Langzeitstillen

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Ich war mir vor der Geburt meines Sohnes ganz sicher, dass ich ihn stillen würde. Von Langzeitstillen hatte ich schon einmal gehört, da es eine Bekannte mir gegenüber erwähnte. Sie stillte damals ihren 16 Monate alten Sohn noch und meinte nur, dass sie damit ein absoluter Einzelfall sei.

Ich kannte aus meinem Umfeld und meiner Familie nur, dass alle Kinder gestillt wurden. Daher stand für mich die Frage nach Flaschennahrung gar nicht zur Diskussion. Ich wusste, dass man 6 Monate voll stillt und dann mit der Beikost beginnt. So war auch mein Plan. Und mit ca. 1 Jahr würde ich dann abgestillt haben.

Aber es kommt ja erstens immer anders und zweitens als man denkt. Mein Sohn wurde 6 Monate alt. Aber er wollte keine Beikost. Er schob das „richtige Essen“ immer mir der Zunge aus seinem Mund. Also stillte ich noch ca. 1 ½ Monate voll weiter. Um ehrlich zu sein, empfand ich die ganze Brei- und Beikosteinführung doch als sehr kompliziert, einengend und statisch. Auch die Beikostpläne, die man gerne von den Herstellern der Babygläschen als Handreichung bekommt, empfand ich als sehr unpraktikable. Für mich war es einfach nicht mit meinem intuitiven Umgang mit meinem Kind in Einklang zu bekommen. Daher landeten diese „Beikostfahrpläne“ sehr schnell im Papiermüll. Kinder funktionieren eben nicht so, wie wir Erwachsenen uns das immer gerne vorstellen.

Da unser Kinderarzt mir von baby-led weaning (BLW) vorschwärmte und ich es auch von einer Freundin schon gehört hatte, wurde ich neugierig. Also machten wir BLW. Was soll ich sagen, ich fand es sehr entspannend. Mein Kind saß am Esstisch in seinem Hochstuhl und aß das mit, was wir auch aßen.

Allerdings waren es noch keine Portionen, die meinen Sohn zufriedenstellend satt gemacht hätten. Also stillte ich ihn hinterher noch .

Viele in meinem Umfeld konnten das „zusätzliche oder nachträgliche Stillen“ nicht nachvollziehen. Schließlich sollte das Kind ja lernen sich satt zu essen. Das sah ich anders, weshalb ich auch unbeirrt weitermachte. Ich war davon überzeugt, dass es der richtige Weg für mich und mein Kind ist.

In der Krabbelgruppe traf ich eine Mutter, die uns erzählte, dass sie ihre älteste Tochter bis 4 ½ Jahre gestillt hatte. Zugegeben, zuerst war es sehr befremdlich für mich. Sie führte es jedoch aus und erklärte uns wieso, weshalb und warum Langzeitstillen für sie kein Problem war. Das war, glaube ich, der entscheidende Moment für mich. Mir wurde klar, dass ich mir und meinem Kind nicht den Druck machen muss so schnell wie möglich Beikost einzuführen. Ich empfand es als enorm befreiend.

Auch begann ich mich mit der Frage zu beschäftigen, was das Stillen eines Kleinkindes für Vorteile mit sich bringt. Beispielsweise schützt die Muttermilch auch weiterhin vor Krankheitserregern. Ich kann hier aus Erfahrung sprechen. Mein Sohn ist wirklich sehr selten krank, obwohl er lange bei der Tagesmutter war und mittlerweile im Kindergarten ist.

Mein Sohn hängt mir nicht am Rockzipfel. Er ist ein sehr aufgeweckter, selbstständiger und neugieriger Junge. Er geht offen auf Menschen zu und findet schnell Freunde. Für mein Verständnis ist er absolut normal entwickelt und sehr selbstständig. Selbstständigkeit ist mir sehr wichtig. Oft wird mit dem Langzeitstillen assoziiert, dass Mütter ihre Kinder nicht loslassen können. Wobei ich persönlich es eher weniger glaube. Ich reflektiere mich selbst sehr oft, was das Stillen betrifft. Ich habe mit dem Stillen eines Kleinkindes keine Probleme. Mein Kleinkind hat mit seinem noch gestillt werden ebenfalls keine Probleme. Für ihn ist es exklusive Mama-Kuschel-Zeit, Geborgenheit, Liebe, Nähe, Sicherheit und ganz viel Wärme.

Ich genieße die Bindung, die ich mit meinem Sohn über das Stillen so schnell und unkompliziert aufbauen kann. Ich genieße es zu sehen, wie gut es ihm tut noch gestillt zu werden.

Morgens, noch im Halbschlaf, kommt mein kleiner Milchjunkie und stillt für 10-15 Minuten. Es ist unsere gemeinsame Mama-Kind-Zeit. Die wir uns nehmen bevor wir in den Tag starten. Ein Tag, dem mein Sohn putzmunter entgegen geht und Entdeckungstouren durch die Welt macht. Mit viel Mut, Selbstständigkeit und Sicherheit. Ich habe den Eindruck, dass es ihm unglaublich gut tut, so eine starke Bindung zu haben und die Gewissheit, dass er immer mit all seinen Bedürfnissen bei mir gut aufgehoben ist.

Langzeitstillen ist ein Wort mit dem ich mir schwer tue. Langzeitstillen ist ein Thema mit dem sich die westliche Gesellschaft unheimlich schwer tut. Es wird nicht verstanden. Diese einzigartige, wertvolle und natürliche Beziehung zwischen Mutter und Kind ist wertzuschätzen. Egal wie lange oder wie kurz sie dauert.

Eure

Vanessa