Notkaiserschnitt – Wenn es schnell gehen muss

mama blog, Erfahrungen Geburt, wie ist eine Geburt

mama blog, Erfahrungen Geburt, wie ist eine Geburt

Alles begann an einem Freitag im Juli. Nachdem mir ab der 34. Schwangerschaftswoche Bettruhe verordnet wurde und es immer wieder hieß, es könne jederzeit losgehen, waren wir bei 40+5 angelangt. Ich lief morgens noch zu meiner Frauenärztin, da ich ab dem ET jeden zweiten Tag zur Kontrolle musste, die mich mit den Worten verabschiedete: „Es sieht nicht so aus, als würde sich da über das Wochenende etwas tun, fahren sie Montag Morgen ins Krankenhaus zur Einleitung“. Nachdem ich also wochenlang gebangt hatte, dass meine Tochter noch ein bisschen aushalten möge, hatte ich nun plötzlich Angst vor der drohenden Einleitung.

Nach dem Mittagessen wollten wir eigentlich einkaufen fahren, aber ich wurde schlagartig so müde, dass ich erst noch ein Schläfchen machen wollte. Eine Stunde später, gegen 15.00 Uhr wachte ich mit dem Gefühl auf, sehr dringend zur Toilette zu müssen. Dort wurde mir aber schnell klar, dass meine Fruchtblase geplatzt war, denn es lief und lief und lief. So packte mein Mann die letzten Sachen in meine Kliniktasche wie Zahnbürste und Handyladekabel und eine Stunde später machten wir uns auf den Weg ins Krankenhaus. Dort wurde ich gleich untersucht und bekam ein Zimmer. Ich hatte keine Wehen und sollte alle zwei Stunden in den Kreißsaal kommen zum CTG. Da sich um 20.00 Uhr noch nichts tat, fuhr mein Mann nach Hause, damit wir uns beide noch ein bisschen ausruhen konnten. Um halb 3 nachts war ich wieder beim CTG und merkte dort die ersten stärkeren Wehen, die aber noch sehr unregelmäßig waren. Laut Hebamme würde es noch dauern und sie schickte mich zurück in mein Zimmer. Davor gab sie mir die Nummer, unter der ich sie immer erreichen konnte, und sagte, dass ich jederzeit wieder kommen könne, wenn ich es nicht mehr im Zimmer aushalte. Wieder auf meinem Zimmer kamen die Wehen plötzlich immer öfter und heftiger und ich musste mich sehr zusammen reißen, da ich meine Zimmernachbarin und ihren kleinen neugeborenen Sohn nicht mit meinen Schmerzenslauten wecken wollte. So rief ich gegen dreiviertel 4 in der Nacht bei der Hebamme im Kreißsaal an und ging wieder nach vorne mit dem Gedanken im Kopf, meine Tochter bald in den Armen zu haben.

Ich legte mich in das große Bett im Kreißsaal und wurde wieder ans CTG angeschlossen. Die Wehen kamen jetzt regelmäßig und stark, doch noch in zu großen Abständen. Die Hebamme sagte, wenn ich wollte, könnte ich meinen Mann anrufen, was ich um 4.00 Uhr nachts tat. Nach dem Telefonat machte mir die Hebamme den Vorschlag, in die warme Badewanne zu gehen, um mich ein bisschen zu entspannen. Vor der Geburt wollte ich niemals in diese Badewanne gehen, in diesem Moment aber war mir alles recht. Als wir auf dem Weg zur Badewanne waren, kam auch schon mein Mann, zum Glück wohnen wir nur wenige Minuten vom Krankenhaus entfernt. Das warme Wasser tat erst sehr gut, aber schnell wurde es mir in Kombination mit der Hitze – damals hatte es tagsüber über 35 Grad und in der Nacht über 25 – zu heiß und mir wurde schwindelig und schlecht. Ab diesem Zeitpunkt beginnt meine Erinnerung zu verschwimmen. Ich wurde sehr schnell wieder aus der Wanne gehoben und konnte mich wieder in das große Bett legen, wo ich mich mehrmals übergeben musste. Gleichzeitig hatte ich unglaublichen Durst und ich schwitzte alles, was ich trinken konnte, sofort wieder aus.

