Mama am Limit

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Bei uns ging es seit Dezember mehr oder weniger drunter und drüber. Mein Papa war relativ schwer krank, ich musste arbeiten, seine Arbeit zum Teil mit erledigen und Mann und Kinder waren ebenfalls da und brauchten mich. Dazu kam der Tod meiner Oma, die im September verstorben war, was speziell in der Weihnachtszeit sehr schwer war, zu begreifen, dass dies das erste Weihnachten ohne sie sein würde. Dass dann mein Vater mit seinen Herzproblemen überraschend an Heilig Abend noch ins Krankenhaus musste, machte es nicht besser.

So habe ich einfach zur auf Autopilot geschaltet und versucht, alles am Laufen zu halten, zu managen und irgendwie zu überleben. Ich lag Nachts vor lauter Sorgen, Erschöpfung und den vielen, vielen Gedanken stundenlang wach und um 5:30 Uhr war regelmäßig die Nacht zu Ende.

Im Grunde bin ich ein sehr optimistischer Mensch, bei mir ist das Glas immer halb voll und ich sehe in vermeintlichen Niederlagen grundsätzlich eine Chance und mein Motto lautet immer: „Nichts geschieht ohne Grund“.

Aber diese Monate haben mich wahrlich geschlaucht und ich konnte meinen Kindern nicht in der Form gerecht werden, wie ich es gerne getan hätte – und da Kinder einen gerne spiegeln war die Zeit bei uns zu Hause sehr anstrengend, laut und ungemütlich.

Pünktlich zu meinem 40. Geburtstag streikte dann mein Körper und zwang mich dank eines Infektes zur Ruhe. Und siehe da, die Welt drehte sich auch ohne mich weiter 😉

Die Kinder freute es, weil sie nach dem Kindergarten Fernseher schauen konnten, wie sie wollten, weil ich drei Tage lang kaum aufstehen konnte.

Im Februar wurde es dann langsam besser, mein Papa wurde operiert und wir mussten keine Angst mehr haben, dass er in der Nacht einen Herzstillstand erleidet und nicht wieder aufwacht.

So konnte ich mich etwas entspannen und wieder mehr Zeit mit den Kindern und weniger Zeit im Büro verbringen; vor der OP meines Vaters musste ich teilweise ganztags arbeiten, weil ich seine Arbeit mit erledigen musste in der Firma und all die tausend Sachen, die er normal organisierte und an die er dachte und delegierte, mit übernehmen musste, da natürlich auch meine Mama vor laute Sorgen um ihren Mann kaum arbeiten konnte. Einer musste ja stark bleiben und die Firma am Laufen halten.

Ich merkte gar nicht, was ich in der Zeit alles leistete, für mich war das Normalzustand und ich war immer ganz baff, wenn mich jemand darauf ansprach, wann denn ICH mir mal wieder eine Auszeit nehmen würde.

Eines Nachmittags, als sich die Sonne endlich einmal wieder blicken lies, habe ich meine Kinder gepackt und bin spontan mit ihnen in die Stadt gefahren, es musste ein Geburtstagsgeschenk gekauft werden und ein Nachmittag mehr oder weniger an der frischen Luft war sehr verlockend.

Ich war noch so in meinem Trott mit „schnell, schnell“, dass ich meine Kinder zur Eile antrieb und total genervt war, wenn sie etwas länger brauchten und ständig am Meckern war. Der schöne, geplante und auch herbei gesehnte Stadtbummel mit meinen Kindern drohte zum Desaster zu werden.

Als ich total genervt auf meinen Sohn wartete, der fröhlich die Fußgängerzone entlang hüpfte, sah ich mich in einem Schaufenster und erschrak: Wer wer diese Frau, die völlig verkniffen drein schaute, der die Mundwinkel nach unten hingen und die völlig gestresst und genervt war???

War das wirklich ich??? Wo war die gutgelaunte, lebenslustige und fröhliche Frau, die ich sonst war? Die Mama, die mit ihren Kindern auf einem Bein mitten in der Fußgängerzone Wetthüpfen machte?

Was war nur mit mir passiert, dass ich zu einer Mama wurde, die ich nie sein wollte? Die genervt von ihren doch so gewünschten Kindern war und sie an diesem Tag als Last und nicht als Glück empfand? DAS konnte es nicht sein und so sollte und durfte es auch nicht weiter gehen!

Als ich das realisiert hatte, habe ich meine Kinder erst mal geknuddelt und bin mit ihnen ein Eis essen gegangen. Hüpfend und auf einem Bein 😀

Dieser Tag war irgendwie ein Wendepunkt. Sicher habe ich immer wieder Stress, sicher nerven die Kinder an manchen Tagen und sind anstrengend, aber meistens liegt es dann tatsächlich an mir, wenn der Stress wieder über mich hereinzubrechen droht!

Wenn ich das bemerke, ziehe ich ganz schnell die Reißleine und das neue Zauberwort heißt „entschleunigen“. Dann sitze ich mit meinem Kaffee auf der Couch oder im Garten und genieße ihn nach der Arbeit, egal, wie schmutzig die Küche ist, gehe mit den Kindern in den Garten und schubse meinen Sohn 100 Mal an, obwohl er es alleine könnte, lese meiner Tochter, obwohl eigentlich schon zu spät, noch eine Gute-Nacht Geschichte vor und an manchen Tagen machen wir einfach mal GAR NIX! Der Dreck läuft uns schon nicht weg, aber die gemeinsame Zeit schon!

Kennt ihr das auch, wenn ihr glaubt, alles bricht über euch herein? Wie kommt ihr aus dieser Spirale wieder heraus?

Liebe Grüße

Eure Nadine