Fehlgeburt – mein Sternenkind

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Als ich Ende 2014 merkte, dass meine Periode ausblieb, hatte ich sofort die Hoffnung, dass ich vielleicht schwanger sein könnte. Da es aber in den sechs Monaten davor einfach nicht hat klappen wollen, war ich mit meiner Freude etwas zurückhaltend und habe erst einmal abgewartet, ob vielleicht doch noch die Blutung einsetzt. Als ca. zwei Wochen später, nach Weihnachten und Neujahr noch immer nichts passiert war, ging ich dann doch zum Frauenarzt und habe einen Test machen lassen. Und tatsächlich, ich war schwanger! Ich konnte es kaum glauben, habe meinem Mann gleich ein Foto vom Ultraschallbild geschickt. Wir waren so überglücklich, dass es endlich geklappt hat, wir endlich ein Baby haben würden.
Es ist nichts Neues, dass die ersten drei Monate kritisch sind und man mit der frohen Nachricht lieber erst danach rausrücken sollte. Ich wollte mich ursprünglich auch genau daran halten. Aber mein Mann war so aufgeregt und konnte es nicht für sich behalten. Deshalb habe ich mich überreden lassen, dass wir es Freunden und Familie schon recht bald erzählen. Soweit so gut, das Herz schlug und unser Baby wuchs. Wir kamen der Dreimonats-Schwelle immer näher und nun wussten es bereits die ganze Familie und die engsten Freunde/Bekannten. In der 11. SSW war schon ein richtiges Baby auf dem Ultraschall erkennbar, mein Baby! Ich tat alles dafür, dass es dem Kleinen gut ging. Haare färben war tabu, auf die Ernährung habe ich besonders geachtet (soweit es meine Übelkeit erlaubte) und meine Vitamine habe ich auch brav geschluckt. Vier Wochen später, in der 15. SSW musste ich allein zum Arzt, was mich etwas traurig gestimmt hat. Jetzt war mein Mann gar nicht dabei, um unser Baby zu sehen. Ich hatte ohnehin die ganze Zeit schon ein komisches Gefühl, hätte ihn gerne dabei gehabt. Aber ok, dann kommt er halt das nächste Mal mit, dachte ich mir.
Dann war es soweit, ich wurde aufgerufen und eine mir unbekannte Vertretungsärztin begann mit dem Ultraschall. Sie fuhr lange kommentarlos auf dem Bauch hin und her und ich fragte sie, ob sich das Baby verstecke. Da schaute sie mich ernst an und sagte mir, dass sie keine Herztöne und keine Kindsbewegungen sehen könne. Ich wurde starr und konnte nicht glauben, was sie mir da gerade sagte. Das musste ein Irrtum sein! Sie suchte noch eine ganze Weile, doch vermutlich eher mir zuliebe. An der Diagnose änderte das nichts. Mein Baby lebte nicht mehr und das, wie sie mir mitteilte, schon seit gut drei Wochen nicht mehr. Das Herzchen von unserem 0,4 (weil ich im 4. Monat war hatten wir ihn/sie so genannt) hatte in der 12. SSW aufgehört zu schlagen. Die Ärztin erzählte mir, dass sie selber zwei Fehlgeburten hatte und danach zwei gesunde Kinder bekommen hat und dass ich es weiter probieren solle. Doch all das half mir in dem Moment nicht. Meine Welt war zusammengebrochen und das Schlimmste war, dass ich es meinem Mann telefonisch mitteilen musste. Auch er brach völlig zusammen. Da erst merkte ich, wie wahnsinnig er sich eigentlich auf das Kind gefreut hatte.
Am nächsten Tag wurde ich operiert und das Baby durch eine Ausschabung „entfernt“. Ich fühlte mich so leer wie noch nie, nachdem man mir mein Baby aus dem Bauch genommen hatte und ich habe vor seelischem Schmerz nur noch ins Kissen geschrien, sobald ich einen Moment allein war.
Die nächsten Wochen waren der Horror. Neben all der Trauer waren da noch die ganzen Leute, die über unseren Verlust informiert werden mussten. Das übernahm zum Glück mein Mann. Auch wenn ich über seine ruhige Art, mit der FG umzugehen, damals sehr wütend war, bin ich heute doch froh, dass wenigstens er nicht komplett in ein Loch gefallen ist. Sein Leben ging irgendwie weiter, meins war im Stillstand. Zu allem Übel war sechs Wochen später unsere lang geplante Hochzeit und es war noch so viel zu organisieren. Wie sollte ich mich jetzt darauf konzentrieren oder mich darauf freuen? Ich war hin- und her gerissen, weil ich mich so lange gefreut hatte, zu heiraten und gleichzeitig war ich so traurig. Den Junggesellinnenabschied eine Woche vorher brachte ich noch recht widerwillig hinter mich. Dann war der große Tag da und ich muss sagen, dass ich das erste Mal seit der FG wieder richtig lachen konnte und tatsächlich einen schönen und unvergesslichen Tag verbracht habe. So wie es bei der eigenen Hochzeit sein sollte.
Mittlerweile haben wir unser sechs Monate altes Folgewunder, unser Regenbogenkind. Dass wir überglücklich sind und dieses Glück doppelt zu schätzen wissen, muss ich kaum erklären. Der Schmerz und die Trauer über unser Sternenkind sind aber nach wie vor da und ab und zu bricht es noch aus mir heraus. Man kann eben kein Kind mit einem anderen Kind ersetzten. Es ist eine Erfahrung, auf die ich sehr gerne verzichtet hätte. Das Mutter sein genieße ich dadurch jetzt doppelt und ich freue mich sogar über die schwierigen Momente. Denn lieber habe ich zehn schlaflose Nächte hintereinander, als einen einzigen Tag ohne meine Tochter. Sie macht jeden Tag zu etwas Besonderem und ein Lachen von ihr vertreibt alle Sorgen.
Natürlich ist das kein Thema, über das man gern redet, aber vielleicht habt ihr, oder jemand der euch nahe steht, eine ähnliche Erfahrung machen müssen. Wie seid ihr damit umgegangen und was hat euch geholfen, mit dem Verlust umzugehen?
Eure Sabrina

2 Kommentare

  1. Hallo Sabrina,
    ich habe gerade diesen Text gelesen und es hat mir Tränen in die Augen getrieben. Ich habe auch im März 2015 in der 15. Ssw mein Baby verloren. War bei meiner Ärztin und diese konnte auch keine Herztöne mehr feststellen. Jetzt sitze ich hier mit meinem 7 Monate alten Baby und kann mein Glück kaum fassen.
    Es kommt mir vor als ob hier meine Geschichte geschrieben steht. Habe mich 1:1 wieder erkannt.
    Alles Gute für dich

  2. Vielen Dank, für deine ehrlichen und traurigen Worte. Ich hoffe so inständig, dass ich mich niemals von einem so sehr gewünschten Kind verabschieden muss 🙁

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