Die Wehen waren mittlerweile extrem, die meisten Schmerzen hatte ich im Rücken und in den Beinen. Ich hatte immer das Gefühl, meine Beine bewegen zu müssen und drehte mich von einer Seite zur anderen. Immer wieder sackte mein Kreislauf ab und ich musste mich übergeben. Dadurch konnte ich die Wehen nicht richtig veratmen und die Herztöne meiner Tochter fielen immer wieder ab. Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte.

Mein Mann war mein Fels in der Brandung, der mir den Schweiß abwischte, meine Kotz-Tüte hielt und mir Wasser brachte. Er gab mir auch seine Hand, um sie während der Wehen zu drücken, aber ich hatte keine Kraft dazu, sondern hielt einfach nur einen Finger fest.

Nachdem ich mich erneut übergeben musste, rief die Hebamme den Arzt hinzu, der mich ebenfalls untersuchte und die Herztöne meiner Tochter überprüfte. Der Arzt erklärte mir das Ergebnis seiner Untersuchung, ich verstand vor lauter Schmerz und Schwindel aber nichts. Ich wusste nur, etwas stimmte mit dem Köpfchen meiner Tochter nicht. Ich bekam zweimal einen Wehenhemmer und etwas zur Stabilisation des Kreislaufes gespritzt, der jeweils ca 10 Minuten wirkte, in denen ich vor Erschöpfung einschlief.

Als die Herztöne meiner Tochter wieder schlechter wurden, bekam ich ein direktes CTG, um genauere Werte zu bekommen. Ich kann für diesen Zeitraum gar keinen genauen Bericht schreiben, da ich durch die Hitze, den Schwindel und die Schmerzen alles wie im Delirium erlebte. Meine Erinnerung wird erst wieder ab 7.00 Uhr morgens klar, als der Arzt sagte, dass ein Kaiserschnitt nötig wäre und im OP mit den Worten „Es eilt“ anrief. In diesem Moment bekam ich sehr große Angst und mein ganzer Körper begann zu zittern.
Die Hebamme legte mir den Katheter, zog mir die Thrombose-Strümpfe an und sofort wurde ich in ein anderes Bett gehoben. Der Weg in den OP kam mir unendlich weit vor und ich sah immer nur meinen Mann an. Ich konnte auch in seinen Augen die Sorge sehen und da dachte ich mir, dass es schlimm sein muss. Denn normalerweise bringt ihn nichts aus der Fassung. Er durfte zuerst auch nicht mit in den OP und so wurde ich alleine hinein gefahren.

Ich musste mich aufsetzen, damit die Spinale gelegt werden konnte. Während dessen hatte ich wieder eine Wehe und ich zitterte. Da hatte ich noch mehr Angst, weil ich nicht richtig still halten konnte und befürchtete, dass die Spinale daneben geht. Die Hebamme hielt mich fest im Arm und sah mir direkt in die Augen mit den Worten „Für deine Tochter“. Sie hat mir in diesem Moment unglaublich geholfen.

Nachdem die Spinale gelegt worden war, legte ich mich hin, meine Beine wurden schon schwer und meine Arme wurden fixiert. Über mir sah ich nur das Gesicht eines Anästhesisten, der beruhigend auf mich einredete und mir erklärte, was gerade passiert. Als der Vorhang vor meinem Gesicht aufgebaut war, durfte mein Mann in den OP. Ich habe ihn zuerst nicht erkannt, da er auch in voller OP-Montur war, aber da waren seine Augen. Ich habe einfach immer ihn angesehen, während es an meinem Körper ruckelte und zog.

