befasst, wie ich erziehen möchte. Mein Mann und ich hatten einige Vorstellungen im Vorfeld abgeklärt, die auf unseren Werten oder positiven bzw. negativen Erlebnissen aus unserer Kindheit basierten. Ansonsten, so dachten wir, werden wir dann schon wissen, was zu tun ist.
Ich wusste schon vor meiner Schwangerschaft, dass ich mein Baby tragen möchte. Ich hatte mich nie mit der Theorie dahinter auseinander gesetzt, sondern hatte einfach ein gutes und richtiges Gefühl, bei dem Gedanken daran, mein Baby auch nach der Geburt nah am Körper zu tragen. Natürlich kauften wir einen Kinderwagen. Im Nachhinein bin ich sehr glücklich darüber, dass wir ihn gebraucht gekauft haben, denn im ersten Lebenshalbjahr unserer Tochter haben wir ihn so gut wie gar nicht benutzt. Unsere Tochter zeigte uns schon mit zarten drei Wochen sehr deutlich, dass sie viel lieber getragen werden möchte. So wurden wir von geplanten Gelegenheits-Trageeltern zu Vollzeit-Trageeltern. Auch mein Mann wurde nach anfänglicher Skepsis ein begeisteter Trage-Papa, der es sichtlich genossen hat.
Auch beim Thema Schlafen zeigte uns unsere Tochter sehr unmissverständlich, was ihre Bedürfnisse sind. Schon im Krankenhaus schlief sie in ihrem Beistellbettchen sehr unruhig, so dass ich sie nachts zu mir geholt habe. Schnell haben wir gemerkt, dass wir beide so viel besser schlafen. Glücklicherweise wurden wir von sehr lieben Kinderschwestern betreut, die mir zwar die offizielle Empfehlung des Krankenhauses, das Baby im Beistellbett schlafen zu lassen, erzählten, aber mit einem Augenzwinkern sagten „Sie beide sind eine Einheit, auch in der Nacht“. So wurde unser Beistellbett Zuhause eine wunderbare Ablagefläche für meine Brille, mein Buch und andere Dinge, die frau eben so braucht, und ein tolles Bett für unsere Katzen.
Schlaf ist ja immer ein sehr viel besprochenes Thema bei Babys. Unsere Tochter ist nun fast acht Monate alt und musste noch nie alleine einschlafen. Das liebevolle und geborgene Begleiten in den Schlaf ist mir sehr wichtig. Natürlich ist es auch manchmal anstrengend, v.a. an den Tagen, an denen es zwei Stunden dauert. Aber wenn sie dann friedlich schlafend neben mir liegt, ist dieser Anblick der beste Lohn. Auch tagsüber schlafen wir meistens gemeinsam. Es gibt immer wieder Phasen, in denen sie nur auf ihrem Papa oder mir schlafen kann. Ebenso gab es Phasen, in denen sie fast in unserer Tragehilfe gewohnt hat. Auch das ist manchmal anstrengend, aber auch genauso schön.
Das Familienbett ist in den Nächten auch besonders praktisch beim Stillen. Ich merke viel früher, wenn meine Tochter Hunger bekommt, kann sie einfach anlegen und wir schlummern beide selig weiter. Stillen war auch eine Sache, über die ich mir vorher nie wirklich Gedanken gemacht hatte. Ich hatte aufgrund der Empfehlung der WHO den Plan, die ersten sechs Monate zu stillen. Und dann? Danach stillt man ab und gibt die Flasche – dachte ich. Heute weiß ich, dass eine Stillbeziehung kein Haltbarkeitsdatum hat und nicht nach sechs Monaten abläuft. Nein, es ist absolut legitim, auch darüber hinaus zu stillen. Wir haben nicht vor, so bald damit aufzuhören, denn wir genießen es immernoch so sehr wie am Anfang.
Tragen, Familienbett, Stillen – auf den ersten Blick sind das für mich die drei Säulen von Attachment Parenting. Dabei beeinflusst AP jeden Lebensbereich, jede Entscheidung, die wir treffen, jede Situation, die wir erleben.
