Das zweite Kind läuft mit

Mehrbelastung zweites kind, mehr Kinder mehr Arbeit

„Das zweite Kind läuft einfach so mit.“
Ach, ja?

Im Arm hatte ich das weinende, schreiende Baby, vor mir saß das weinende und mich mit völligem Unverständnis anschauende Kleinkind und ich saß mittendrin, tränenüberströmt.
Was war passiert? Ich wollte doch nur beide Kinder gleichzeitig ins Bett bringen.

“ Das zweite Kind läuft einfach so mit.“
DENKSTE!!!!

Zwei Wochen waren wir nunmehr zu 4. und es war alles andere als so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nichts lief einfach so mit, vieles lief einfach nur komplett aus dem Ruder…

Doch nun von Anfang.

Das Baby wurde im Schweinsgalopp geboren und ich wollte ebenso schnell wieder nach Hause. Nach Hause zu meinem großem Sohn, der nach der Geburt offenbar einen Wachstumsschub von mindestens 10-15 cm und mehreren Jahren hingelegt hat.

Daheim angekommen sollte alles wieder wie vorher laufen. Dachte ich.

Doch wirklich nichts war mehr so, wie es mal war. Es dauerte mehrere Wochen, bis wir uns alle aufeinander eingespielt hatten und unseren neuen Platz innerhalb der Familie gefunden hatten.

Diese anfänglichen Wochen waren echt anstrengend. Ach was sage ich, sie waren schlichtweg der Horror für mich. So viel geheult wie in den ersten 6 Wochen nachdem das Speckbaby geboren war, habe ich seit meiner eigenen Geburt nicht.

In wirklich vielen Bereichen hatte ich einfach eine komplett falsche Erwartungshaltung. “ Das zweite Kind läuft einfach so mit.“ Ist wohl der dämlichste Satz, den ich jemals zu hören bekam oder den ich  sogar selbst aussprach!

Die Sache mit der Wäsche:
Großkotzig hab ich meiner Oma gegenüber behauptet; Oma, das ist ein Baby, da wird nicht so viel mehr Wäsche anfallen. Hahaha! Das sich dieses süße Speckbaby aber auch jedes Mal; ja wirklich jedes Mal, bis zum Nacken vollkackt, konnte doch aber niemand ahnen. Zumindest ich nicht. Und das es spuckt wie ein kleiner Reiher auch nicht. Hieße also, ich musste und muss es immer noch so gut wie jeden Tag die Waschmaschine quälen.

Die Zeit im Kindergarten:
Kurz vor der Geburt kam der Große in den Kindergarten.
Gedacht habe ich, dass ich in der Zeit in der er im
Kindergarten ist, den Haushalt wuppen kann. Und mit dem
Hund gehen. Und Zeit mit dem Baby verbringen.
In der Theorie klang das echt machbar. Nach nun fast einem halben Jahr geht der Große für sage und schreibe 2h in den Kindergarten und ich bin froh, wenn ich den Hund übers Feld zerren und dem Speckbaby eine frische Windel verpassen kann. Ach so, ich habe nun eine Putzfrau, sponsored by Schwiegermama. Kann ich nur empfehlen. Das beste Geschenk zur Geburt.

Schlaf Kindlein Schlaf:
Allein das Zubettgehen gestaltete sich nicht so wie erwartet. Erwartet hatte ich, dass Baby in den Schlaf zu stillen und dann mit dem Großen noch zu lesen. In der Realität ließ sich der Kleine jedoch nicht in den Schlaf stillen 😉 wieder eine zu hohe Erwartungshaltung.

Bei einer Sache lagen meine Vorstellung gar nicht so 100%ig daneben:

Die schlaflosen Nächte.

Nun gut, auch hier hatte ich nicht damit gerechnet, dass der Große seitdem er in den Kindergarten geht, einfach jede Erkältung und jeden Magen-Darm-Virus anschleppt. Natürlich erwischt es entweder Mama oder Papa oder alle gleich mit. Und nein, der Mann wird auch mit zunehmender Anzahl an Kindern nicht weniger wehleidig. Im Gegenteil.
Und zwischen jedem „Mami, bitte Nase putzen. Mami, ich hab ins Bett gekotzt. Mami, habe ich aufs Baby gekotzt?“ wird natürlich das Speckbaby gestillt oder gewickelt oder umgezogen.

Wann schlafe ich eigentlich?

Die Schläfchen über den Tag verteilt:
Wie schön es werden wird. Das Baby wird friedlich in seinem Laufstall schlummern und ich werde in der Zeit den Großen bespaßen können.
Das Speckbaby hat noch nie in seinem Laufstall geschlafen, vielmehr lebt es seit Geburt auf mir oder meinem Mann.
Ablegen? Fehlanzeige.

Stillen:
Apropos stillen. Für mich war von Anfang an klar: das Baby wird auch wieder nach Bedarf gestillt, was soll denn da schon schief gehen? Hat ja beim Großen auch super funktioniert.
Das Speckbaby hat in den ersten zwei Lebenswochen mehr gekotzt und gespuckt als ich in meinem ganzen Leben und kam mit meiner niagaraartigen Milchmenge so gar nicht klar.
Sogar hier gab es also Probleme, die zum Glück nach einem kurzen Schnitt des Zungenbändchens behoben werden konnten. Puh. Das hätten wir also geschafft, dank einer geduldigen Stillberaterin.

Zeit für mich:
Ja, ich gebe es zu, ich war verwöhnt, was meine Freizeitgestaltung anging, da der Große einfach unkompliziert war und mich ja einfach weniger brauchte. So konnten ich auch mal  mit ner Freundin essen gehen, während Papa auf ihn aufpasste.
Und bums, da ist das Baby.
Jetzt bin ich froh, wenn ich so 2 mal im Monat Zeit habe mir den Bart unter den Armen wegzurasieren.
Es heißt jetzt auch noch Beinbart. Hat der Große liebevoll festgestellt, dass die Mami unter den Armen und an den Beinen einen langen Bart hat wie der Papi.
Gut, dass ich da noch die Hosen anhatte
😉

„Das zweite Kind läuft einfach so mit.“

Wenn ich also ein Resume ziehen soll, dann würde ich sagen, dass nichts so ist, wie ich es mir vorgestellt hab. Nichts lieg einfach so. Es war hart und manchmal noch viel härter meinen BEIDEN Kindern nur ein Stückchen gerecht zu werden.
Doch Durchhalten lohnt sich!

Heute, das Speckbaby ist fast ein halbes Jahr alt, ist einfach alles besser, schöner, liebevoller, aufregender und eben ganz anders als gedacht,
denn mit dem zweiten Kind zog mindestens noch mal genauso viel Liebe ein und diese Liebe entschädigt einfach für alles.

Wie erging es euch so mit dem zweiten oder dritten oder vierten Kind?

Liebste Grüße an alle werdenden Mehrfach-Mamis.

Eure Franzi