Nach kurzer Zeit kam wieder das Gesicht des Anästhesisten in mein Blickfeld, der mich fragte „Spüren Sie etwas?“ Als ich das verneinte, sagte er lächelnd: „Das ist gut, denn sie schneiden schon“ Bei jeder Bewegung des Arztes, die ich nur als Zerren und Ruckeln an meinem Körper spürte, erklärte er uns, was der Arzt gerade macht.

Auf einmal hieß es um 7.37 Uhr „Sie ist da!“ und ich sah, wie ein kleines Menschenbündel mit Haaren auf dem Kopf an mir vorbei getragen wurde. Ich hatte dann Sorge, weil ich kein Schreien oder anderes Geräusch von ihr gehört habe, aber das folgte wenig später. Die Hebamme hielt mir dann meine Tochter neben das Gesicht. Ich konnte sie das erste Mal richtig sehen und küssen. Sie war so wunderschön. Sie war wach und hatte die Augen offen. Sie sah mich mit einem Blick an, der so viel Ruhe und Wissen ausstrahlte, so als würde sie sich über die ganze Hektik wundern, da sie doch alles im Griff hatte.

Die Hebamme fragte meinen Mann, ob er die Nabelschnur abschneiden möchte, und ich konnte sehen, wie hin und her gerissen er war. Er wollte so gerne mit unserer Tochter mit, aber mich auch nicht alleine lassen. Ich wollte, dass unsere Tochter ihren Papa dabei hat, während sie untersucht wurde, also schickte ich ihn mit. Der Anästhesist beruhigte ihn mit den Worten „Dann tätschel ich solange Ihre Frau“ Das machte er dann auch und redete weiter beruhigend auf mich ein, während ich wieder zugenäht bzw. geklammert wurde. Während dessen wurde mir noch einmal übel und ich musste mich noch einmal übergeben.

Als ich fertig war, wurde ich in den Aufwachraum gefahren, wo ich um diese Uhrzeit die einzige war. Die Ruhe tat mir nach der ganzen Hektik und Aufregung gut, mein Körper kam langsam wieder zur Ruhe und hörte auf zu zittern, die Übelkeit verschwand. Ich glaube, ich bin auch ein bisschen eingenickt.

Nach einiger Zeit kamen dann auch die Hebamme, mein Mann und unsere Tochter. Die Hebamme legte mit unsere Tochter auf die Brust und half mir, sie das erste Mal anzulegen. Dieser erste Kuschelmoment war so wunderschön. Ich hatte unsere Tochter fast 41 Wochen unter dem Herzen getragen, aber jetzt konnte ich sie sehen und kuscheln. Ihr Papa und ich waren in diesem Moment so glücklich, es war trotz der Komplikationen ein perfekter Moment zu dritt, den unsere Tochter ganz genüsslich auf meiner Brust verschlafen hat.

Im Nachhinein habe ich dann erfahren, dass unsere Tochter eine Sternenguckerin war und sich dadurch im Becken verkeilt hat. Gleichzeitig waren die Wehen zu stark, so dass ihr Köpfchen dadurch, dass sie festgesteckt hat und der Druck auf den Kopf zu groß wurde. Ich bin sehr dankbar, dass der Arzt und die Hebamme das erkannt und schnell reagiert haben, auch wenn ich während der Geburt nicht wirklich bei Sinnen war. Generell muss ich sagen, dass ich sehr dankbar für das gesamte Team bin, das uns in dieser Nacht betreut hat. Alle waren sehr einfühlsam und strahlten trotz der Komplikationen immer Ruhe und Sicherheit aus. Sogar den ein oder anderen Lacher konnte das OP-Team uns während des Kaiserschnittes entlocken. Jeder aus dem Team der Geburtshilfe in dieser Nacht war ein Engel für uns, der uns half, unseren kleinen Engel auf die Welt zu holen.

Was ist eure Geschichte? Hattet ihr auch ein Sternengucker-Baby? Ich freu mich auf eure Geschichten,

Eure Laura