Für mich ist AP nicht nur, eine Art, mit meinem Kind umzugehen, sondern ein Menschenbild. Um bedürfnisorientiert mit meinem Kind umzugehen, muss ich zunächst die Bedürfnisse erkennen. Schon alleine das ist bei einem Baby manchmal wirklich schwierig. Aber im zweiten Schritt muss ich die Bedürfnisse meines Babys respektieren, genauso wie ich die Bedürfnisse eines Erwachsenen respektiere. Oft fällt mir auf, dass gerade Babys Bedürfnisse aberkannt werden, weil es dem Erwachsenen gerade so nicht passt oder vielleicht auch weil das Baby sich nicht wehren kann. Manchmal steckt vielleicht auch die Erwartungshaltung dahinter „Andere Babys mögen das auch oder lassen das auch mit sich machen“. Aber ist ein Baby nicht auch ein fertiger Mensch, der das Recht auf seine Grenzen, Bedürfnisse, Vorlieben und Kompetenzen hat? Die Freiheit des einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Dieses Zitat von Immanuel Kant ist mir seit der Schulzeit im Gedächtnis geblieben und ist für mich ein wichtiger Aspekt. Darf ein Baby denn schon Freiheiten haben, vielleicht sogar etwas außerhalb der Norm mögen oder ablehnen? Ich bin absolut überzeugt davon. Nur weil ein Baby sich nicht wehren oder widersprechen kann, heißt das nicht, dass es keine Grenzen hat. Im Zusammenhang mit eigener Freiheit sind die eigenen Grenzen sehr wichtig, beim Erwachsenen wie beim Baby. Ich gestehe diese Grenzen meinem Baby zu, denn dadurch ermögliche ich meiner Tochter ihre Freiheit, solange sie dadurch keinen Schaden davon trägt oder in Gefahr ist. Meine Tochter kann es zum Beispiel nicht leiden, in der Babyschale angeschnallt zu sein, wenn wir mit dem Auto fahren. Das kann ich ihr aber leider nicht ersparen. Diese Freiheit kann ich ihr zu ihrer eigenen Sicherheit nicht geben. Da ich ihr Bedürfnis aber ernst nehme, versuche ich, ihr diese Situation zu erleichtern, indem ich z.B. bei ihr hinten sitze, wenn mein Mann fährt.
Abgesehen von solchen Situationen, in denen die Sicherheit über den eigenen Grenzen steht, gibt es so viele Momente im Umgang mit einem kleinen Baby, in denen ich AP lebe. Meine Tochter wollte von Anfang an nicht im Wiegegriff gehalten werden. Sie wollte aufrecht gehalten werden, weil sie so viel mehr sehen und sich gleichzeitig viel besser ankuscheln kann. Für mich ist völlig klar, dass ich das respektiere. Ich zwinge ihr keine Position auf, in der sie sich nicht wohl fühlt, nur weil es andere Babys vielleicht so mögen. Das erwarte ich auch von allen anderen, die mit meiner Tochter umgehen. Niemals würde man einen Erwachsenen in eine körperliche Position bringen und zwingen, darin zu bleiben, in der er nicht sein möchte. Warum dann bei einem Baby?
Ein anderes Beispiel ist die Frage, ob ein Baby sich von jedem halten lassen geschweige denn sich von jedem beruhigen oder in den Schlaf wiegen lassen muss. Ich sage nein. Wenn meine Tochter sich sichtlich unwohl bei jemand anderem fühlt, vielleicht sogar weint, dann muss sie da nicht durch. Sie muss sich auch nicht daran gewöhnen. Natürlich ist es v.a. für Familienmitglieder schwierig, wenn das Baby sich nicht von ihnen halten lassen und lieber zurück zum Papa oder zur Mama möchte. Aber eine erwachsene Person kann damit einfacher umgehen und diese Situation rational durchdenken, als ein Baby, das einfach ein Bedürfnis nach einer vertrauten Person hat. Wenn meine Tochter sich bei jemand anderem wohl fühlt, perfekt! Dann soll sie von dort die Welt erkunden in dem Wissen, dass ihr Papa und ich da sind, wenn sie uns braucht. Wenn sie aber zurück zu mir möchte, dann hat sie jederzeit das Recht dazu.
Jetzt, nach acht Monaten Mama-Sein, sehe ich, dass wir uns nie rational dazu entschlossen haben, Teil der AP-Familie zu werden. Wir haben vorher nie etwas darüber gelesen. Unsere Tochter und unsere Herzen haben uns dazu hingeführt. Erst seitdem unsere Tochter da ist und ich einige Bücher und Artikel zu Themen wie Familienbett oder Tragen gelesen habe, ist mir bewusst geworden, dass wir AP leben. Diese Art, mit unserer Tochter umzugehen, war von Anfang an selbstverständlich für uns.
Wie ist euer Weg zu AP, eure ganz eigene AP-Geschichte? Erzählt mir gerne davon.
Liebe Grüße,
Eure Laura