Komplikationen bei der Geburt

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Schon ein paar Wochen vor dem errechneten Termin, wurde ich langsam nervös und vielleicht war auch ein wenig Angst vor dem Unbekannten dabei und vor Komplikationen bei der Geburt. Als es dann endlich soweit war, sechs Tage nach dem errechneten Termin, war dann alles ganz anders, als ich es mir erhofft hatte.

Um 5:15 Uhr morgens platzte mir die Fruchtblase. Ich hatte nicht schlafen können, denn es war das heißeste Wochenende im August, mit bis zu 37 Grad, die sich gefühlt im Schlafzimmer angestaut hatten. Mein Mann lief hektisch durchs Zimmer und war kurz überfordert. Da hatte ich die Ruhe weg und erklärte ihm nochmal die nächsten Schritte.  Denn zum Glück hatte man mir einen Tag vorher gesagt, dass mein Baby fest im Becken liegt, sodass ich aufstehen durfte. Ich bin dann erst einmal duschen gegangen, bevor ich im Kreißsaal anrief. Dann zogen wir uns schnell an, schnappten uns die Kliniktasche und mit dem Taxi ging es dann ins Krankenhaus. Leichte Wehen merkte ich zu diesem Zeitpunkt auch schon.

Dort angekommen wurde ich von einer sehr rabiaten Hebamme ans CTG gehängt. Die würde mich doch nicht etwa durch die Geburt begleiten? Ich bekam etwas Panik. Sie untersuchte ungläubig meine Unterwäsche, ob denn wirklich Fruchtwasser ausgelaufen war. Dann glaubte sie mir endlich. Das war leider kein sehr guter Start. Doch die Erlösung kam schnell, denn kurze Zeit später war Schichtwechsel und Katrin, eine sehr nette Hebamme in meinem Alter, stellte sich uns vor. Was für eine Erleichterung! Sie sprach ganz ruhig mit mir und sagte, sie würde mich durch die Geburt begleiten. Ich fühlte mich sehr wohl mit ihr und entspannte mich. Zunächst sollten wir nochmal auf Station gehen und uns etwas ausruhen, sie wollte uns dafür ein Zimmer fertig machen lassen und ging, um alles zu organisieren. Als sie wenige Minuten später zurückkam, lag ich keuchend auf dem Boden, denn ganz plötzlich hatten starke Wehen eingesetzt, die mir durch den ganzen Rücken zogen. Statt in ein Stationszimmer, ging es nun direkt in den Kreißsaal.

Was dann folgte war für mich ein absoluter Albtraum. Die Schmerzen konnte ich kaum aushalten, denn die Wehen kamen in so kurzen Abständen, dass ich keine Erholungspausen bekam. Ich ertrug dabei auch keine Berührungen meines Mannes oder der Hebamme, was für mich sehr untypisch ist. Lachgas und Schmerzmittel brachten rein gar nichts, außer den Rausch meines Lebens und eine allergische Reaktion, die meine linke Gesichtshälfte runterhängen ließ. Obwohl ich früher immer gegen eine PDA war, bettelte ich letztendlich darum. Gerade noch rechtzeitig, viel länger hätte ich nicht warten dürfen. Ich bekam die PDA und die Schmerzen waren weg, die Wehen aber leider auch. Erst nach ca. einer Stunde kamen die Wehen wieder, dann aber mit voller Kraft. Wieder lag ich keuchend da und versuchte sie irgendwie zu veratmen. Ich habe mich wohl zu sehr gegen die Wehen gewehrt, aus Angst vor den Schmerzen. Das hat es mir unnötig erschwert. Da ich mich so schwer tat, schlug die Hebamme eine angenehmere Position vor und ich wechselte von der Seite in den Vierfüßler. Ja es war angenehmer, aber wieder waren die Wehen weg und die Geburt verzögerte sich ein weiteres Mal. In der Zwischenzeit war meine Mutter dazu gekommen, um meinen Mann und mich mit Getränken und Snacks zu versorgen. Sie meinte, ich solle einfach sagen, wenn sie dann gehen soll. Doch dazu kam es nicht, denn plötzlich ging alles ganz schnell.

