Die Höhen und Tiefen einer Frau

Frau werden, Frau in the city, erwachsen werden, in der Stadt Frau sein, höhen und tiefen, Weiblichkeit, große weite Welt
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Während meiner Jugend hat der Wunsch vom Kinder haben oder nicht haben wollen, wie bei vermutlich vielen Frauen, sehr oft geschwankt. Für mich stand aber eines immer fest: Ich wollte sein wie meine Mama. Denn wie die eigene Mama ist, kann man nur ganz schwer in die richtigen Worte fassen.
Beschreibungen wie „einzigartig warm“,“eine unbeschreibliche Frau“ und „der sicherste Hafen der Welt“, treffen es da wohl am besten.  So wollte ich später werden, so wollte ich für meine Kinder sein. Da ahnte ich aber noch nichts von den Höhen und Tiefen einer Frau und späteren Mama.
Ich hatte 1-2 wirklich schlimme pubertierende Jahre in denen ich teilweise sehr garstig war zu meiner Mama. Sie und ich haben oft geweint – ich vor Wut über Gott und die Welt, sie aus Schmerzen im Herz, die nur eine Mutter fühlen kann. Die Krönung dieser Pubertät war, dass ich mir in den Kopf setzte „nur“ mein Fachabi zu machen und trotz Engelszungen seitens der Schule und meiner Mama zog ich des durch- noch mehr sogar: Ich verließ (für mich endlich, für meine Mama viel zu früh) die Wohnung meiner Eltern. Ich wollte um selbstständig sein und meine Ausbildung dort zu beginnen, wo ich geboren wurde und mich von jeher ausschließlich wohl gefühlt habe: in Thüringen.
Am Tag des vorläufigen Abschieds hätte ich nicht stolzer sein und meine Mutter nicht mehr leiden können; davon erfahren hab ich erst sehr viel später, denn mir waren die Höhen und Tiefen einer Frau und späteren Mutter noch immer nicht im vollen Umfang klar.
Insgesamt wohnte ich schon fünf Jahre lang allein und mittlerweile in meiner zweiten, eigenen Wohnung als ich auf den Mann traf, durch den mein Leben endlich eine positive Wendung bekam. Jegliche Eskapaden bis zu dem Punkt – sei es Abbruchgedanken meiner Ausbildung, frisch verliebt sein, gescheiterte Freundschaften und Beziehungen, neue Jobs und die sonstigen kleinen und großen Fehler des eigenen Erwachsenwerdens – bestritt meine Mama auch über all die Kilometer hinweg mit mir. Sie stand mir immer beiseite, hatte meistens gute Ratschläge für mich und war immer auf meiner Seite, auch wenn ich wieder Flausen im Kopf hatte und sie vielleicht von vornherein wusste, wie es ausgeht. Die Fehler von der einzigen eigenen Tochter vorauszusehen und doch zu akzeptieren und unterstützend dabei zu stehen, muss wohl auch zu den Höhen und Tiefen einer Frau und späteren Mama gehören…
Diese sollte ich nun auch langsam kennenlernen, denn ihr erinnert euch an den Mann, der in mein Leben getreten war? Ja, wir haben schnell gemerkt, dass wir füreinander sprichwörtlich der Deckel auf dem Topf darstellten. Wir zogen nach einem halben Jahr offiziell zusammen und genossen unsere gemeinsame Zeit. Selbst bei zahlreichen Krankenhausaufenthalten war er immer da für mich. Dieser eine allerdings sollte den Stein für unsere Familiengründung ins Rollen bringen: Aufgrund eines stark vereiterten Eileiters, samt Eierstock und noch mehr Eiter im Bauchraum, wurde ich operiert. Danach legte man uns ans Herz, ich solle doch am gesunden Eileiter eine Fertilitätsbestimmung durchführen lassen, da der operierte nun eindeutig keine Chance mehr ließe, um schwanger werden zu können. Da stand ich nun und musste mich urplötzlich auf einen eventuellen Verlust einstellen, den ich so gar nicht auf dem Schirm hatte. Aber etwas weggenommen zu bekommen, was man hätte haben können, ist wirklich mies. Denn auch wenn ich, wie anfangs erwähnt, immer noch nicht sicher war über den Zeitpunkt oder das Ausmaß meines Kinderwunsches, hatte ich doch zumindest den Mann dafür gefunden. Und nun das?!
Also haben wir im Kinderwunschzentrum einen Termin ausgemacht und sind zur Untersuchung gefahren. Fazit am Ende des Tages: natürliche Befruchtung und Schwangerschaft ausgeschlossen. BÄÄM! In my Face!
Wenn man sich selbst gegen etwas entscheidet, dann ist es das eine Sache. Aber wenn es die Natur macht, ist es definitiv keine der Höhen, sondern eine der Abgrundtiefen einer Frau und späteren Mama. Zuhause hielten wir Kriegsrat und stellten mit Bestürzung fest, dass eine künstliche Befruchtung allein vom Finanziellen her erst nach dem 25. Lebensjahr und einer Heirat gelänge. Und so legten wir das Thema aus Eigenschutz vorerst auf Eis. Die besagte Untersuchung war am 17.03.2015. Den April über gab es dann ganz viel Zweisamkeit und jene zusammen mit ein wenig verstrichener Zeit, hat alles ein wenig normalisieren können, sodass im nächsten Monat dann einiges geplant war: Erst einen österreichischen Abend genießen, mit 6 Gängen und passenden Getränken (sehr feucht-fröhlich) und Ende des Monats das Festival „Sputnik Springbreak“ unsicher machen: das Wetter war herrlich, die Leute lustig und alles hat gepasst, nur der liebe Alkohol wollte nicht so recht schmecken – naja Höhen und Tiefen einer Frau und späteren Mama eben, wie ich später feststellen sollte.

Der Monat Juni hielt nämlich eine ungeheuer große Überraschung für uns bereit. Nachdem ich einige Probleme beim Essen auf die Schwüle des Sommers schob, passten trotz täglichem Fitnessstudio nach der Schicht trotzdem meine Hosen nicht mehr und alles war irgendwie komisch. Aller Diagnosen zum trotz fiel der Schwangerschaftstest positiv aus und 3 Tage später gratulierte mir meine Frauenärztin zur 8. Schwangerschaftswoche!! Könnt ihr euch diese Achterbahn der Gefühle vorstellen?!

Mein Weg zum Frau werden war bis dahin also definitiv voller Höhen und Tiefen. Und nun sollte ich tatsächlich später eine Mama sein?!

Habt ihr Ähnliches erlebt? Falls ihr wissen möchtet, wie es dann bei uns weiterging, lest mehr im nächsten Teil meiner Geschichte über die Schwangerschaft und dem anschließenden Geburtsbericht.

Eure Carina