Erwartungen

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Es ist schwierig, wenn man anderer Leute Erwartungen erfüllen möchte, aber nicht kann. Noch enttäuschender ist es, wenn man die Erwartungen, die man an sich selbst hat, nicht erfüllt. Das zieht einen runter und macht das Leben unnötig schwer.

Aber was sind das für Erwartungen? Wer ist diese Mutter, die ich an manchen Tagen gern sein würde? Was hat sie, was ich nicht habe und würde es mir tatsächlich besser gehen, wenn ich ein bisschen mehr wie sie wäre?

Stellen wir uns mal vor:
Jeden Tag fahre ich von 8 -13 Uhr zu meinem Job, der Lippenstift sitzt und die Bluse ist gebügelt! Ich habe die Kinder in der perfekten Kita abgegeben mit Brotdosen, die ausgewogen und gesund befüllt sind. Natürlich ohne Gebrüll und Geschrei. Nebenbei trage ich mich noch auf die Kuchenliste für das Sommerfest ein und verabrede mich mit einer anderen Mutter auf einen Kaffee. Auf der Arbeit erledige ich alles fristgerecht und kann beim Chef punkten.

Als ich die gut gelaunten Kinder um 14 Uhr wieder abhole, schmeißen sie sich mir freudig entgegen, decken mich mit Bildern und Geschenken ein und erzählen mir von ihrem Tag. Der Wocheneinkauf vom Biomarkt steht natürlich schon im Kofferraum und wir kommen in ein blitzblankes Zuhause. Die Landhausküche glänzt und die weißen Kinderzimmer sind aufgeräumt. Mein Junge und mein Mädchen ziehen sich im Flur ohne Quengeln die Schuhe und Jacken aus, bringen sie an die dafür vorgesehen Plätze. Während ich die Lebensmittel verstaue, spielen die beiden in harmonischem Einklang ein pädagogisch wertvolles Spiel, basteln oder gehen wahlweise in den Garten.

Mein Mann kommt um 17 Uhr nach Hause. Wir begrüßen uns innig, verliebt wie am ersten Tag. Das Essen steht natürlich schon auf dem Tisch und wir können gemeinsam den Tag nochmal Revue passieren lassen, ohne dass ein Becher mit Saft umgeschmissen wird, an den Kartoffeln gemäkelt und der Blumenkohl über den Tisch gepfeffert wird. Meine Kinder sitzen ordentlich und ruhig auf ihren Stühlen. Sie kleckern nicht, sie essen auf und sie putzen sich nach dem Abendbrot die Zähne ohne mit der Wimper zu zucken. Papa liest eine Geschichte vor und beide schlafen in ihren eigenen Betten, im eigenen Zimmer durch bis ein neuer perfekter Tag beginnt. All das habe ich natürlich mit meiner neuen Spiegelreflex festgehalten, um es mit den passenden Hashtags und einem lustigen Text versehen zu posten. Denn ich möchte meinen 31.000 Followern zeigen wie happy wir doch sind und sie an unserem Leben teilhaben lassen.

Ja, es gibt Tage, da wünsche ich mir, dass es so läuft. Ich möchte gern diese Mutter sein! Es wäre schön, wenn meine Haare jeden Tag 1A liegen würden und wenn meine Kinder einfach mal hören würden. Ja, manchmal wäre das schön.

Es läuft leider nicht immer so. Und am Ende des Tages, wenn ich auf der Couch sitze, einen Berg Wäsche neben mir (ich bügle nicht, ich falte nur), meinen Mann auf der anderen Seite, einen Film schauend und in der Küche weichen noch die Töpfe ein, weil mir was angebrannt ist, ja dann atme ich tief durch. Dann sehe ich nicht mehr den Geschwisterstreit von heute Nachmittag, sondern nur noch das schokoladenverschmierte Lächeln meiner Kinder. Dann stören mich die ungeputzten Spiegel im Bad nicht und das ich nicht mehr weiß, wann ich das letzte Mal im Kino war, ist auch egal. Ich bin keine vollkommene Hausfrau und Mutter, ich stelle viele Dinge hinten an, um andere mehr genießen zu können. Die Zeit, die ich mit meinen Lieben verbringe ist wichtiger als blank polierte Fliesen. Denn die Zeit bringt mir keiner zurück. Momente, die ich verpasst habe, sind verloren. Also konzentriere ich mich auf mein Leben so wie es ist, nicht wie es sein könnte.

Wünscht ihr euch auch manchmal, dass es für euch anders laufen würde?

Liebe Grüße

Eure Denise