Du bekommst ein Geschwisterchen

Im Juni 2015 habe ich erfahren, dass ich noch einmal Mama werde. Mein Mann und ich haben uns riesig gefreut – ein Geschwisterchen für unseren zweieinhalbjährigen Räuberjungen! Doch wann und vor allem wie überbringen wir ihm die frohe Botschaft? Wird der Große sich überhaupt freuen? Hat er das Gefühl nicht mehr so viel wert zu sein, sogar sich weniger geliebt fühlen? Ich möchte euch darüber berichten, wie wir unseren Sohn darauf vorbereitet haben und auf was wir geachtet haben.
Zuerst war es uns wichtig die ersten Wochen abzuwarten, ohne unseren Sohn darüber zu informieren. Wir haben ca. 20 Wochen abgewartet und ihm dann erzählt, dass Mama’s Bauch immer größer wird, da darin ein Baby wächst. Das war eine persönliche Entscheidung und ich finde, jede Familie muss selbst den richtigen Zeitpunkt finden. Unser Sohn wurde von uns natürlich positiv gepusht, er war voller Vorfreude und wusste: Er wird der beste Bruder auf der ganzen Welt sein und großer Bruder zu sein, ist einfach unglaublich cool!
Meine größte Angst war jedoch schon manchmal gegenwärtig: Ich wollte auf keinen Fall, dass er nur ansatzweise denken könnte, er ist nicht mehr mein großer, toller, perfekter Junge. Denn er wird immer für mich so besonders und toll bleiben! Ich habe ihm das auch immer versucht zu vermitteln und für ihn war alles eigentlich ganz normal.

Schwierig war für uns die Ungewissheit: Wann kommt das Baby eigentlich?

Wir hofften: Bitte nicht nachts. Und das hatte einen ganz einfachen Grund. Ich wollte nicht, dass ich meinen Sohn nachts plötzlich und unvorbereitet alleine lassen musste oder er ohne Mama und Papa bei den Großeltern schlafen müsste, obwohl er eigentlich noch nicht bereit dafür war! Für dieses „Problem“ hätten wir wirklich keine Lösung parat gehabt. Ich denke im Notfall hätte es auch bei Oma und Opa geklappt, denn vor der Geburt war er einfach noch nicht bereit bei Oma und Opa ohne mich zu schlafen. Zwang ist immer der falsche Weg, deshalb haben wir ihn nie dazu gezwungen oder gedrängt. Für uns ist das sehr wichtig und by the way: Drei Monate nach der Geburt unserer Tochter war unser Sohn bereit bei den Großeltern zu schlafen 😉

Wir hatten dann auch wirklich Glück: Das Mädchen machte sich an einem wunderbaren Sonntag Mittag auf den Weg und mein Mann war abends wieder bei unserem Sohn. Nach 30 Minuten auf der Welt hat unser Sohn dann auch seine Schwester das erste Mal gesehen. Für 1 Minute war er total verliebt und küsste sie, streichelte ihre Haare. Und dann? Danach war er 20 Minuten damit beschäftigt wie Tarzan am Bett zu hangeln 😉 Es war ein schönes Gefühl für mich, dass er so unbedarft und positiv gestimmt war ohne jegliche Eifersucht.
Die Zeit danach war für mich schwer, ich hatte einfach so eine große innere Angst, dass er sich weniger geliebt fühlen könnte. In einigen Situationen fühlte ich mich so zerrissen. Für meinen Räuber war es so wichtig, dass Mama bestimmte Dinge macht: Socken anziehen (es ist nun mal so, ich kann viel besser Socken anziehen, als mein Mann – die Sockenqueen bin ich!), Zähne putzen und Schuhe anziehen. Immer wenn ich stillte, musste mein Räuber auf’s Klo und brauchte meine Hilfe. Immer wenn ich gestillt habe, hatte er Durst. Manchmal fühlte ich mich zerrissen, man will es beiden Kindern Recht machen und weiß gar nicht, wie es gehen soll beiden gleicher Maßen gerecht zu werden. Ich denke, es war für uns alle eine Umstellung und nach einigen Wochen war es eigentlich wirklich so, als wäre es nie anders gewesen. Heute kann ich mich gar nicht mehr vorstellen so eine Angst in gehabt mir zu haben, da alles automatisch läuft. Jeder weiß, manchmal muss man kurz warten, aber meistens schaffe ich es alle Bedürfnisse zu stillen und das in gleicher fairer Reihenfolge.
Ich denke, es braucht Zeit bis man in einer Art Routine ist, die Hormone abgeklungen sind und man sich wieder eingefunden hat.Für uns weiß ich, gibt es nichts Schöneres als ein Geschwisterchen und so weiß ich, auch ein weiteres Geschwisterchen ändert nichts an der bereits bestehenden Bindung zu jedem Kind. Es bereichert die Familie, meine beiden Kinder wachsen durch die gemeinsamen Erfahrungen und lieben sich über Alles. Alleine das treibt mir vor Rührung die Tränen in die Augen.
Es gibt nichts Schöneres als meine beiden Kinder zu sehen, wie sie spielen, zoffen und kuscheln.
Wie war es bei euch mit dem Zweiten?
Liebe Grüße
Jasmin