Dreimonatskoliken

Noch bevor unsere Tochter geboren wurde, erzählte mir meine Mutter von den ersten drei Monaten mit mir, in denen ich jeden Abend pünktlich zwischen 23 Uhr und 1 Uhr nachts gebrüllt habe. Sie nannte es die Dreimonatskoliken. Viel gedacht habe ich mir dabei nicht, wird bei uns schon nicht der Fall sein. Man sagte mir sowieso, dass Koliken eher bei Jungs auftreten. Als die Kleine dann da war, war auch erstmal von Bauchschmerzen keine Spur und wir genossen die neue Dreisamkeit.

Nach zehn Tagen bemerkte ich plötzlich, dass der Bauch von meinem Baby ganz prall und hart war, sie auch mehr schrie als vorher. Sie hatte wohl ganz offensichtlich Blähungen und wir machten ein wenig Babygymnastik, Fahrradfahren, Beine anwinkeln, etc. um ihr das Pupsen zu erleichtern. Doch es wollte einfach nichts helfen. Der Bauch blieb aufgebläht und ihre Schmerzen wurden von Tag zu Tag schlimmer. Hinzu kam, dass plötzlich der Stuhlgang für mehrere Tage ausblieb. Das allein ist natürlich bei Stillkindern erstmal kein Grund zur Sorge, aber ich merkte, dass es ihr sehr zu schaffen machte.

Eines Nachts dann wachte sie mit grellen Schreien auf und krümmte sich vor Schmerzen. Es war ein ganz anderes Schreien als das, was ich von ihr bisher gehört hatte. Offensichtlich hatte sie große Schmerzen und ihr Schreien war voller Leid, ein regelrechter Hilferuf. Ich musste weinen, weil es meinem Baby so schlecht ging und egal, was wir versuchten, sie konnte sich einfach nicht beruhigen.

Von da an gehörten diese furchtbaren Momente zu unserem Alltag. Als frischgebackene Mama war ich völlig verzweifelt und ging noch vor der U3 zur Kinderärztin, um Schlimmeres ausschließen zu lassen. Sie untersuchte meine Tochter genau und bemerkte natürlich auch den prallen Bauch. Sorgen müssten wir uns keine machen, die Bauchschmerzen seien nur auf die Umstellung des Darms auf die Muttermilch zurückzuführen. Das beruhigte mich zunächst ein wenig. Aber sie sagte auch, dass man gegen diese Koliken wenig machen könne. Sie schrieb zwar ein paar Tropfen und Zäpfchen auf, ich war aber absolut dagegen, meiner Kleinen jetzt schon Medikamente zu geben. Sie war doch gerade erst zwei Wochen alt!

Wir gingen also nach Hause und ich musste mir jeden Tag mein leidendes Kind ansehen, mit dem Wissen, dass ich ihr nicht wirklich helfen kann. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und gab Tropfen und Zäpfchen, in der Hoffnung, dass es ihr endlich besser ginge. Doch wie die Ärztin schon prophezeite, half auch das nicht richtig. Nach ein paar Tagen gab ich es auf und ließ die Medizin wieder weg. Also zurück zu Babygymnastik, der Fliegerposition und Bauchmassagen mit Kümmelöl. So ging das dann Wochen und Monate. Wir versuchten ihr so viel Nähe und Geborgenheit wie möglich zu geben, trugen sie stundenlang, damit sie merkt, dass sie mit den furchtbaren Schmerzen, die sie natürlich nicht verstehen konnte, nicht allein ist. Zusätzlich ließ ich alles an Lebensmitteln weg, was nur ansatzweise in Verdacht stand, bei Babys Blähungen auszulösen. Ich vermied Zwiebeln, Knoblauch, alle Kohlsorten, Tomaten, Paprika, kohlensäurehaltige Getränke, etc.

Das alles änderte NICHTS! Nahrungsumstellung war also auch nicht die Lösung.

Als sie dann ungefähr zweieinhalb Monate alt war, merkten wir, dass sich die Lage etwas entspannte. Sie krampfte nicht mehr jeden Tag. Mit ca. dreieinhalb Monaten dann war von den Bauchschmerzen nicht mehr viel zu spüren. Sie hatte es endlich überstanden und unsere Nächte wurden von diesem Zeitpunkt an auch ruhiger.

Unsere Tochter ist jetzt acht Monate alt und wir kämpfen wieder ab und an mit Bauchschmerzen, da die Umstellung auf Beikost auch das ein oder andere Verdauungsproblem mit sich bringt. Aber es ist bei weitem nicht so schlimm wie in den ersten drei Monaten. Diesmal sind es normale Bauchschmerzen, die schnell vorübergehen.

Natürlich versucht man als Eltern alles, um sein Kind von Schmerzen zu befreien. Meine Erfahrung war aber, dass die Umstellung des Darms ein ganz natürlicher Vorgang ist, der bei manchen Babys leider von starken Schmerzen begleitet wird und dagegen kann man in den meisten Fällen nicht viel machen. Probiert, ob es etwas gibt, das eurem Baby Linderung verschafft, aber verzweifelt nicht daran, wenn sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt. Auch diese Phase im Leben eures Kindes hat ein Ende.

Hatten oder haben eure Kleinen Probleme mit Koliken? Gab es bei euch etwas, das geholfen hat?

Eure Sabrina