Ruckartig hatte ich wieder Wehen (wohl Presswehen) und zu allem Übel sagte man mir, dass die Herztöne meiner Tochter schlecht seien, sie also ganz schnell rausmüsse. Man hängte mich an den Wehentropf und ich bekam die volle Dröhnung. Auch von einem Notkaiserschnitt war die Rede. Ich hatte furchtbare Angst um mein Baby. Vor so einer Situation hatte ich immer gefürchtet. Aber ich wollte es ohne Kaiserschnitt schaffen, ich wollte mein Baby selber retten und gab von diesem Moment an alles. Die Ärztin sagte irgendwas von einer Saugglocke, aber so richtig bekam ich das gar nicht mit, ich presste so gut wie nur möglich, aber dann kam ein höllischer Schmerz, den ich kaum ertragen konnte. Das war wohl der Moment des Dammschnitts und des Einsetzens der Saugglocke. Wobei es natürlich sehr schwer ist zu sagen, was genau so weh getan hat, denn all das geschah während einer ohnehin schmerzhaften Presswehe. Wir waren jetzt beim Endspurt und die Ärztin motivierte mich nochmals, bei der nächsten Wehe alles zu geben. Und das tat ich dann auch! Ich vergaß wohl das Atmen, daran wurde ich nochmal erinnert. Aber eigentlich war mir das egal, ich wollte nur mein Baby retten. Ich presste, unten wurde mit der Saugglocke gezogen und oben drückte ein zweiter Arzt mit aller Kraft meinen Bauch nach unten, um meiner Tochter den Weg nach draußen zu verkürzen. Solche Schmerzen hatte ich noch nie in meinem Leben, aber ich ertrug sie gerne, wenn es nur meinem Baby gut ginge.

Ein letztes Mal war noch nötig, da die Kleine mit den Schultern festhing. Noch eine Wehe, noch einmal pressen, drücken und ziehen und es war endlich geschafft. Um 13.54 Uhr, nach nur 8,5 Stunden seit Platzen der Fruchtblase, war unsere Tochter Sophie da! Mein Mann und ich hatten Tränen in den Augen und wir freuten uns unendlich.

An Vieles erinnere ich mich leider nicht mehr, aufgrund der ganzen Situation. Ich weiß nur, dass ich keinen Schrei hören konnte und panisch nachfragte. Die Ärztin beruhigte mich und sagte, dass es dem Baby gut ginge, sie sich nur kurz erholen müsse, da es auch für die Kleine sehr anstrengend war. Ich erinnere mich leider nicht an den ersten Schrei meines Kindes oder an meine Gefühle zu diesem Zeitpunkt. Auch an das Gefühl, als ich sie das erste Mal im Arm hatte und an das erste Stillen kann ich mich kaum erinnern. Ich stand wohl zu sehr unter Schock. Nur daran, dass mein Mann die Nabelschnur durchgeschnitten hat, erinnere ich mich. Das hat mich damals sehr beruhigt. Mein Baby war endlich da, sie war gesund, wir hatten es geschafft! Dass meine Mama bei der Geburt dabei war, war so zwar nicht geplant, ist aber im Nachhinein ganz schön. Sie hat uns sehr unterstützt und mich immer wieder angetrieben, vor allem als es gegen Ende so kritisch wurde. Der Grund für die Komplikationen war eine zu kurze Nabelschnur, ließ mich die Ärztin dann noch wissen. Immer, wenn meine Tochter „raus wollte“, wurde sie zurückgezogen. Daher kamen auch die schlechten Herztöne.

Aber das ist alles nicht so wichtig. Sophie ist gesund und munter und hat sich in den letzten sieben Monaten wunderbar und altersgemäß entwickelt. Wir hatten also jede Menge Glück und da ich vorher eine tolle Schwangerschaft hatte, bin ich mit der nicht ganz so schönen Geburt trotzdem halbwegs im Reinen. Bereits 4 Tage nach der Geburt war ich wieder fit und bin mit meiner Maus in der Stadt bummeln gegangen. Das ist zugegeben sehr früh und nicht zwangsläufig empfehlenswert, aber wir haben uns unglaublich schnell erholt. Für das nächste Mal wünsche ich mir natürlich etwas weniger Action bei der Entbindung und hoffe, dass ich mehr von diesem eigentlich wundervollen Ereignis mitbekommen darf.

Hattet ihr eine „normale“ Geburt oder gab es Komplikationen? Habt ihr auch „Gedächtnislücken“? Ich bin auf eure Geburtserlebnisse gespannt!

Eure Sabrina